01.03.2022

Zwei Plätze für zwei Vorbild-Demokraten?

Vorschlag: Rathausvorplatz nach Georg Rufer und die Kriegsopfergedenkstätte nach Anton Geiß benennen

Schriesheim. (hö) Es kommt Bewegung in die Frage, ob man in Schriesheim Plätze nach den verdienten Demokraten Georg Rufer und Anton Geiß benennen sollte. Die erste Idee hatte dazu der einstige FDP-Vorsitzende Ingo Kuntermann, der 2014 vorschlug, den badischen Staatspräsidenten Geiß mit einem Weg in den Weinbergen zu ehren. Und in der jüngsten Debatte um die mögliche Umbenennung der Hans-Pfitzner-Straße meldete sich nach langem Schweigen die Familie von Alt-Bürgermeister Rufer zu Wort – mit der Idee, den namenlosen Platz der Kriegsopfergedenkstätte oder wahlweise den vor dem neuen oder alten Rathaus nach ihm zu benennen (RNZ vom Donnerstag).

Nun machte FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger einen Vorstoß, wie beide Persönlichkeiten berücksichtigt werden könnten. Ursprünglich hatte er auch im Sinn, dass der Platz der Kriegsopfergedenkstätte Rufers Namen tragen könnte. Was insofern historisch richtig wäre, da direkt gegenüber, auf dem heutigen Gelände der Volksbank, einst das Rathaus stand – eine ehemalige Gründerzeit-Villa, die nach dem Krieg Sitz der Stadtverwaltung war und die nach der Nutzung als Post und Jugendzentrum 1980 abgerissen wurde.

Doch dann fand Renkenberger, dass das genauso gut auch für die Plätze vor den Rathäusern gelten könnte, schließlich war Rufer ja Bürgermeister. Bei Geiß ist es ähnlich, denn schließlich wohnte er in seinen letzten Jahren am alten Rathaus, in der Heidelberger Straße 14, woran seit 2016 auch eine Gedenktafel erinnert. Schon 2020 unternahmen Kuntermann und Renkenberger einen Vorstoß in dieser Angelegenheit, dachten aber eher an den Platz vor dem neuen Rathaus.

Nun kam Renkenberger auf die Idee, dass man einen der beiden Plätze vor den Rathäusern Rufer widmen könnte, schließlich hatte er als Bürgermeister ja einen kommunalen Bezug, Geiß hingegen einen über Schriesheim hinaus – und da wäre die Kriegsopfergedenkstätte am passendsten. Prinzipiell, so Renkenberger, sei er nicht festgelegt. Für ihn ist der Vorteil dieser Lösung, dass es keine Umbenennungsdiskussion gibt; man müsse nicht "in historisch dunklen Ecken wühlen" und finde für "beide ,Vorbild-Demokraten’ einen guten Platz, ohne sie gegen jemanden oder gar gegeneinander ausspielen zu müssen".

Die Grüne Liste signalisierte Zustimmung: Sie könne "sich sehr gut vorstellen, dass der Platz vor dem neuen Rathaus nach Georg Rufer benannt würde. Das wäre sehr passend für den ehemaligen Bürgermeister", meint Christian Wolf. Allerdings wäre es vorher wichtig zu wissen, wie das Rufers Familie sieht. Und was ist mit Geiß? Wolf meint: "Wir können uns auch sehr gut vorstellen, wenn die Kriegsopfergedenkstätte nach Anton Geiß benannt würde."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung