18.02.2022

Töteten Hunde die Rehkitze?

Der rätselhafte Fund von Tierkadavern in Schriesheimer Wald und Flur steht kurz vor der Aufklärung.

Von Max Rieser

Schriesheim. Es ist ein Krimi, der sich in den vergangenen Wochen im Schriesheimer Wald abgespielt hat – und der noch nicht ganz aufgeklärt ist. Angefangen hatte alles am 12. Dezember, als Jagdpächter Jens Habenicht eine schockierende Entdeckung in seinem Jagdrevier machte.

Rund 100 Meter entfernt vom Schützenhaus des Sportschützenvereins "Strahlenburg" fand er den kleinen Kadaver eines Rehkitzes, allerdings ohne Kopf und ohne Schulter. Beide Körperteile waren vermeintlich "sauber herausgeschnitten worden", wie Habenicht berichtete. Schon am 18. Dezember bot sich ihm ein ähnlicher Anblick, als er nur einige Hundert Meter entfernt ein weiteres Kitz fand, das ebenso zugerichtet war. Schon beim ersten Vorfall sei Habenicht alarmiert gewesen, da er meinte, den Schuss eines Kleinkalibergewehrs gehört zu haben. Das war allerdings um 8 Uhr morgens, und im Wald herrschte noch Dunkelheit. Daher ging der Jagdpächter davon aus, dass jemand einen "Probeschuss" abgegeben hat.

Das und die fehlenden Körperteile der Tiere bewegten ihn dazu, die Polizei einzuschalten. Auch diese ging von Wilderei aus. Durch die "sauberen" Wundränder schlossen Polizei und Jäger einen Wildtierangriff vorerst aus. Man nahm an, dass der Kopf entfernt worden war, da die vermeintlichen Täter so versucht hätten, das abgeschossene Projektil zu bergen. Die Polizei wandte sich mit der Bitte um Hinweise an die Bevölkerung und warnte gleichzeitig davor, sich Wilderern zu nähern. Eine gewalttätige Reaktion könne nicht ausgeschlossen werden.

Wilderei scheint ausgeschlossen

Nur einige Wochen später kam es zum nächsten Fund bei Schriesheim, diesmal in der bei Wanderern beliebten Spatschlucht, die zum Revier von Winzer und Jäger Georg Bielig zählt. Im Gegensatz zu den beiden anderen Fällen wurde diesmal nur der Kopf eines Rehkitzes gefunden, unschönerweise von Kindern des Waldkindergartens. Wie schon Habenicht war es Bielig wichtig, zu betonen, dass vor allem kein Jäger so handeln würde, da die Fachleute die Kadaver keinesfalls einfach im Wald liegen lassen, sondern die toten Tiere mitnehmen.

Alle Fundstücke wurden dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVA) in Karlsruhe zur Obduktion übermittelt. Genauso wie ein toter Wildschweinfrischling, der in der Nähe des Drachenfliegerplatzes beim Schriesheimer Steinbruch gefunden worden war. Relativ schnell bekamen die Jäger die Meldung, dass es sich zumindest beim gefundenen Rehkopf und dem Frischling um die Tat eines Wildtieres und nicht eines Menschen gehandelt habe.

Im Bericht des CVA ist bisher aber nicht aufgeführt, welches Tier für die schweren Verwundungen verantwortlich sein könnte. Die Pressestelle des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, dem das CVA unterstellt ist, verwies die RNZ auf die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg, deren Direktorin Katja Wetz am Donnerstag allerdings nicht zu erreichen war. Jagdpächter Bielig hat aber einen Verdacht. "Dass es Wildtiere waren, glaube ich kaum", sagt er. Luchse, Füchse, Wildkatzen oder gar Wölfe gebe es keine in der Gegend. Vielmehr glaubt Bielig, dass es Hunde gewesen sind: "Es gab in letzter Zeit vermehrt Hundeangriffe auf Rehe und Wildschweine", berichtet er. Der Verdacht würde sich erhärten, wenn man sehe, dass es sich um unterschiedliche Opfertiere gehandelt habe und nur wenige, fleischarme Teile der Tiere fehlten.

Update: Donnerstag, 17. Februar 2022, 19.40 Uhr

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung