29.03.2022

Aus dem "Rinnbach" könnte mehr werden

Aus dem "Rinnbach" könnte mehr werden

Der Rinnbach (auch Rimbach genannt) plätschert unweit von Altenbach in Richtung Kanzelbach. Emil Kling und der OWK wollen dieses Gewann für die Öffentlichkeit öffnen. Foto: Dorn
Schautafeln oder gar ein Lehrpfad? Ex-Förster Emil Kling hat große Pläne für das Gewann, in dem er seine Weihnachtsbäume pflanzt.

Von Christina Schäfer

Schriesheim. Als Emil Kling am Waldschwimmbad ankommt, redet er nicht lange um den heißen Brei herum, denn es geht ihm um den Wald. Seine Worte richten sich an die dort Wartenden, viele sind Mitglieder des Odenwaldklubs (OWK), einer von ihnen ist Horst Schmidt, Vorsitzender des Bezirks 8 (der umfasst die Region rund um Weinheim), eine andere Ingrid Welz aus Östringen, die stellvertretende Vorsitzende des OWK-Gesamtverbands.

"Der Wald brennt uns unter den Nägeln", sagt Kling. Er ist ehemaliger Förster in zweiter Generation, ihm gehört das Gewann "Rinnbach" (auch "Rimbach" genannt) im Wald unterhalb, unweit der Altenbacher Kipp. Dahin geht anschließend vom Waldschwimmbad die Fahrt der gut 20 Gäste, die sich Klings Exkursion anschließen. Hier im etwa 2,5 Hektar großen Waldstück mit seiner teils abschüssigen Hanglage wachsen Klings Weihnachtsbäume, die weit über die Region hinaus beliebt sind und deren Verkauf vor dem neuen Rathaus eine jahrzehntealte Schriesheimer Tradition ist. Hier wachsen die Nordmann- und Nobilistanne und manchmal auch die Silbertanne, denn "wir wollen auch ein bisschen Spaß haben", wie Klings Sohn Jan sagt.

Ehe das Geschäft mit den Tannenbäumen begann, hat man sich auf Grasaussaat und Heuernte beschränkt. Klings Mutter hat damals die noch heute stehenden höchsten Tannen gepflanzt. Heute recken sich Tausende Tannensetzlinge aus dem Boden. Einem Boden, dem die Trockenheit mehr und mehr zusetzt.

Emil Kling erzählt von den Problemen, die der Klimawandel auch in heimischen Wäldern mit sich bringt: Teils 30 Prozent der Setzlinge hat er in früheren Jahren durch die Trockenheit verloren. Seit drei Jahren werden sie, umgeben von Folie, gepflanzt. Das schützt gegen die Verdunstung – und nebenbei auch gegen Unkraut. Vieles davon hat er in warmen Ländern gelernt. Was Emil Kling zugutekommt: Sein Gewann hat einen sogenannten Quellhorizont: Auf dem Grundstück gibt es 20 Quellen, die, durch Gesteinsformationen hochgedrückt, teils an die Oberfläche treten.

Doch seine Weihnachtsbäume, die Geschichte seiner Familie: Beides ist nur Beiwerk an diesem Nachmittag. Emil Kling geht es um was ganz anderes: Er möchte das Gebiet öffnen für Interessierte. Er will Schautafeln etwa über den Nutzen des Waldes und seine Wirkung aufstellen, den Menschen Wald und Natur insgesamt näher bringen, die Geologie erklären. Zur Verwirklichung des Projekts sucht er die Kooperation mit dem OWK. Und stößt bei Horst Schmidt auf offene Ohren. "Wir sind ja nicht nur ein Wanderklub", sagt er und berichtet, dass seit 1984 auch der Naturschutz beim Klub verankert ist. "Die meisten Ortsvereine haben mittlerweile Naturschutzbeauftragte", erklärt Schmidt. Über diese Schiene will sich der OWK attraktiver machen für potenziellen Nachwuchs bei den Mitgliedern, denn, so gibt Schmidt zu, die Jungen fehlen im Verein.

Aktionen, bei denen sich die Interessen von Kling und Schmidt überschneiden, gibt es offensichtlich. Der Bezirksvorsitzende denkt an Baumpflanzungen schon in diesem Frühjahr. "Wir könnten auch ein Waldbaden einrichten", erzählt Schmidt weiter. Was heute modern ist, ist für ihn vor allem eine unschlagbare Medizin. Insgesamt betont er die positive Gesundheitswirkung des Waldes – physisch wie psychisch. Für all das bietet sich das Gewann "Rinnbach" an. Es geht aber auch um Geselligkeit. So bringen beide, Kling und Schmidt, Events auf dem Tanzplatz ins Spiel, eine Ebene im unten gelegenen Grundstücksbereich direkt an dem plätschernden Rinnbach. "Die Mitglieder sind da die Verteiler", macht Kling klar, dass er mit all seinen Ideen in die Breite gehen will.

Das findet Anklang unter den Anwesenden. Nur beim Thema Lehrpfad winkt Schmidt ab, verweist auf Verträge zwischen Verein und Geo-Naturpark, die das untersagen. Vielleicht müsse man dem einen anderen Namen geben, zeigt er sich aber nicht gänzlich verschlossen. Schließlich haben OWK und Emil Kling ein gemeinsames Ziel: Menschen dazu bewegen, in die Natur zu gehen und sie zu erleben.

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Emil Kling. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung