23.03.2022

Kriminalität ist in vielen Bereichen auf Rekordtief

Kriminalität ist in vielen Bereichen auf Rekordtief

Polizeioberrat Holger Behrendt. Foto: Dorn
2021 gab es in Hirschberg und Schriesheim weniger Straftaten als im Vorjahr.

Von Philipp Weber

Weinheim/Region. Veranstaltungen abgesagt, Arbeitnehmer im Homeoffice, Polizisten auf den Straßen: Die Pandemie und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen haben sich erneut auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ausgewirkt. Die Zahl aller Straftaten, die 2021 zwischen Laudenbach und Schriesheim erfasst wurden, ist erneut zurückgegangen. Das teilte die Polizei am Dienstag mit. Die Statistik bezieht sich auf das Gebiet, in dem das Polizeirevier Weinheim zuständig ist.

> Die allgemeine Lage: "Wir liegen sehr gut da", betont der Leiter des Polizeireviers Weinheim, Holger Behrendt. Die Zahl aller erfassten Straftaten ist im Gebiet seines Polizeireviers von 3826 auf 3481 Delikte beziehungsweise um neun Prozent gesunken. Ein Rückgang der Kriminalität sei vor allem in Hemsbach, Hirschberg und Schriesheim zu erkennen. In Weinheim blieb die Kriminalitätsbelastung nahezu unverändert. Nach RNZ-Informationen geht man jedoch davon aus, dass die Zahlen mit dem Wegfallen vieler Coronamaßnahmen wieder moderat zunehmen.

Dennoch: Die Gesamtzahl der Straftaten ist nun schon bereits im dritten Jahr in Folge rückläufig, da diese nach einer Spitze 2018 bereits im Vor-Corona-Jahr 2019 leicht gesunken war. 61 Prozent aller gemeldeten Straftaten wurden 2021 aufgeklärt. Die Häufigkeitsziffer, die die Kriminalitätsbelastung innerhalb eines Gebiets anzeigt, sank ebenfalls leicht und liegt nun im kreisweiten Durchschnitt.

Die Häufigkeitsziffer wird ermittelt, indem die Zahl der Straftaten auf 100.000 Einwohner "heruntergerechnet" wird. Hierbei liegt der Bereich des Polizeireviers Weinheim bei 3946 (Vorjahr: 4326). Das Gesamtgebiet des Polizeipräsidiums Mannheim weist eine Häufigkeitsziffer von 5437 auf. Weinheim wiederum liegt bei 4747 (2020: 4764) und damit auf Platz zwei unter den Großen Kreisstädten im Rhein-Neckar-Kreis. Die Häufigkeitsziffer in Schriesheim beträgt 3632, in Hirschberg liegt sie bei 2326. Auch andere Zahlen sprechen dafür, dass es im öffentlichen Raum sicher zugeht. Die Zahl der Aggressionsdelikte wie Körperverletzung ist um 13,9 Prozent zurückgegangen, die Straßenkriminalität sank sogar um 25,2 Prozent: Laut Polizei ist das der tiefste Stand in den vergangenen fünf Jahren.

> Die Lage in Weinheim: Im vergangenen Jahr wurden in Weinheim 2152 Straftaten erfasst. 2020 waren es 2164 Straftaten. Ladendiebstahl, Wohnungseinbruch sowie Waren- und Warenkreditbetrug nahmen jeweils zu: Während 2020 nur 24 Mal Kriminelle in Wohnungen einbrachen, zählte man 2021 bei 34 Fälle. In allen anderen Deliktfeldern – darunter Straßenkriminalität, Aggressions- und Rauschgiftdelikte – purzelten die Zahlen nach unten.

Die Vorkommnisse um eine Weinheimer Ärztin, die Menschen mit falschen Attesten von der Maskenpflicht befreit haben soll, schlägt sich ebenfalls in der Statistik nieder. Demnach wurden 41 Mal entsprechende Gesundheitszeugnisse ausgestellt, zwölf Mal wurden sie von den angeblich Erkrankten vorgezeigt. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein. Noch in diesem Frühjahr könnte ein Strafprozess mehr Licht ins Dunkel bringen.

> Die Situation in Schriesheim: In der Weinstadt sank die Zahl der erfassten Straftaten von 607 (2020) auf 542. So kamen 2021 mehr Fahrräder weg als im Vorjahr, bei der Rauschgiftkriminalität war ebenfalls ein Anstieg zu beobachten: von 36 auf 45 Fälle. Überall sonst waren Rückgänge zu verzeichnen, auch Einbrüche kamen 2021 seltener vor als 2020. Die Zahl dieser Taten sank in Schriesheim von zwölf auf sieben Fälle. Dabei spielt übrigens keine Rolle, wie "erfolgreich" der Einbruch jeweils war. Auch Versuche zählen.

Besonders hier zeigte sich, dass Schwerpunktkontrollen oder ertappte Betrüger erheblichen Einfluss auf die Statistik haben. So führte allein eine Großkontrolle von RNV und Polizei zur Entdeckung von knapp 100 "Schwarzfahrern". Laut Polizei wurden zudem 31 Fälle von Betrugsdelikten im Gesundheitswesen angezeigt, "die unter die Rubrik der Vermögens- und Fälschungsdelikte fallen". Offenbar verbirgt sich dahinter ein Corona-Test-Anbieter, der die Zahl der vorgenommenen Bürger-Tests falsch abgerechnet haben soll.

> So sieht es in Hirschberg aus: Die Zahl der Straftaten ist in Hirschberg von 313 im Jahr 2020 auf 230 (2021) deutlich gesunken. Leichte Zunahmen gab es bei Laden- und Taschendiebstahl sowie beim Betrug mit unerlaubten Zahlungsmitteln. Überall sonst nahmen die Zahlen ab: 2021 gab es weniger Körperverletzungen, weniger Sachbeschädigungen, und selbst die Fahrräder standen in Leutershausen und Großsachsen sicherer als 2020.

> Übergriffe auf Polizeibeamte, Sexualstraftaten und häusliche Gewalt: Die Gewalt gegenüber Polizeibeamten und Hilfskräften geht zurück. "Wir hoffen, dass dieser Trend anhält", teilt die Polizei mit. Trotz anhaltender Pandemiebedingungen verzeichnete die Polizei auch einen leichten Rückgang bei den Fallzahlen von häuslicher Gewalt: 2019 gab es 47 Fälle, 2020 waren es 55 und letztes Jahr 49. Hier kommt das Projekt "Hochrisikofälle häusliche Gewalt" zum Tragen, in dessen Zuge vorliegende Fälle unter anderem nach einem standardisierten Schema ausgewertet werden – woraus sich behördliche Maßnahmen ableiten. Das Ziel: Schwere Straftaten oder gar Tötungsdelikte mit dem Motiv "häusliche Gewalt" verhindern.

Bei den Sexualdelikten stellt die Polizei eine Verschiebung von direkten Übergriffen zu Exhibitionismus und zur Verbreitung von Pornografie fest.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung