11.02.2022

Wilhelmsfeld: Christoph Oeldorf im Interview über seinen Abschied

Der Ex-Bürgermeister spricht im RNZ-Interview über seinen Abschied aus dem Luftkurort: "Ich bin nicht aus der Welt".

Von Christoph Moll

Wilhelmsfeld/Schriesheim. Christoph Oeldorf ist nicht mehr Bürgermeister. Nicht mehr in Wilhelmsfeld, aber auch (noch) nicht in Schriesheim, wo er bekanntlich zum 1. Februar sein neues Amt antreten sollte. Eine Klage verhindert dies derzeit, sodass Oeldorf lediglich als sogenannter Amtsverweser fungieren darf. Und dann kam auch noch eine Corona-Infektion dazu. Der Start kam also völlig anders als geplant. Im RNZ-Interview spricht der 43-Jährige nicht nur darüber, sondern zieht auch eine Bilanz seiner Amtszeit in Wilhelmsfeld und verrät, ob er weiter im Luftkurort wohnen wird.

Herr Oeldorf, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihnen?
Den Umständen entsprechend recht gut. Es ist wie ein leichter grippaler Infekt. Ich weiß jedoch nicht, wo ich mich angesteckt habe. Nach ein paar Tagen war ich wieder auf dem Weg der Besserung und habe noch leicht abklingende Erkältungssymptome. Nach der Quarantäne stehe ich wieder voll zur Verfügung. Irgendwann wird es einem Bürgermeister auch langweilig.

Wie war das für Sie, als der Schnelltest plötzlich positiv war?
Am Abend vorher war meine Wahl zum Amtsverweser der Stadt Schriesheim. Zuvor hatte ich am Nachmittag noch einen Schnelltest gemacht, welcher negativ war. Ein paar Stunden nach dem positiven Ergebnis am nächsten Morgen hatte ich schon Fieber. Aber auch wenn man täglich mit dem Thema Corona zu tun hat, muss man erst einmal überlegen: Was muss ich jetzt tun? Wen muss ich informieren? Was muss für die Arbeit geklärt werden? Ich habe dann umgehend die wichtigsten Schritte in die Wege geleitet und mich in Absonderung begeben.

Wie waren die ersten Tage als Ex-Bürgermeister von Wilhelmsfeld – und natürlich Neu-Bürgermeister von Schriesheim?
Ich war bis zum letzten Tag im Wilhelmsfelder Rathaus im Dienst. Es gab auch noch eine Versammlung des Wasserzweckverbands Eichelberg. Am nächsten Tag ging es in Schriesheim los, abends war meine Einführung als Amtsverweser. Es war ohnehin schon kein normaler Wechsel und dazu kam noch Corona. Ich hatte ehrlich gesagt noch keine Zeit, über den "Ex-Bürgermeister" nachzudenken.

Sie sprechen es an. Sie können durch eine Klage nicht als Bürgermeister, sondern lediglich als Amtsverweser in Schriesheim starten. Sie gehen ein großes Risiko ein.
Ja, es besteht das Risiko, dass ich am Ende ohne Bürgermeister-Job dastehe. Das ist mir bewusst und lässt sich nicht leugnen. Natürlich habe ich auch darüber nachgedacht, ob ich nicht einfach weiter in Wilhelmsfeld bleiben soll. Alles andere wäre merkwürdig, blauäugig und naiv. Wäre ich aber geblieben, wäre beiden Kommunen ein Schaden entstanden. Ich finde es wichtig, für klare Verhältnisse zu sorgen und Stillstand zu vermeiden. Daher vertraue ich einfach darauf, dass die Entscheidung des Verwaltungsgerichts für mich am Ende positiv ausfällt.

Wie schwer ist Ihnen der Abschied aus Wilhelmsfeld gefallen?
Der Abschied kam ja nicht plötzlich. Ich habe mich schon seit meiner Bewerbung in Schriesheim darauf vorbereitet. Meine Zeit als Bürgermeister in Wilhelmsfeld war eine sehr spannende und prägende Zeit, die ich sicherlich nie vergessen werde. Ich bin zwar nun nicht mehr Bürgermeister, aber bleibe ja weiter ein Wilhelmsfelder Bürger.

Sie sind als Bürgermeister nach Wilhelmsfeld gezogen, haben eine Wilhelmsfelderin geheiratet, sind im Luftkurort heimisch geworden. Man hätte meinen können, dass Sie nun auf dem Weg Ihres Vorgängers sind, der 32 Jahre im Amt war.
Da hätten ja noch die Wähler mitmachen müssen (lacht). Mein Plan war es, langfristig in Wilhelmsfeld zu bleiben. Es ist einfach anders gekommen, weil sich die Gelegenheit ergeben hat und ich angesprochen wurde. Dann bin ich ins Grübeln gekommen. Ich war auf keinen Fall unglücklich in Wilhelmsfeld. Es war aber eine einmalige Chance, die sich mir bot, in einer Konstellation, die ich nutzen wollte. Ich wollte mir einmal nicht selbst vorwerfen, dass ich es nicht probiert hätte. Die Aufgabe, Bürgermeister in einer größeren Kommune zu sein, war reizvoll. Zudem ist es die Stadt, in der ich zur Schule gegangen bin und in der sich viele Freundschaften und enge soziale Bindungen entwickelt haben.

Werden Sie Wilhelmsfelder bleiben?
Wir haben hier ein Haus und möchten diesen Standard auch nicht aufgeben. Der Immobilienmarkt in Schriesheim ist auch nicht leicht. Grundsätzlich könnte ich mir sehr gut vorstellen, nach Schriesheim zu ziehen. Allerdings müssen hierfür die Rahmenbedingungen für meine Familie und mich stimmen.

Wenn Sie zurückblicken: Was war der Höhepunkt Ihrer Amtszeit?
Der inhaltlich und fachlich größte Erfolg war, Fördermittel für den Glasfaserausbau generieren zu können. Man mag es kaum glauben: Einer meiner ersten Termine als Bürgermeister in Wilhelmsfeld war ein Gespräch mit einem privaten Glasfaser-Unternehmen. Dieses war sehr ernüchternd und frustrierend, weil ein Ausbau als nicht rentabel dargelegt wurde. Damals wurde deutlich: Das wird keine einfache Geschichte. Als dann klar war, dass wir es als Kommune mit Fördermitteln hinbekommen, war das schon ein kleiner Höhepunkt. Wir reden hier von einer Investition über ein paar Millionen.

Und was war der Tiefpunkt?
Ich möchte nicht von einem speziellen Tiefpunkt sprechen. Man kämpft immer mit den Finanzen, die eine Gemeinde ausbremsen. Da kann es manchmal doch schwerfallen, freudig und enthusiastisch Projekte zu planen. So hätte der Straßenbau die eine oder andere Maßnahme mehr verdient gehabt. Leider gibt es hierfür auch keine Fördermittel, die gerade für kleinere Kommunen dringend notwendig wären. Das war auch frustrierend. In Schriesheim sind die finanziellen Mittel zwar auch endlich, jedoch sind die Voraussetzungen andere.

Wo ist Ihre Amtszeit in Wilhelmsfeld unvollendet geblieben?
Ich hätte noch gerne den Spatenstich für den Glasfaserausbau als Bürgermeister erlebt. Das ist schade.

Und wie sieht Ihre private Bilanz aus?
Erfolgreich und emotional. Ich habe in Wilhelmsfeld meine Frau Laura kennengelernt und geheiratet. Während meiner Amtszeit ist unser Sohn Jonathan zur Welt gekommen.

Ja, Sie sind vor Kurzem Vater geworden. Und treten nun eine neue Stelle an. Das könnte anstrengend werden.
Natürlich haben wir uns überlegt, ob es nicht einfacher wäre, in Wilhelmsfeld zu bleiben. Aber als Bürgermeister trägt man stets Verantwortung. Es gibt als Bürgermeister kein gemütliches Leben. Nicht in Wilhelmsfeld, nicht in Schriesheim. Deshalb bin ich ja auch Bürgermeister. Wenn ich es gemütlich wollte, wäre ich in diesem Job falsch. Ich bin sehr froh, dass mich meine Familie hierbei voll und ganz unterstützt.

Wie sehen Sie Ihre künftige Rolle als Ex-Bürgermeister?
Mein Stellvertreter und auch mein künftiger Nachfolger können sich natürlich jederzeit bei mir melden, wenn sie Fragen haben. So hat es auch mein Vorgänger gehandhabt. Und das ist richtig. Ich bin nicht aus der Welt. Noch hat das Wilhelmsfelder Rathaus aber nicht bei mir angerufen. Mir war es wichtig, den Übergang gut zu gestalten. Ich werde aber auf keinen Fall in der Kommunalpolitik mitmischen. Das wäre nicht angebracht und da wäre ich auch schlecht beraten. Es wird aber viele Berührungspunkte zwischen Schriesheim und Wilhelmsfeld geben. Ich sehe mich da als Partner und bin für interkommunale Zusammenarbeit offen.

Was wünschen Sie sich für Wilhelmsfeld?
Ich würde mich freuen, wenn der Weg der vergangenen Jahre auch vom Gemeinderat weitergegangen wird. Es ist wichtig, an die großen Themen zu gehen – auch wenn es kurzfristig unangenehm wird. Ich denke da vor allem an den Straßenbau.

Und auf was freuen Sie sich als Bürgermeister von Schriesheim?
In den nächsten acht Jahren warten sicherlich einige spannende Aufgaben auf mich. Es wird nicht immer leicht werden, aber ich freue mich einfach auf die kommenden Herausforderungen. Zunächst gibt es einige laufende Projekte, die weiter vorangetrieben und zu gegebener Zeit abgeschlossen werden müssen.

Hintergrund: Christoph Oeldorf ist 43 Jahre alt und stammt ursprünglich aus Hirschberg an der Bergstraße. Im April 2017 wurde der Kandidat der Freien Wähler mit knapp 56 Prozent im zweiten Wahlgang zum neuen Bürgermeister von Wilhelmsfeld gewählt – und damit zum Nachfolger von Hans Zellner, der nach 32 Jahren nicht mehr kandidierte. Zuvor war Oeldorf stellvertretender Leiter der Bundesarbeitsagentur in Weinheim und absolvierte an der Hochschule Kehl einen Masterstudiengang für Führungskräfte in der Verwaltung. Und er war Mitglied im Hirschberger Gemeinderat. Was ein Bürgermeister so alles leisten muss, hat Oeldorf von Kindesbeinen an kennengelernt. Sein Vater war von 1975 bis 2007 Bürgermeister von Hirschberg. Oeldorf ist in Leutershausen aufgewachsen, war dort schon früh als Handballer bei der SG und bei den Pfadfindern aktiv. Mitte des vergangenen Jahres gab Oeldorf seine Kandidatur in Schriesheim bekannt, wo er sich Ende November gleich im ersten Wahlgang mit über 56 Prozent der Stimmen durchsetzte. Eine Klage verhindert derzeit den Amtsantritt als Bürgermeister, sodass er lediglich als sogenannter Amtsverweser starten konnte. Durch seine Wahl in Schriesheim ist Oeldorf nicht mehr Erster Vorsitzender des "Zweckverbandes Grundwasserversorgung Eichelberg". Dieses Amt ist stets an den Bürgermeister von Wilhelmsfeld gebunden. Seinen Posten als Zweiter Vorsitzender des "Abwasserzweckverbandes Schönau" wird er bei der nächsten Wahl aufgeben. Nach wie vor ist Oeldorf Vorsitzender des Roten Kreuzes Steinachtal und Vorstandsmitglied im Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar. cm

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung