01.03.2022

Fadime Tuncer ist jetzt schon Landtagsabgeordnete

Fadime Tuncer ist jetzt schon Landtagsabgeordnete

Fadime Tuncer. Foto: Peter Dorn
Die Schriesheimerin rückte bereits am letzten Montag offiziell für Uli Sckerl nach. Sie gibt zu, dass ihr dieser Schritt innerlich schwerfällt.

Bergstraße-Neckar. (hö) Eigentlich wollte es Fadime Tuncer nicht an die große Glocke hängen – aus Pietätsgründen nach dem Tod ihres Freundes und Arbeitgebers Uli Sckerl. Aber die Landtagsverwaltung lässt da wenig Platz für Trauer.

Und so wurde Tuncer bereits am letzten Montag, 21. Februar, zur Nachrückerin Sckerls – eine Woche nach dessen Tod und zwei Tage nach dessen Beerdigung. Mittlerweile trat sie – zusammen mit ihrem Landtagskollegen und Co-Schriesheimer Sebastian Cuny – bei der Ukraine-Mahnwache am Freitagabend in Weinheim in neuer Funktion auf.

Tuncer ist gerade noch mittendrin in ihrem eigenen Umorientierungsprozess: "Die Formalia hatten ihren Lauf genommen, ich musste da selber durch." Und als sie am Montag die Ernennungsurkunde überreicht bekam, war sie, wie sie auf RNZ-Nachfrage gesteht, "innerlich noch nicht bereit dazu". Gleichzeitig hatte sie die schwere Aufgabe, Sckerls Stuttgarter Büro auszuräumen – ihre bisher einzigen Termine in der Landeshauptstadt, zumal im Landtag bis zum Ende der Fastnachtsferien keine Sitzungen anstehen. Erst am 7. März wollte sie bekannt geben, dass sie nun den Wahlkreis für die Grünen vertritt. Aber auch hier: Die Ereignisse, gerade in der Ukraine, waren schneller, und so absolvierte sie in Weinheim ihren ersten Termin.

Die sitzungsfreie Zeit nutzt Tuncer, um ihre Wahlkreisarbeit zu organisieren: Sie muss einen Nachfolger für sich selbst finden, denn ab 2010 leitete sie Sckerls Wahlkreisbüro in Weinheim. Das Büro bleibt erhalten. Und dann sucht sie jemanden für die Stuttgarter Dependance, deren Leitung seit letztem Jahr vakant ist. Die Stellenausschreibungen laufen. Von daher: "Ich bin gerade am Organisieren und mache im Moment noch keine offiziellen Termine. Das war ja ein Sprung ins kalte Wasser."

Sie gesteht auch, dass sie "nach wie vor innerlich zerrissen" sei: "So habe ich die Nachfolge von Uli Sckerl ganz bestimmt nicht übernehmen wollen." Dabei habe der sie stets "als Nachfolgerin gesehen", und als Zweitkandidatin des Weinheimers sei sie 2009 "immer bereit gewesen, diese Pflicht und diese Aufgabe zu übernehmen". Das hatte sie bereits nach dem Tode Sckerls der RNZ erklärt. Sie habe "großen Respekt vor dieser Aufgabe", die sie "im Sinne von Uli Sckerl" ausüben wolle: "Uli wollte das so." Und natürlich werde sie sich, wie er, um die zehn Kommunen des Wahlkreises kümmern. Ihre Ehrenämter in Schriesheim, als Stadträtin und als Erste stellvertretende Bürgermeisterin, werde sie behalten – so wie ja auch Sckerl Stadtrat in Weinheim war.

Lediglich auf das Amt als ehrenamtliche Richterin am Sozialgericht will sie verzichten. Wenn sie am Mittwoch, 9. März, bei der Landtagssitzung vorgestellt wird, stehen weitere Veränderungen an: Da wird auch Gudula Achterberg für die Heilbronner Abgeordnete Susanne Bay nachrücken (sie wird Stuttgarter Regierungspräsidentin), und Sckerls Ämter als Parlamentarischer Geschäftsführer und Vize-Fraktionsvorsitzender werden neu vergeben.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung