20.04.2022

Störung? Hackerangriff? Nichts ging mehr im Rathaus

Alles Daten waren auf einmal verschlüsselt. Auch Schulen und Kindergärten sind nicht zu erreichen.

Schriesheim. (hö) Am Dienstag ging nach der Osterpause im Schriesheimer Rathaus nichts mehr: kein Telefon, kein Internet, kein E-Mail und kein Abruf von Daten vom Stadt-Server. Denn alle Daten waren auf einmal verschlüsselt, erklärte Hauptamtsleiter Dominik Morast. Ob es sich dabei um eine Cyber-Attacke gegen die Stadtverwaltung handelt, steht noch nicht fest: "Jetzt sind gerade Fachfirmen am Werk", sagt Morast. Wie lange diese "Störung" anhält, konnte Morast am Dienstagmorgen noch nicht sagen: "Wir hoffen, dass wir am Nachmittag wieder arbeiten können." Doch am Nachmittag war klar: Frühestens am Mittwoch könnte das System wieder laufen.

Auch die Kindergärten und Schulen, also alle städtischen Einrichtungen, sind von der Datenverschlüsselung betroffen. Der Betrieb in Schulen und Kindergärten gehe normal weiter, auch ist die Rathauspforte besetzt, und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung nehmen Termine wahr. Aber auch hier gebe es Einschränkungen, wenn dabei auf Daten des Stadt-Servers zugegriffen werden musste. Glück hat im Rathaus, wer mit seinem Handy von einem externen Hotspot arbeiten kann.

Die genaue Ursache für diesen Totalausfall ist noch nicht klar: Es kann alles sein, von einer großflächigen Störung bis hin zu einem Hackerangriff. Vielleicht hat auch ein Rathausmitarbeiter eine Schadsoftware geöffnet, die zum Verschlüsseln der Dateien führte. Eine Lösegeldforderung sei bisher im Rathaus auf dem Postweg noch nicht eingegangen, so Morast: "E-Mails können wir ja gerade nicht lesen." Insofern "kann es schon sein, dass da noch etwas kommt". Die Computer seien am Dienstagmorgen ganz normal hochgefahren, man meldete sich an, doch dann wurde die Meldung angezeigt, dass es keine Internet-Verbindung gäbe. Später fand der IT-Dienstleister der Stadtverwaltung heraus, dass die Daten verschlüsselt sind.

Im letzten Juli gab es einen Hackerangriff auf die Kreisverwaltung von Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt), bei dem alle Daten verschlüsselt wurden und zur Entschlüsselung ein Lösegeld gefordert wurde – was die Kreisverwaltung ablehnte. Auch mit Unterstützung der Bundeswehr dauerte es ein halbes Jahr, bis alles wieder halbwegs lief. So schlimm muss die Situation in Schriesheim nicht werden, denn noch gibt es keine Lösegeldforderung. In jedem Fall tat Bürgermeister Christoph Oeldorf das, was das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt: Er informierte den Schriesheimer Polizeiposten über den Vorfall, dazu musste er noch nicht mal aus dem Haus gehen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung