11.04.2022

Heddesheim/Schriesheim: Achim Weitz wird mit über 50 Prozent Heddesheimer Bürgermeister

Schriesheim muss sich jetzt einen neuen Ordnungsamtsleiter suchen.

Von Micha Hörnle

Heddesheim/Schriesheim. Schriesheim verliert seinen Ordnungsamtsleiter, Heddesheim bekommt einen neuen Bürgermeister. Am Sonntagabend war das Ergebnis für Achim Weitz besser als gedacht – auch wenn er nach dem ersten Wahlgang vor drei Wochen als Favorit galt. Schon die ersten Resultate aus den 18 Wahlbezirken, die ab 18.15 Uhr im Bürgersaal vor großer Kulisse einliefen, signalisierten eine solide Mehrheit für Weitz, gut 20 Minuten später stabilisierten sie sich über der 50-Prozent-Marke. Schließlich verkündete um 18.53 Uhr Langzeit-Bürgermeister Michael Kessler das Ergebnis: 52,19 Prozent, "damit haben wir einen neuen Bürgermeister, ich darf Achim Weitz gratulieren". Er sei ja nun "mit einem starken Ergebnis gewählt". Mit "diesem Ergebnis im Kreuz kann er gut beginnen".

Weitz schnappte sich gleich das Mikrofon, und er, den man als Ordnungsamtsleiter eher sachlich kennt, schäumte geradezu vor Emotionen: "Geht’s Euch gut? Mir geht es saugut!" Und er bekannte zugleich: "Es ist ein schweres Erbe, das ich antrete. Michael Kessler hat 24 Jahre lang Heddesheim geprägt und erfolgreich geführt." Da offenbar die Zeit der Geständnisse war, fügte er hinzu: "Nach einem guten Ergebnis im ersten Wahlgang ging mir die Unsicherheit schon an die Nerven." Schließlich gab es mit Martin Kemmet einen neuen Kandidaten, zwei andere aus dem ersten Wahlgang (der parteilose Norbert Hölscher und der Liberale Tobias Köber) waren nicht mehr angetreten. Dass die letzten drei Wochen durchaus an seinen Nerven gezehrt hatten, zeigte ein ungewohnter Seitenhieb auf den "Mannheimer Morgen", der angeblich "mit falschen Zahlen und gefakten Bildern operiert" habe. Nun wolle er zwar ein "Bürgermeister für alle Heddesheimer" werden, aber "heute Abend ist der Abend meiner Wähler". Dabei vergaß er die Schriesheimer nicht: Denn einige, darunter Bürgermeister Christoph Oeldorf – später kam auch noch dessen Vorgänger Hansjörg Höfer –, Hauptamtsleiter Dominik Morast und CDU-Vorsitzende Christiane Haase, waren da. An der Bergstraße sei er sehr unterstützt worden, und gerade Höfer habe ihn zur Kandidatur ermuntert.

Unter den Schriesheimern überwog die Freude für Weitz: "Ich habe einen guten Mitarbeiter verloren und einen guten Kollegen gewonnen", sagte Oeldorf – übrigens fast wortgleich wie Höfer. "Heddesheim hat eine gute Wahl getroffen." Mit seiner "starken Mehrheit hat Weitz eine gute Basis als Bürgermeister". Haase meinte: "Man freut sich und weint zugleich. Für uns geht ein toller und geradliniger Ordnungsamtsleiter." Morast wiederum "freut sich für einen Kollegen", muss aber nun einen Weitz-Nachfolger finden: "Wir werden die Stelle jetzt ausschreiben." Und Höfer wiederum bedauert nicht, Weitz zur Kandidatur in Heddesheim gut zugeredet zu haben: "Ich bin von ihm überzeugt, als Fachmann und als Person." Selbst die grüne Landtagsabgeordnete Fadime Tuncer, die eigentlich dem Kandidaten Jens Römer die Daumen drückte, fand: "Weitz hat wohl überzeugt. Und wir verlieren einen sehr guten Ordnungsamtsleiter." Dossenheims Bürgermeister Daniel Faulhaber ist sich jetzt schon sicher: "Die Wahl von Weitz ist für Schriesheim ein herber Verlust."

Unter dessen Amtskollegen war man sich einig: Weitz gewann durch seine Kompetenz als Rathausmitarbeiter: "Für mich ist klar, dass Heddesheim einen Verwaltungsfachmann wollte, das unterscheidet Weitz signifikant von seinen Mitbewerbern", sagte Weinheims OB Manuel Just. Jürgen Kirchner aus Hemsbach meinte: "Heddesheim hat einen Verwaltungsfachmann gewollt und bekommen. Keine Experimente." Und Stefan Schmutz aus Ladenburg meinte: "Weitz kennt die Verwaltung aus dem Effeff." Der Hirschberger Ralf Gänshirt befand: "Man hat sich für Verwaltungskompetenz entschieden." Er kenne Weitz seit über 20 Jahren – damals noch als Hauptamtsleiter – und schätze ihn als "angenehmen, sachbezogenen und unaufgeregten Kollegen".

Unter den Wahlverlierern sah man das ähnlich: "Einen Verwaltungsfachwirt schätzen viele", sagte Daniel Gerstner (SPD), außerdem sei Heddesheim schon "eher konservativ". Jens Römer (Grüne) meinte: "Heddesheim will ein ,Weiter so’, das muss man akzeptieren. Die CDU habe zudem ihre Wähler stärker an die Urnen gebracht als Rote oder Grüne. Er selbst sei schließlich ein "neues Gesicht" und in der Gemeinde "eher unbekannt". Martin Kemmet als Parteiloser war "sehr enttäuscht", er hatte auf ein zweistelliges Ergebnis gehofft. Seine Erklärung für das Ergebnis: "Die Menschen erwarten Sicherheit durch einen Verwaltungsfachmann."

Hintergrund
> Wahlberechtigte: 9622
> Wähler: 4832
> gültige Stimmen: 4825
> Wahlbeteiligung: 50,22 %
> Achim Weitz (parteilos, von der CDU unterstützt): 2518 Stimmen, 52,19 % (erster Wahlgang: 41,8 %)
> Daniel Gerstner (SPD): 1354 Stimmen, 28,06 % (erster Wahlgang: 26,44 %)
> Jens Römer (Grüne): 538 Stimmen, 11,15 % (erster Wahlgang: 17,49 %)
> Martin Kemmet (parteilos): 388 Stimmen, 8,04 % (im ersten Wahlgang nicht angetreten)
> Peter Seitz (parteilos): 22 Stimmen 0,46 % (erster Wahlgang: 0,89 %)
> Sonstige: 10 Stimmen, 0,56 % (erster Wahlgang: 1,11 %) hö

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung