17.02.2022

"Uffbasse"-Bündnis installiert Pinnwand am historischen Rathaus

Ein Schritt zu mehr Dialog in der Stadt: Auf der Pinnwand kann jeder seine Gedanken zu Corona hinterlassen.

Von Max Rieser

Schriesheim. Vor dem historischen Rathaus in der Altstadt steht ab sofort eine große, hölzerne Pinnwand. Die erfüllt einen bestimmten Zweck, denn jeder kann sich einen der farbigen Klebezettel abreißen, mit einem mitgebrachten Stift beschriften und ihn an das Brett kleben. Die Idee stammt von dem Bündnis "Uffbasse – Schriesheim ist solidarisch mit Abstand und Maske". Im Januar hatte das Bündnis aus Grüner Liste, CDU, SPD, Freien Wählern und Bürgergemeinschaft (BgS) zu einer Menschenkette aufgerufen, um den "Montagsspaziergängern", zu denen unter anderem Kritiker der Coronamaßnahmen, Impfgegner und Coronaleugner zählen, etwas entgegenzusetzen. Das war gelungen, denn beim ersten und einzigen Termin von "Uffbasse" nahmen über 500 Personen an einer Menschenkette teil.

Schon damals signalisierten die Mitglieder allerdings, dass man nicht, wie im benachbarten Ladenburg, nun jeden Montag eine Demonstration anmelden wolle. Das habe auch konkrete Gründe, wie die Vorsitzende der Schriesheimer CDU, Christiane Haase, bei der Vorstellung des neuen Projekts erklärte: "Wenn wir jeden Montag eine Demonstration anmelden, werden immer Einsatzkräfte gebunden, die momentan ohnehin überlastet sind." Stattdessen sollten andere Formate gefunden werden, die auch die viel beschworene Spaltung der Gesellschaft in Maßnahmenbefürworter und -gegner ein Stück weit überwinden sollen.

Joachim Schuhmacher von der FDP kam die Idee für die Pinnwand beim Besuch der Ausstellung "Mutter!" in der Mannheimer Kunsthalle. Dort konnte jeder Besucher seine Gedanken und Gefühle zur eigenen Mutter aufschreiben und aushängen: "Da kamen die unterschiedlichsten Dinge – zwischen tiefer Verbundenheit, aber auch Konfliktverhältnisse – zum Vorschein", berichtet er. Nach diesem Vorbild soll auch das "Schwarze Brett" in der Heidelberger Straße funktionieren, was den Bündnismitgliedern sofort gefiel. Mit Axel Breinlinger (SPD), Liselore Breitenreicher (BgS), Nadja Lamprecht (Freie Wähler), Klaus Hartmann (Freie Wähler), Ulrike von Eicke (FDP), Christiane Haase (CDU), Bernd Hegmann (Freie Wähler), Fadime Tuncer (Grüne Liste), Joachim Schuhmacher (FDP) und Nathalie Schuhmacher-Grauer (FDP) unterschrieben insgesamt zehn Lokalpolitiker das Schreiben, mit dem das Projekt vorgestellt wurde.

Mit "Gedankensplittern" zur Pandemie soll ein Dialog ohne Konfrontation entstehen. Jeder kann seine "Gedanken, Hoffnungen, Emotionen" anpinnen – und sich so Luft machen. Das soll auch gegenseitig zum Nachdenken anregen. Einen Trennstrich ziehe man nur bei "diskriminierenden und beleidigenden Kommentaren", sagt Ulrike von Eicke, die Vorsitzende der Schriesheimer Liberalen. Um das sicherzustellen, wollen die Bündnismitglieder regelmäßig kontrollieren, was neu an der Pinnwand hinzugekommen ist: "Wir versuchen, täglich zu schauen, was es Neues gibt", so von Eicke. Um die Betrachtungen zur Pandemie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, überlegen die Bündnismitglieder, wöchentlich ein Foto der Wand im Gemeindemitteilungsblatt zu veröffentlichen. Das Format habe den Vorteil, dass man in eine Art Dialog treten könne, was bei der Menschenkette nicht möglich gewesen sei, so Schuhmacher: "Die Spaziergänger haben einen großen Bogen um uns gemacht, so kam natürlich kein Gespräch zustande." Und das sei das Wichtigste, findet Haase: "Man kennt es ja aus der Familie und dem Freundeskreis, da ist jede Meinung vertreten" – und sie versuche, mit jedem in ein Gespräch zu kommen: "Schluss ist natürlich, wenn es mit rechtem Gedankengut und Rassismus losgeht", sonst habe sie "immer Verständnis für "beide Seiten".

Trotzdem sei man nicht einverstanden mit den Montagspaziergängern: "Die Veranstaltungen sind nicht angemeldet. Wenn man es macht, dann angemeldet auf demokratischem Weg", so Haase. Man müsse zu dem stehen, was man sagt und nicht "so tun als wäre es keine Demonstration".

Vorerst sei geplant, die Pinnwand, die Georg Grüber von der Grünen Liste in seiner Tischlerei angefertigt hat, vier Wochen stehen zu lassen. Danach müsse man sehen, ob es Bedarf für weitere Projekte gebe. Mitinitiatorin Fadime Tuncer (Grüne Liste) ließ sich für die Vorstellung der Pinnwand aufgrund des Todes des Grünen Landtagsabgeordneten Uli Sckerl entschuldigen. Liselore Breitenreicher und Hilmar Frey, die eigentlich auch dabei sein wollten, mussten wegen Krankheit fernbleiben.

Info: Neben der Pinnwand kann man per E-Mail auch direkt mit dem "Uffbasse"-Bündnis in Kontakt treten: bewegendecoronazeiten@web.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung