17.03.2022

Stadt hat jetzt eine "Wärmelandkarte"

Zwei Zeppelinflüge dokumentieren den energetischen Zustand der Häuser. Immobilienbesitzer können für 59 Euro einen Energiebericht anfordern.

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Im März 2020 und 2021 flogen Zeppeline über Schriesheim und die Stadtteile Altenbach und Ursenbach. Ihr Ziel: Daten sammeln für das Projekt "Climap", ein Klimaschutzservice der MVV Energie AG aus Mannheim für Schriesheim. Damals, in der kalten Jahreszeit dokumentierten zwei Wärmebildkameras im Zeppelin den energetischen Zustand der Häuser, also im Grunde eine "Wärmelandkarte" des Stadtgebiets. "Ein spannendes und wichtiges Projekt – sehr interessant auch für unsere Bürger", sagte Bürgermeister Christoph Oeldorf jetzt in der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU). Am Montagabend präsentierten Simon Gans und Marcel Koch seitens der MVV den Stadträten die Ergebnisse von "Climap" nach der Datenerhebung aus der Luft, innovativ gelöst durch die Befahrung mit Zeppelinen, einer Auswertung der gewonnenen Daten und der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen für Bürger. Beispielsweise einen Energiebericht fürs eigene Haus, den man zum Preis von 59 Euro über die Homepage beauftragen kann.

Auf der Seite lässt sich eine Wärme-Landkarte aufrufen, die darstellt, wo in Schriesheim Gebäude mit schlechterer und besserer Wärmedämmung stehen. Sogar im Detail, was zum Beispiel Fenster, Dächer und Fassaden angeht. "Oft kann man mit einfachen Mitteln Verbesserungen erzielen, es muss nicht immer gleich die energetische Vollsanierung sein", sagte Gans. "Climap" biete die Möglichkeit, eine energetische Gebäudesanierung einfach und Energieeinsparpotenziale sichtbar zu machen, meinte er weiter.

Grün sei gut, rot hingegen nicht, erläuterte dann Marcel Koch. Man habe für das Projekt immer mehrere Häuser in Gruppen von drei bis fünf zusammengefasst und eben keinen einzelnen Hausbesitzer. "Wir wollen niemanden an den Pranger stellen", betonte Koch. Aber wenn man einen Energiebericht käuflich erwerbe, erhalte man dabei seinen eigenen individuellen Datensatz. Wenn man auf der Wärmelandkarte einen roten und somit energetisch nicht guten Bereich anklickt, lässt sich aber schon erkennen, um welche Straße es sich handelt. Wie hoch der jeweilige Energieverlust eines Gebäudes sei, habe man nicht explizit darstellen können, gab Koch auf Anfrage von Ulrike von Eicke (FDP) zur Antwort. "Man sieht Schwachpunkte."

Das städtische Rathaus diente als Anschauungsobjekt, bei dem erkennbar Wärme durch die Fenster entweicht. Weitere städtische Liegenschaften waren in dem 3-D-Stadt- und Thermografiemodell – in seiner Dimension bislang einzigartig – indessen "ausgegraut". Auch hier habe man die Stadt quasi schützen wollen, meinte Koch. Bernd Molitor (Grüne) erkundigte sich: "Wie gehen wir mit unseren eigenen Liegenschaften um?" Bürgermeister Oeldorf meinte, es sei kein "Geheimnis, dass die städtischen Liegenschaften energetisch nicht unbedingt top sind." Man werde sich das alles genau anschauen. Das Projekt sei jedenfalls ein "Super-Einstieg". Ein niedrigschwelliges und kundenfreundliches Angebot, nickte Molitor. "Ich denke, dass relativ viele Leute auch kleinere Maßnahmen ergreifen werden", sagte er.

Karl Reidinger (CDU) war ebenfalls zufrieden: "Es ist gut, dass wir da jetzt einen Stand haben – ein Pilotprojekt für uns", fand er. Die Kosten für die Bürger und für die Stadt, letztere investierte 20.000 Euro, seien gerechtfertigt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung