19.03.2022

"Stammberg" kann nicht alle "Edelstein"-Bewohner aufnehmen

Bisher gab es in dem Heim der Stadtmission aber noch keine Anfragen.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Wo sollen die 30 Bewohner des Seniorenheims "Edelstein" unterkommen, wenn die Einrichtung zum 30. April schließt (siehe unten)? Zumindest beim Haus "Stammberg" sind noch keine Anfragen eingegangen – weder vom "Edelstein"-Betreiber Hubertus Seidler noch von den Angehörigen der Bewohner, wie "Stammberg"-Leiter Michael Meisel berichtet. Alle "Edelstein"-Bewohner werde er in seinem Haus mit 80 Plätzen "garantiert nicht unterbekommen", so Meisel: "Unsere Auslastung ist sehr hoch, gerade Krankenhäuser und Angehörige suchen dringend nach Plätzen." Er erklärte sich aber grundsätzlich bereit, die Platzvergabe für andere Häuser der Stadtmission (Dossenheim, Wilhelmsfeld oder Heidelberg) zu koordinieren, denn es sei "für die Angehörigen wichtig, einen Ansprechpartner zu haben". Insofern sei er für Anfragen offen – doch sollten diese möglichst frühzeitig gestellt werden. Allerdings, auch das gibt Meisel zu, unterscheiden sich die Kosten: "Wir sind schon teurer", das liege an einem hohen Anteil der Fachkräfte und ihrer überdurchschnittlichen Bezahlung. Konkret muss man nach Angaben der AOK für einen Platz (Pflegegrad 1) im "Edelstein" 2051,55 Euro Eigenanteil pro Monat zahlen, im "Stammberg" sind es 2910,92 Euro – auch wenn die jüngste Pflegereform den Eigenanteil etwas abmildert.

Aber es geht ja nicht nur um die Bewohner, sondern auch um die Angestellten. Hier zeigt sich Meisel für eine Übernahme "sehr offen", auch gegenüber den schwerbehinderten Mitarbeitern, deren Anteil an der 40-köpfigen "Edelstein"-Belegschaft hoch ist: "Da haben wir keine Vorbehalte."

Unterdessen bedauert Bürgermeister Christoph Oeldorf, "dass in den vergangenen Jahren keine Lösung für den zukünftigen Betrieb des Hauses ,Edelstein ’gefunden werden konnte". Allerdings habe die Stadt bei der Schließung keine Karten im Spiel.

Eine andere Frage ist die von Seidler geplante Nutzung des "Edelstein" als Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge. Einen Parallelbetrieb von Alten- und Flüchtlingsheim lehnt die Stadt, wie schon vorher das Landratsamt, ab. Anders sähe es nach der Schließung des Pflegebereichs aus: "Grundsätzlich steht die Stadtverwaltung einer Kontaktaufnahme und Gesprächen hinsichtlich einer möglichen Nutzung als Flüchtlingsunterkunft selbstverständlich positiv und offen gegenüber", so Sprecherin Larissa Wagner. Zuvor müsste aber Seidler erst eine Anfrage beim Rathaus oder Landratsamt stellen – was aber im Fall des Rathauses noch nicht geschehen sei. Dann werde geprüft, "ob die Räumlichkeiten für eine Unterbringung im Rahmen der vorläufigen Unterbringung geeignet sind".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung