02.05.2022

200 Besucher rockten gemeinsam mit den Flüchtlingen

200 Besucher rockten gemeinsam mit den Flüchtlingen

Beim Benefizrockkonzert für die Ukraine sangen auch Anastasia Nazarenko (r.) mit den Kindern Maksym, Varvara, Ivanna und Mark (v.l.). Foto: Dorn
Das Benefizkonzerts mit drei Bands wurde binnen weniger Wochen auf die Beine gestellt.

Von Max Rieser

Schriesheim. In nur vier Wochen hatte Harald Lehn mit Unterstützung seiner Band Rock Division ein kleines Benefiz-Festival in der KSV-Halle auf die Beine gestellt. Neben Rock Division traten noch die Bands Sweet Velvet und Sound Pilots auf. Ein Höhepunkt war aber sicherlich der Auftritt der Ukrainerin Anastasia Nazarenko mit den vier geflüchteten Kindern Maksym, Varvara, Mark und Ivanna, die als kleiner Chor zwei ukrainische Lieder zur Eröffnung des Konzerts sangen.

Auslöser für das Konzert war ein prägendes Erlebnis Lehns vor einem knappen Monat: "Ein Freund rief mich an und erzählte, dass er an die polnisch-ukrainische Grenze fahren müsse, um seine Schwiegermutter abzuholen." Für ihn sei sofort klar gewesen, dass er ihn unterstützen wolle. Also fuhren die beiden in 20 Stunden nach Polen. Der Anblick der ankommenden Frauen und Kinder aus der Ukraine an den polnischen Bahnhöfen habe ihn zutiefst berührt. Bei der Rückkehr habe er zu seiner Band gesagt, dass sie irgendetwas machen müssten, um zu helfen. Was lag für die Rock-Band näher, als ein Konzert zu geben?

Gesagt, getan. Innerhalb weniger Tage organisierten die Bandmitglieder alles, was nötig war, mit überwältigender Unterstützung aus Schriesheim und der näheren Umgebung. Der KSV stellte seine Halle zur Verfügung und übernahm die Bewirtung, Music Transmission aus Wilhelmsfeld baute gratis eine Anlage auf, die sonst gut 2000 Euro Miete gekostet hätte, Staff Security stellte zwei Sicherheitsmänner, Müllers Weinstube spendete Getränke, Forschners Schützenhaus die Würstchen und die Bäckerei Heiß die Brötchen. Zudem gab es Hilfe von Jörg Dalmolin und der Firma "Wir zeigen Flagge". Bei der Organisation bekam Lehn außerdem tatkräftige Hilfe von der CDU-Vorsitzenden Christiane Haase und der grünen Landtagsabgeordneten Fadime Tuncer, bei denen sich Lehn herzlich bedankte. Übersetzt wurde die kurze Rede Lehns zu Beginn der Veranstaltung von Oxana Klohr aus Leutershausen, die dort Mitinitiatorin der Spendenannahme in der Markthalle gewesen war und sich mittlerweile um viele der geflüchteten Familien im Ort kümmert.

Als Eintritt wurde nur eine Spende verlangt, die Kasse sei zum Schluss aber "gut gefüllt" gewesen, berichtete der Rock Division-Sänger. Das Geld wird in den Schriesheimer Sozialfonds fließen und Geflüchteten aus der Ukraine zugutekommen. Für Gäste aus diesem Land waren alle Speisen und Getränke sowie der Eintritt kostenlos. Und viele waren gekommen. Gut die Hälfte der Anwesenden waren Menschen aus der Ukraine, die sichtlich erleichtert waren, einen Abend lang etwas Ablenkung von den Sorgen um ihre Familien und ihr Zuhause zu haben. Es war so, wie Bürgermeister Christoph Oeldorf es bei seinem Grußwort ausdrückte: "Man kann nicht vergessen, weswegen die Menschen hergekommen sind, aber heute Abend können sie vielleicht doch etwas lachen." Er sei stolz darauf, dass die Schriesheimer in der kurzen Zeit neben ihren Hauptberufen ein solches Fest stemmen konnten.

Ergreifend war der Auftritt des kleinen Chors, den Lehn selbst auf das Konzert vorbereitet hatte und dessen Besetzung zum ersten Mal zusammen sang, was man ihnen aber gar nicht anmerkte. Aus vollem Herzen begann Nazarenko das Volkslied "Tschewona Kalyna" zu singen, und die meisten ihrer Landsleute stimmten sofort mit ein. "Tschewona Kalyna" ist eine kraftvolle Hymne, die von einem Roten Schneeball, einer Pflanze mit roten Beeren handelt, deren Früchte sich zum Boden neigen, weil die Ukraine in Trauer ist. Nur durch Befreiung des Landes kann sich der "Schneeball" wieder aufrichten. Das zweite Stück war eine ukrainische Version des Partisanenklassikers "Bella Ciao".

Danach sagte Lehn: "Wir Schriesemer sind lustig und feiern gern. Alle sollen tanzen, headbangen und feiern" – was die gut 200 Besucher dann auch bis in die frühen Morgenstunden taten.

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Die Band: „Sound Pilot“ legte so richtig los. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung