05.04.2022

Dekan Ullmer ging einst nach Fehlgriff an Jugendlichem ins Kloster

Der katholische Altdekan Fritz Ullmer ist 84-jährig verstorben. Er hat viele Glaubensspuren in der Region hinterlassen.

Von Alexander Albrecht

Rhein-Neckar. Wer ihn kannte, lobt seine zugewandte, gewinnende Art und den unerschütterlichen Glauben an die Kirche – jetzt durfte er "zu Gott heimgehen": Drei Monate vor seinem 85. Geburtstag ist der katholische Weinheimer Altdekan Fritz Ullmer gestorben. Der Geistliche wirkte in Mannheim, an der Bergstraße und im Taubertal. Bis zuletzt war Ullmer einer der Ansprechpartner in der Pfarrgemeinde St. Peter im Heidelberger Stadtteil Kirchheim.

Nach seiner Priesterweihe 1961 arbeitet er zunächst als Kaplan in Plankstadt und Tauberbischofsheim. Es folgte seine erste Pfarrstelle, von 1969 bis 1980, in der Mannheimer St.-Elisabeth-Gemeinde. In diese Zeit fällt auch das dunkelste Kapitel seiner Biografie. 1971 oder 1972 habe er einen Jugendlichen bei einem gemeinsamen Abendspaziergang in der Quadratestadt zweimal unsittlich berührt, musste Ullmer fast 30 Jahre später öffentlich einräumen. Dekan Joachim Dauer (Heidelberg-Weinheim) hatte ihn zuvor mit den Vorwürfen konfrontiert.

"Dieser schreckliche Fehlgriff hat sich danach nie mehr wiederholt", betonte er. Das Opfer habe ihm im Erwachsenenalter verziehen, mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche sei jedoch alles wieder hochgekommen – bei dem Mann der Schmerz über das zugefügte Unrecht, bei ihm, Ullmer, die Selbstvorwürfe und die "tiefe Reue".

Großen Wert legte er damals auf die Feststellung, "dass es nie eine Vertuschung des Falls durch meine Vorgesetzten gegeben hat, dass sie erst jetzt davon erfahren und mich umgehend zur Rechenschaft gezogen haben". Er selbst informierte die Staatsanwaltschaft, allerdings waren die Vorfälle verjährt. Der Geistliche verließ als Reaktion die Seelsorgeeinheit Schriesheim-Dossenheim und zog sich vorläufig in ein Kloster zurück. Die Stelle hatte Ullmer als Vertreter von Pfarrer Ronny Baier angetreten, der seinerzeit schwer erkrankt war. Gerade auch in dieser Funktion erwarb er sich große Verdienste.

Zum 1. Januar 2008 hatten die Dekanate Heidelberg und Weinheim mit 28 Pfarreien fusioniert. Frisch von einer Peru-Reise zurückgekehrt, stellte sich der Pensionär Ullmer in den Dienst der Kirche und sorgte als Leiter der Seelsorgeeinheit an der Bergstraße dafür, dass alle bei dem Zusammenschluss an einem Strang ziehen. Höhepunkt seines Schaffens waren aber zweifellos die 16 Jahre als Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Hemsbach (1992 bis 2008) und die zehn als Weinheimer Dekan während dieser Ära.

Nach der Amtszeit in Mannheim und vor dem Wechsel an die Bergstraße war Ullmer von 1980 bis 1992 Stadtpfarrer in der Tauberbischofsheimer Gemeinde St. Martin, ab 1982 auch als Dekan. Dort hinterließ er weiterhin seine Spuren. So regte Ullmer ein Büchlein der Tauberfränkischen Heimatfreunde an, das sich den Tonplastiken des Tauberbischofsheimer Künstlers Rudi Knaus widmete.

Ullmers Neffe teilte mit, der Beisetzungstermin stehe noch nicht fest. Da die Personenzahl bei der geplanten Trauerfeier in der St.-Johannes-Kirche in Rohrbach aber stark begrenzt sein werde, bat er darum, für seinen Onkel zu Hause zu beten. Im Heidelberger Stadtteil, wo er auch zur Welt kam und die letzten Lebensjahre verbrachte, feierte Ullmer 2017 im Rahmen eines Ökumenischen Gemeindefests seinen 80. Geburtstag.

"Einer für alle", so das Motto der Feier, gelte auch für den Jubilar, sagte Pfarrgemeinderat Matthias Kirchgässner. Ullmer habe die Apostelgemeinden im Heidelberger Süden durch viele Dienste unterstützt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung