22.03.2022

Winzer merken wenig von der Trockenheit

Allerdings gilt das nur für den Moment, denn der Winter füllte das Niederschlagsdefizit kaum auf.

Schriesheim. (max) So regenreich wie das letzte Jahr endete, so trocken fängt das neue an. Für viele Landwirtschaftsbetriebe kann das jetzt, wenn die Pflanzen wachsen sollen, schon zum Problem werden. Bei Schriesheims Winzern ist die Lage noch entspannt, lang dürfe es aber nicht mehr so bleiben. Georg Bielig sagt: "Die Rebe wurzelt ziemlich tief. Bis wir da ein Malheur kriegen, dauert es relativ lang." Wenn die Saison allerdings mit so einer geringen Bodenfeuchte beginne, sei es gut vorstellbar, dass es ab Mai oder Juni zu "massiven Problemen" im Weinberg kommt.

Aktuell spiele das Wetter den Weinbauern sogar in die Karten, denn sie könnten "Unterstockarbeiten" machen und das "Saatbett" vorbereiten. Das heißt, der Boden zwischen den Reben wird umgegraben, um ihn dann begrünen zu können. Das ist bei einem Weingut wie dem Bieligs, das sich aktuell in der Umstellung zu einem Bio-Betrieb befindet, ein normaler Vorgang und kann auch helfen, die Auswirkungen von zukünftigen Trockenphasen abzumildern. Das Gras zwischen den Rebzeilen wird mit einem "Flügelschar", einem scharfen Messer, das an den Traktor angehängt wird, zehn Zentimeter unter der Erde abgeschnitten und die Erde aufgeworfen. Das Gras verdorrt dann, was drei Effekte hat: Erstens gibt der Boden weniger Flüssigkeit durch Verdunstungen über das Blatt der Gräser ab. Zweitens kommt es nicht zu Wasserkonkurrenz zwischen Gras und Weinstock, und drittens wird der Boden wieder geöffnet, um neuen Pflanzen, die den Grund wieder auflockern und aufnahmefähiger machen, den Weg zu bereiten.

Auch Max Jäck hat schon mit den Arbeiten unterm Stock begonnen. Eigentlich sagt er, sei das erst später im Jahr vorgesehen, Anfang März hätte es aber perfekte Bedingungen dafür gegeben. Deshalb wollte er nicht zu lang warten, denn: "Wenn es noch länger nicht geregnet hätte, wäre ich mit den Geräten nicht mehr in den Boden gekommen, weil er zu hart wird." Für ihn persönlich sei das warme und sonnige Wetter aber angenehm, denn den Rebschnitt, das Herunterbiegen und Anbinden der Triebe sei bei schönem Wetter natürlich angenehmer als bei Regen und Kälte. Auch er breche jetzt nach und nach den Boden zwischen den Rebzeilen auf, damit, wenn es wieder mehr regnen sollte, gleich Samen zur Begrünung ausgebracht werden können.

Der Vorstandsvorsitzende der Winzergenossenschaft, Karlheinz Spieß, erklärt: "Jetzt spürt man es in den Weinbergen noch nicht so drastisch. Wenn ich mit dem Spaten einsteche, ist noch etwas Feuchtigkeit im Boden." Spieß, der auch Obstbauer ist, setzt ebenfalls auf Begrünung: "Wie in der Obstfläche hält sich in einem begrünten Weinberg das Wasser länger im Boden." Wenn alle Begrünung, wie man es früher gemacht habe, entfernt würde, würde der Boden viel stärker austrocknen. Häufig sei die Wahrnehmung über die Niederschlagsmenge falsch: "Die meisten hatten im Winter das Gefühl, es hätte viel geregnet, aber wir hätten eigentlich die doppelte Niederschlagsmenge gebraucht, um das Reservoir wieder aufzufüllen." Abgesehen von den Starkregenereignissen sei eine Niederschlagsmenge wie im letzten Jahr auch für diese Saison für die Winzer wünschenswert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung