08.03.2022

Kerg-Museum Schriesheim: Das Leben von Théo Kerg in 40 Minuten

Kerg-Museum Schriesheim: Das Leben von Théo Kerg in 40 Minuten

Zur Wiedereröffnung des Museums Théo Kerg präsentierten der Vor-Ort-Verantwortliche Tom Feritsch (l.) und Kulturkreissprecher Dieter Weitz den neuen Audio-Guide. Außerdem wird das Museum im überregionalen Magazin des Verlags „Magazin Museum.de“ mehrseitig vorgestellt. Foto: Dorn
Wieder geöffnet: Der Kulturkreis hat einen Audioguide eingerichtet. Zudem gibt es eine Anbindung an internationale Attraktionen.

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Es steht jetzt wieder jeden Sonntag draußen vor dem Zugang zum Museum Théo Kerg in der Talstraße 52 – das Schild mit dem Hinweis "Museum offen". Zur Wiedereröffnung nach der dreimonatigen Pause blieben Tom Feritsch und der Pressesprecher des Kulturkreises, Dieter Weitz, am Sonntagnachmittag noch eher unter sich. "Das muss erst wieder anlaufen", meinte Feritsch, unter dessen Regie das Museum seit Lynn Schoenes Tod steht. Geleitet wird die Einrichtung vom Kulturkreis Schriesheim im Auftrag der Stadt.

Der letzte Eintrag im musealen Gästebuch stammt vom 27. November 2021 und bezieht sich auf die Sonderausstellung mit Werken Schoenes. "Spannende Seh-Welten", steht dort zu lesen – im Prinzip gilt dasselbe für die Dauerausstellung zum Schaffen von Théo Kerg: Der Fachwerkbau inmitten von Schriesheims Altstadt beherbergt die Stiftung des Luxemburger Künstlers (1909-1993), der Maler, Grafiker, Bildhauer und Glasgestalter war.

Über drei Stockwerke erstreckt sich diese permanente Ausstellung, für die der Besucher bislang nähere Informationen lediglich über eine Broschüre erhielt. Das ist mit dem neuen Audioguide für Smartphones nun anders geworden. Der Kulturkreis hatte sich hier erfolgreich um eine Förderung aus dem Rettungs- und Zukunftsprogramm "Neustart Kultur" beworben, das von der Bundesregierung aufgelegt worden war. Unterstützt wurden dabei unter anderem "innovative Anwendungsmöglichkeiten digitaler Technologien für die Vermittlung, Kommunikation, Interaktion und Partizipation in Museen", wie es auf der Homepage des Ministeriums heißt. "Seit Ende letzten Jahres ist der Guide fertig", schildert Feritsch. Er und die Berlinerin Martina Bosse, die mit der Region und ihrer Kunstszene persönlich verbunden ist, suchten im Museum 20 Stationen aus, an denen man den jeweiligen QR-Code mit der Kamera des Smartphones oder einer QR-Scan-App einscannen kam, um dann jeweils zwei Minuten lang über Leben und Werk des Künstlers informiert zu werden. Insgesamt dauert das Programm, das Bosse und Feritsch in sechseinhalb Stunden Arbeit – "dank professioneller Vorbereitung" – entwickelt haben, 40 Minuten. "Alles darüber wäre zu lang gewesen. Wir haben deshalb auch nicht jedes Bild erfasst, sondern prägnante Stationen ausgesucht", führt Feritsch aus.

Start ist am Eingang, wo sich hinter dem ersten QR-Code Informationen zum Museum verbergen. Zwei Meter weiter hängt inzwischen ein großes Schwarz-weiß-Porträt des Künstlers, das seinen Weg vom Ober- ins Erdgeschoss fand. Station zwei verrät in einer Kurzbiografie unter anderem ein rückblickend formuliertes Lebensmotto von Kerg: "Die Kunst verlangt den Mut, gefährlich zu leben."

Feritsch und Weitz sind froh über die Vorteile, die der neue Audioguide, beziehungsweise das erhaltene Komplettpaket bieten: Der Kooperationspartner, der Verlag "Magazin Museum.de", schickte nicht nur 10.000 Flyer mit Informationen über den Audioguide und das Kerg-Museum an sich, sondern er listet auch jedes neue Museum mit dem digitalen Angebot und widmet diesem einen mehrseitigen Vorstellungsartikel. Im demnächst erscheinenden neuen Magazin ist das Museum Théo Kerg in Schriesheim an der Reihe.

Verfasst hat den Text die Kunsthistorikerin und Kunstjournalistin Julia Behrens, Lesern der RNZ bekannt durch ihre profunden Berichte im Feuilleton der Tageszeitung. "Ein sehr guter Text", findet Weitz, und Feritsch bestätigt: "Ganz toll." Das sei eine wunderbare Werbung fürs Museum, ein positiver Effekt über den Audioguide hinaus. "Das ist eine Steigerung unseres Bekanntheitsgrads auch überregional", meint Feritsch zufrieden.

Toll sei ferner die "virtuelle Verbundenheit" mit den Museen, die der Verlag im Programm hat. Zum Beispiel das 60 Meter hohe und nagelneue Munch-Museum in Oslo, eines der weltweit größten Museen, das nur einem einzigen Künstler gewidmet ist: Es beherbergt die nachgelassenen Werke Edvard Munchs, die der weltberühmte Maler und Grafiker 1940 der Stadt Oslo vermachte. Das werde er sich demnächst unbedingt anschauen, sagt Feritsch. Die ganze Museumswelt nebst Audioguides findet sich unter www.museum.de/audioguides.

Info: Das Museum Théo Kerg in der Talstraße 52 hat ab sofort wieder jeden Sonntag (Ausnahme Ostersonntag) in der Zeit von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die nächste Sonderausstellung mit Werken von Doris Erbacher und Jens Trimpin findet am 8. Mai statt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung