25.02.2022

Wie in Schriesheim der Verkehr der Zukunft aussehen soll

Die B3 ist stark belastet, aber nicht so stark wie angenommen.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Schon seit dem vorletzten Jahr hingen jeweils für einen Tag die schwarzen Zählboxen an etlichen Straßen im Stadtgebiet. Und zwar aus dem einen Grund: Sie sollten die Verkehrsströme erfassen, denn das Karlsruher Ingenieurbüro Koehler & Leutwein arbeitet an einem Verkehrskonzept für Schriesheim. Genauer gesagt sind es sogar zwei: ein Mobilitäts- und Parkraum- sowie ein Radverkehrskonzept. Für Letzteres wurden im letzten September sogar die Radfahrer an den wichtigsten Routen in der Stadt befragt.

Nun stellte Stefan Wammetsberger, Geschäftsführer von Koehler & Leutwein, im Gemeinderat vor, was alles geplant ist und weswegen er den Auftrag bekam: Zunächst hat Schriesheim selbst die altbekannten und drängenden Verkehrsprobleme – angefangen vom Parken bis hin zu verstopften Straßen rund ums Schulzentrum (was wohl noch schlimmer wird, wenn der geplante Kindergarten in der Conradstraße fertig ist). Und dann macht das Land ambitionierte Vorgaben, vor allem wegen des Klimaschutzes: Bis 2030 soll es ein Drittel weniger Autoverkehr geben, zugleich soll der Anteil des Öffentlichen Nahverkehrs im gleichen Zeitraum um die Hälfte steigen – und nicht zuletzt soll der klimafreundliche Radverkehr gefördert werden. Und gerade von den Radlern hat Schriesheim im Radklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs erst unlängst schlechte Noten bekommen (RNZ vom 19. März 2021).

Bis es konkrete Vorschläge geben wird, dauert das noch seine Zeit, zumal ja auch die Schriesheimer selbst gefragt werden sollen, dazu ist auch ein Fragebogen in Arbeit. Wobei es Wammetsberger wichtig war, dass das Verkehrskonzept nicht nur für die Kernstadt, sondern auch für die beiden Ortsteile gelten wird.

Aber immerhin: Die Ergebnisse für den Autoverkehr liegen vor und sind nicht besonders überraschend: Am stärksten belastet ist die B 3 mit bis zu 8700 Fahrzeugen am Tag, an der Kreuzung der Talstraße zur Landstraße wurden 3500 Fahrzeuge gezählt. Deutlich weniger ist da in der Ladenburger Straße mit etwa 2600 Fahrzeugen los – und in Richtung Stadtmitte wird der Verkehr schwächer, denn viele biegen in die Fensenbäume (bis zu 1500 Fahrzeuge) oder in die Kurpfalzstraße (bis zu 900) ein. Gemessen daran fällt die Kreuzung Max-Planck-Straße (bis zu 700) zur Conradstraße (bis zu 500) ab – da ist sogar im Dossenheimer Weg (bis zu 900) und in der Passein (bis zu 500) mehr Verkehr. Das deckt sich ungefähr mit der Verkehrsprognose von 2004, die wegen des Branich­tunnels erstellt wurde (die Zahlen sind aufs Jahr 2015 hochgerechnet). Allerdings liegen die nun gezählten Fahrzeuge doch etwas unter der Prognose: So sind an der B 3 eben nicht 10.000 Fahrzeuge unterwegs, sondern "nur" 9000, und am Anfang der Talstraße auch keine knapp 5000, sondern 3500. Übrigens: Der Schwerlastverkehr ist mit Abstand auf der B 3 am stärksten, allerdings bei einem vergleichsweise geringen Anteil von maximal 3,7 Prozent.

Neu sind die Ergebnisse der Radfahrerbefragung an fünf Stellen im Stadtgebiet, 458 Radler machten mit. Der Anteil der E-Räder ist gering, am höchsten noch östlich der B 3, was sich damit erklären lässt, dass alle die, die zum Schulzentrum wollen, in der Regel keine Pedelecs haben, während am Hang der Freizeitverkehr – und dafür dienen ja meist die Hilfsmotoren – stärker ist. Und wo wollen die Radler hin?

Tatsächlich oft nach Schriesheim, sei es zur Schule oder zum Einkaufen. Besonders viele kommen dabei aus Leutershausen und Dossenheim, aber es gibt auch etliche Berufspendler, die von Weinheim nach Heidelberg wollen und dabei Schriesheim nur streifen. Auch der Anteil der Heidelberger, die es nach Schriesheim zieht, ist recht hoch. Man ahnt es schon: Gerade im Radverkehr steckt noch jede Menge Potenzial.

Aber das sind bisher nur erste Ausschnitte aus Wammetsbergers Arbeit, denn bis jetzt weiß man zum Beispiel noch nicht, wie der sogenannte "Modal Split", also der Anteil der verschiedenen Verkehrsarten an allen zurückgelegten Wegen, aussieht. Aber dafür gibt es ja auch die angekündigte Fragebogenaktion. Vielleicht ist das Resultat nicht anders als in Herbolzheim, wo Koehler & Leutwein ein ähnliches Projekt am Laufen hat. Hier benutzte man für 60 Prozent aller Strecken das Auto, für 25 Prozent das Rad, acht Prozent den Nahverkehr und sieben Prozent gingen zu Fuß. Da Herbolzheim durchaus mit Schriesheim und seinen Ortsteilen vergleichbar ist, erwartet Wammetsberger hier nicht gravierend andere Ergebnisse als in Südbaden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung