11.03.2022

Wochenmarkt überzeugt durch Angebot und tolle Atmosphäre

Immer Leute treffen und ins Gespräch kommen.

Von Max Rieser

Schriesheim. Am Samstagvormittag herrscht in der Schriesheimer Altstadt eine Lebendigkeit, als würde ein Fest anstehen. Das liegt jedoch nicht am Mathaise- sondern vielmehr am Wochenmarkt, der stetig wächst und an der Bergstraße ein einzigartiges Angebot bietet. Neben dem idyllischen Ambiente mit Blick auf die Strahlenburg, die Weinberge und die evangelische Kirche, sind es vor allem die Stände, die den Markt ausmachen.

Ihre Vielfältigkeit ist Sinnbild für den dynamischen Charakter des Wochenmarkts, denn Beschicker, die ihre Waren erst seit einigen Wochen anbieten, gibt es ebenso wie jene, die den Markt schon seit Jahrzehnten begleiten und auch den Umzug aus der Heidelberger Straße mitgemacht haben. Was alle Standbetreiber beeindruckt, ist der familiäre Zusammenhalt der Marktfamilie und der Markt als Ort der Begegnung.

Zu den neueren Ständen gehört der Wagen von Winzer Max Jäck, der seit einigen Wochen seinen Wein flaschenweise anbietet: "Man trifft einfach immer Leute und kommt ins Gespräch", erzählt er. Auch für ihn als Winzer kämen auf dem Markt "tolle Begegnungen" zustande. So habe ihn der Sous-Chef des Hotels Kaiser, das bald wieder eröffnen soll, angesprochen und probiert nun seine Weine. Ein "dickes Lob" hat er für Verwaltung und Marktmeister Rolf Edelmann, den Vorsitzenden des Bunds der Selbstständigen in Schriesheim. Der Umzug in die Kirchstraße sei "die beste Idee überhaupt" für den Markt gewesen.

Um den Stand "Coffee Tö Go" bildet sich immer eine kleine Menschentraube. Die Brüder Mattis und Niklas Tönges verkaufen dort seit einem knappen Jahr Kaffeespezialitäten direkt aus einem hübsch ausgebauten Pferdeanhänger. Mattis Tönges findet: "Das Angebot ergänzt sich hier super, und die Stände verstehen sich untereinander sehr gut." Sie zählten zwar noch zu den "Neuen", hätten aber schon eine feste Stammkundschaft, die extra für ihre Kreationen aus der Siebträgerespressomaschine komme. Bei der Erwägung, einen Stand auf dem Markt zu betreiben, war ihr Wunsch, "einen Ort zu schaffen, an dem die Leute zusammenkommen können". Das ist ihnen geglückt. Von den anderen Cafés der Stadt habe man bisher keinerlei negative Reaktionen bekommen, dass man ihnen Kundschaft abjagen würde. Direkt nebenan steht seit September Stefanie McKnight, die ihre duftenden "Frankenthaler Dampfnudeln" anbietet. Edelmann habe sie schon vorletztes Jahr angefragt, da sei sie aber noch in Weinheim gewesen, erzählt sie.

Hier gefalle es ihr besser, da das Angebot gut aufeinander abgestimmt sei. Zeitgleich mit Familie Tönges startete auch die Mannheimerin Beatrice Scheid ihren Blumenstand auf dem Markt, der bestens angenommen wird: "Wir haben wirklich nette Kunden, und die meisten kommen sogar bei schlechtem Wetter", freut sie sich. Generell sei ein Markt etwas Schönes, da man immer "wunderbar frische" Produkte kaufen könne.

In Schriesheim beeindrucke sie immer wieder die "hilfsbereite Marktgemeinschaft", in der sich jeder gegenseitig unterstütze. Das findet auch Sabine Doff-Sotta, die neben Scheid selbst gemachte Marmelade verkauft und ausschließlich den Schriesheimer Markt beschickt: "Die Gemeinschaft funktioniert gut, und es ist einfach schön, mit den Leuten in Kontakt zu treten" findet sie.

Den Platzrekord hält aber sicherlich der Stand mit Eiern, Geflügelspezialitäten und Grillhähnchen, an dem Manuela Renner und Andreas Thurner ihren Dienst tun. Der Stand beschicke den Schriesheimer Markt seit nunmehr 40 Jahren, erzählen sie. Beide sind absolute Marktenthusiasten: "Es ist der familiäre Zusammenhalt zwischen den Ständen der uns gefällt, und der Blick auf die Weinberge ist unbezahlbar", findet Renner. Sie betreibt sogar eine Facebook-Gruppe mit dem Namen "Wochenmarkt Schriesheim", wo sie Neuigkeiten und kleine Anekdoten zum Markt einstellt. Viele Besucher kämen nur wegen des Flairs, den der Markt versprühe und der zum Verweilen auf den Bänken an der Kirche einlade. Perfekt abrunden würde das Angebot ein Stand mit Räucherfisch, finden Renner und Thurner.

International wird es ab kommenden Samstag, wenn Katie Hawkins erstmals ihren Stand auf dem Markt aufbaut. Dort wird es Köstlichkeiten rund um Fermentation geben, von denen sie schon am vergangenen Samstag kleine Kostproben verteilte. Hausgemachte fermentierte Limonade, Sauerteigbrot, Cracker und Sauerkraut sind nur ein Teil ihres Angebots.

Die Amerikanerin ist erst kürzlich nach Schriesheim gezogen und hörte sich gleich um, wo sie ihre Waren anbieten könnte. Bei Edelmann fand sie ein offenes Ohr. Der Marktmeister ist ohnehin "sehr zufrieden" mit dem Angebot auf "seinem" Markt, und auch darüber, dass die Beschicker sich in Schriesheim so wohl fühlen: "Viele waren vorher auf größeren Märkten, aber hier beeindruckt sie das familiäre Verhältnis." Man helfe sich untereinander und vertrete sich auch mal am Stand: "Es ist wirklich ein tolles Miteinander", freut sich der Marktmeister.

An Ständen gebe es mittlerweile eine "großartige Vielfalt" neben den Klassikern wie Obst, Gemüse und Metzger eben auch Stände wie das "Candy Car" von Tamara Kräher, an dem es alle vorstellbaren Arten von Süßigkeiten gibt. "Sehr glücklich" ist er auch über Scheids Blumenstand, da er lang nach einem passenden Floristikbetrieb gesucht habe.

Wünschen würde sich Rolf Edelmann, wie Andreas Thurner und Manuela Renner, einen Stand mit Räucherfisch, der aber schwer zu finden sei. Brot werde es auf dem Schriesheimer Markt nicht geben, denn: "Wir haben zwei tolle Bäcker in unmittelbarer Nähe, und das ist auch mit denen so abgesprochen." Generell sei er aber immer offen für neue Ideen und freue sich über neue Stände.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung