03.03.2022

Vom Taschengeld Verbandsmaterial gekauft

Vom Taschengeld Verbandsmaterial gekauft

Drinnen stapelten sich Hilfsgüter wie Isomatten und Schlafsäcke, sodass sich die Durchgänge für die Helfenden verengten. Foto: Dorn
Auch in Schriesheim werden jetzt Hilfsgüter für die Menschen in der Ukraine angeliefert. Der Andrang ist groß.

Von Max Rieser

Schriesheim. Mögen die Gräben hier und da noch so tief sein: Wenn es nötig ist, zieht Schriesheims Stadtgesellschaft an einem Strang. Das war am Mittwochnachmittag deutlich zu sehen, als zahlreiche Menschen dem Aufruf der Gruppe "Schriesheim hilft" gefolgt waren und Spenden für die vom Krieg schwer getroffenen Menschen in der Ukraine sammelten. Um 15 Uhr startete die Aktion, die in enger Absprache der Schriesheimer Flüchtlingshilfe mit Bürgermeister Christoph Oeldorf entstanden war, auf dem Gelände des "Push"-Vereins. Der Aufruf dazu war nur einige Stunden vorher über einen E-Mail-Verteiler verschickt und in sozialen Netzwerken geteilt worden, trotzdem war die Resonanz groß.

Die Initiative sei entstanden, um die Spendensammelstelle in Leutershausen, die von Oxana Klohr und Inna Göhrig initiiert worden war, zu entlasten. So berichtete es Landtagsabgeordnete und Kommunalpolitikerin Fadime Tuncer (Grüne). Die gesammelten Spenden würden dann von Lastwagen der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft (DUG) in Heidelberg abgeholt, wie Tuncer mit der Koordinatorin des Vereins, Katerina Malakhova, abgesprochen habe. Sie sagte außerdem: "Das Vorhaben wurde von den Gemeinderatsfraktionen und vielen Ehrenamtlichen aus der Stadt, aber auch aus der Region unterstützt." Das wurde schnell deutlich, als Tanja Diem aus Sandhausen mit gleich zwei Transportern voller Hilfsgüter an der Sammelstelle ankam: "Wir haben am Sonntag den Ruf aus Leutershausen mitbekommen und gleich versucht, etwas zu organisieren", so Diem. Sie betreibt in Sandhausen einen Lebensmittelladen, der seitdem als Sammelstelle dient: "Wir haben seit über zehn Jahren einen Helferkreis für die Integrations- und Flüchtlingshilfe, der sofort aktiv wurde."

Mit über 200 Isomatten, Lebensmitteln, Decken, Batterien und gespendeten Kochutensilien war sie nach Schriesheim gekommen. Die Spendenbereitschaft sei ergreifend gewesen, sagt Diem. Eine Gruppe Kinder hätte von ihrem Taschengeld Verbandsmaterial in einer Apotheke gekauft und vorbeigebracht. Die Kisten habe man auf Deutsch und Polnisch beschriftet, um den Hilfskräften vor Ort das Verteilen zu erleichtern.

Das "Push"-Gelände als Sammelstelle habe sich angeboten, da dort auch die Lkw der DUG problemlos heranfahren könnten. Der Vorsitzende des Jugendkulturvereins "Push", Kilian Wachter, berichtete, dass die Verwaltung ihn gefragt habe, ob die Räume des Vereins für eine Spendensammlung zur Verfügung stehen würden: "Wir haben gleich zugesagt. Nicht nur, weil gerade ohnehin keine Veranstaltungen geplant waren, sondern auch, weil wir unseren Teil beitragen wollten." Das taten auch die Hausmeister der städtischen Kindergärten und der Mehrzweckhalle, Ralf Zirkel und Kai Horstfeld, die nicht nur nach Feierabend anpackten, sondern die Räume auch vorbereitet hatten. Sie bauten Tische auf und teilten den Platz durch Zettel an den Wänden auf. Darauf stand, was wo gesammelt wird.

Schnell bildeten sich unter den jeweiligen Schildern Berge von Schlafsäcken, Isomatten, Kisten mit Batterien, warmer Kleidung, haltbaren Lebensmitteln oder Hygieneartikeln wie Windeln und Toilettenpapier, die von den freiwilligen Helfern verpackt und beschriftet wurden. So auch von Stadtrat Karl Reidinger (CDU), der es sich trotz verletztem Knie und Krücken nicht nehmen lassen wollte, die Aktion zu unterstützen. Unter vielen anderen packten auch Ulrike von Eicke und Nathalie Schuhmacher-Grauer von der FDP und Alexandra Lorenz und Dagmar Wenger von der Grünen Liste sowie Charlotte Rüdenauer vom Lions Club der Metropolregion Rhein-Neckar an, die unermüdlich Kisten schleppten und Spenden verpackten. SPD-Landtagsabgeordneter Sebastian Cuny, der mit sieben Kisten voller Streichholzpackungen gekommen war, sagte anerkennend: "Was die Leute hier im Ehrenamt schaffen, das können wir politisch gar nicht leisten."

Hartmut Röger von der kirchlichen Sozialstation brachte große Tüten mit Windeln und speziellem Wunderversorgungsmaterial: "Wir haben immer etwas auf Vorrat und haben jetzt geschaut, was wir abgeben können", berichtete er.

Beim Spendenaufruf habe man sich an der von der DUG veröffentlichten Liste auf deren Internetseite orientiert, so Tuncer. Diese werde stetig aktualisiert und solle beachtet werden, damit die Menschen auch das bekommen, was sie brauchen. Nach rund einer Stunde war die Halle schon gut gefüllt, und die Gänge zum Hindurchlaufen für die rund 30 Helfer wurden enger. Tuncer sagte, sie hoffe, dass schon am Samstag ein Lkw die erste Fuhre abholen kommt.

Info: Am heutigen Donnerstag und am morgigen Freitag können noch jeweils von 11 bis 16 Uhr Sachspenden gebracht werden.

Wer Geld spenden möchte, kann dieses auf das Konto der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft mit folgender überweisen:

DE 81 6709 2300 0033 1706 10

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Auch die Schriesheimer Politik packte tatkräftig zu, zum Beispiel Stadtrat und Landtagsabgeordneter Sebastian Cuny (auf der Rampe). Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung