07.03.2022

Zahlreiche Leute empfingen kleinen Mathaisemarkt-Festzug

Zahlreiche Leute empfingen kleinen Mathaisemarkt-Festzug

Nachwuchsstar fährt Weinkönigin: Max Andrew hatte Sofia Hartmann dabei (Gespann vorne). Ihre Prinzessinnen nahmen das Gespann der Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins, Cornelia Schmidt. Foto: Dorn
Das Fest wenigstens ein bisschen hochleben lassen. Die Vereine zeigten Präsenz, hielten sich aber insgesamt zurück.

Von Max Rieser

Schriesheim. Herrlichstes Sonntagswetter empfing die beiden Kutschen des Reit- und Fahrvereins, auf denen die Weinhoheiten Platz genommen hatten, am eigentlichen Tag des Mathaisemarkt-Festzugs auf dem Festplatz. Es ist das zweite Jahr, in dem die Schriesheimer auf ihr großes Fest verzichten müssen, ganz haben sie sich die Freude am Tag des Umzugs aber nicht nehmen lassen.

Noch vor den Kutschen erreichen die Sportsfreundinnen vom TV Schriesheim, Stefanie Muñoz und Ines Brendel, mit ihrem vollbepackten Bollerwagen den Festplatz: "Bei dem bombastischen Wetter darf man sich das nicht nehmen lassen", sagen die beiden fröhlich. In ihrem Wagen haben sie Süßigkeiten, Wein und Wasser für Schorle sowie Sekt, den sie an andere Feierlustige verteilen: "Wir laufen die ganze Festzugsrunde bis zum alten Rathaus", sagen sie entschlossen.

Dann treffen schon die Kutschen ein. Eigentlich hätte auf einer davon Bürgermeister Christoph Oeldorf sitzen sollen, der aber abgesagt habe, wie der "Kutschenpapst" und ehemalige Kutschenweltmeister, Peter Grüber, berichtet. Er sitzt wegen eines Bandscheibenvorfalls in diesem Jahr ungewohnter Weise nicht auf dem Bock, sondern auf einem Platz am Heck. Festlich herausgeputzt ist er aber trotzdem, wie auch der Rest der Kutschenbesetzung.

Gelenkt wird die große Kutsche mit den Weinprinzessinnen Fabienne Röger und Lena Meyer von der Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins, Cornelia Schmidt. Die zweite, von Ponys gezogene Kutsche lenkt der Nachwuchs-Star des Vereins, Max Andrew, der 2021 den Titel als Baden-Württembergischer Meister in der Disziplin "Zweispänner Pony" erringen konnte. Mit ihm auf dem Bock sitzt Anne Havemann, die Baden-Württembergische Vizemeisterin im "Einspänner Pferde". Ein würdiges Gespann also für ihren Fahrgast, Weinkönigin Sofia Hartmann.

Die Jagdhornbläser lassen es sich nicht nehmen, in kleiner Besetzung auf dem Festplatz zu erscheinen. Ganz zufrieden ist man nicht, denn nur sechs Mann sind dem Aufruf gefolgt, mit den Hörnern am Festzug teilzunehmen. Ihrem Spiel tut das aber keinen Abbruch, was auch an der Ausrüstung liegt: "Wir haben nur die kleinen Hörner dabei, mit den großen müssten wir mehr sein", erklärt Sven Lörsch. Nach einem kurzen Marsch der Bläser setzt sich der Zug in Bewegung in Richtung Altstadt. Allerdings nicht ohne eine flüssige Stärkung: "Bevor wir uns in Bewegung setzen, müssen wir erst mal einen heben", sagt Siegried Wachter von den Jagdhornbläsern augenzwinkernd, wogegen niemand etwas einzuwenden hat. Grüber zum Beispiel findet: "Wir müssen den Mathaisemarkt ja wenigstens ein bisschen hochleben lassen."

Vor dem alten Rathaus hat sich schon eine Gruppe von rund 60 Schaulustigen versammelt. Auf einer Bank machen es sich Rudi Kling, Rolf Köster und Hans Edelmann vom MGV Eintracht in der Sonne bequem: "Wir sind die Seniorenabteilung", witzeln sie: "Wenn noch ein paar mehr kommen, singen wir was", sagt Kling entschlossen, die fehlenden Stimmen bleiben allerdings aus. Auch Rainer Müller, Vorsitzender der Sportangler, ist mit seiner Frau Heike auf dem Platz präsent.

Sie wollen dafür sorgen, dass der Krieg in der Ukraine auch an einem Tag zum Feiern nicht in Vergessenheit gerät: Beide tragen weiße Oberteile, auf die Herzen in Blau und Gelb gemalt sind: "Wir saßen gestern zusammen und dachten: Da muss man drauf aufmerksam machen", berichtet er. Sie findet: "Das betrifft uns alle, wir müssen zusammenhalten." Aber auch Corona scheint den Vereinen noch in den Knochen zu stecken. Wie auch die Sportangler, habe keiner der Vereine den ersten Schritt machen wollen, um zu sagen: "Wir nehmen einen Bollerwagen und ziehen als Verein los", sagt der Sportangler-Vorsitzende. Dafür sei die Situation wahrscheinlich noch zu unsicher, aber: "Wir scharren alle mit den Hufen, dass es wieder losgehen kann."

Mit schallendem Applaus begrüßen die Schriesheimer die Jagdhornbläser und kurz darauf die Weinhoheiten in der Heidelberger Straße. Als die Pferde wegen der lauten Blasmusik trippeln, kommentiert ein Besucher trocken: "Bei der Musik fangen sogar die Gäul‘ an zu tanzen."

Weinkönigin Hartmann begrüßt die Umstehenden zum "improvisierten Festzug". Nächstes Jahr seien sie und ihre Prinzessinnen zwar keine Hoheiten mehr, würden aber trotzdem hoffen, wieder in Präsenz feiern zu können. Sie schließt ihre kurze Ansprache mit dem Sprüchlein: "Kennst Du einen Winzer, und hat er guten Wein, dann halt dich gut mit ihm, sonst trinkt er ihn allein."

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Die einen hoben die Gläser, die anderen zückten die Smartphones: Das Publikum an den Straßen wartete auf den Zug. Die Jagdhornbläser spielten in kleiner Besetzung. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung