07.04.2022

Verschmutzen Pellets die Luft?

Verschmutzen Pellets die Luft?

Das Kurpfalzgymnasiums erhielt eine Gas- und nicht etwa eine Pelletheizung. Archivfoto: Dorn
Experten sagen "Ja", aber weniger als Scheitholz und mehr als Gas.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es war eigentlich nur eine Bemerkung von Grüne-Liste-Stadtrat Bernd Molitor in seiner Haushaltsrede die eine alte Diskussion wieder befeuerte: War es richtig, bei der Gymnasiumsanierung statt einer Pellet- eine Gasheizung einzubauen? In mehreren Leserbriefen und Stellungnahmen ging es vor allem darum, ob das Heizen mit Pellets aus Umweltgründen so viel vorteilhafter sei. Das stellte Stefan Nowak in einem Leserbrief infrage – und verwies auf den Feinstaub, den das Verfeuern von Holz mit sich bringe.

Kurt Büchler, der vor gut zwei Jahren zu einem Kreis von Schriesheimer Ingenieuren gehörte, die den Einbau einer Pelletanlage im Gymnasium forderten, nimmt in einer Stellungnahme zu Nowaks Leserbrief die Bedenken ernst, schreibt aber: "Allerdings glaube ich, dass sich die geäußerten Bedenken zum großen Teil aus der undifferenzierten Gleichsetzung einer Pelletheizung mit der Heizung durch Kaminöfen ergeben. Mit der heutigen Technologie (Abscheider, optimale Heizungssteuerung und die Kombination mit Solarthermie) können der Feinstaub minimiert und die Grenzwerte problemlos eingehalten werden. Das Umweltbundesamt gibt entsprechende Ratschläge." Eine Anfrage der RNZ ließ die Behörde bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Tatsächlich gibt es durchaus Diskussionen unter Experten, wie gut eine Pelletheizung in Sachen Feinstaub abschneidet. Im Vergleich zu Gasöfen ist eine solche Anlage deutlich schlechter – etwa um den Faktor 10 –, allerdings machen die Pelletheizungen auch nur 0,6 Prozent der deutschen Feinstaubmenge aus. Andererseits ist Holz nicht gleich Holz: Die klassischen Kamine, die mit Scheitholz befeuert werden, sind deutlich problematischer, sie sind für 17 Prozent des Feinstaubs verantwortlich. Der Grund: Das Holz verbrennt nicht so intensiv wie die Pellets. Entscheidend ist also der Wirkungsgrad der Anlage.

Bernd Molitor kann das aus eigener Erfahrung bestätigen, er hat selbst seit September eine Pelletheizung, die die alte mit Öl ersetzte. Molitor ist natürlich kein ausgewiesener Energieexperte, aber er hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt – und den Schornsteinfeger gefragt, was denn da aus dem Schornstein rauskommt. Dessen Antwort: "Fast nur Wasserdampf." Und seit dem Einbau musste er den Aschekasten nur einmal leeren. Er findet: "Man muss die neuen Technologien nutzen." Die neue Heizung sei viel niedriger im Verbrauch und ließe sich individueller steuern. Aber auch Molitor weiß: Der Pelletheizungszug fürs Gymnasium ist längst abgefahren, die Gasbrenner sind schon eingebaut. Und doch soll es das nicht gewesen sein: In einer Stellungnahme der Grüne-Liste-Fraktion fragen er und Christian Wolf: "Wäre es jetzt nicht an der Zeit, dass sich alle Schriesheimer Fraktionen, gemeinsam mit der Verwaltung, bei allen zukünftigen Projekten weit mehr um Themen wie den Klimaschutz und die Reduzierung von Gas, Öl und Kohle bemühen? Wir würden das sehr begrüßen! Es liegt vor allem auch an uns Kommunalpolitikern, zukünftig unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden und von vorneherein zukunftsfähige, nachhaltige Technologien zu fördern. Denn diese machen unsere Stadt ebenso zukunftsfähiger."

Denn, da ist sich die Fraktion mit Büchler einig: Es geht nicht nur um die Unabhängigkeit vom russischen Gas, sondern auch um klimafreundlichere Heizarten. Und zwar in der Praxis. Und vor Ort.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung