06.05.2022

Auf dem Wochenmarkt wurde für "Schriese FAIRmietet" geworben

Auf dem Wochenmarkt wurde für "Schriese FAIRmietet" geworben

Christiane Haase (CDU), Integrationsbeauftragte Miriam Horn und Bürgerbeauftragte Barbara Schenk-Zitsch (v.r.) informierten auf dem Wochenmarkt zu „Schriese FAIRmietet“ – in diesem Fall Bernd Hegmann, der aber als Freie-Wähler-Stadtrat das städtische Programm längst kennen dürfte. Foto: Dorn
Vielen ist das Programm für bezahlbaren Wohnraum noch unbekannt.

Von Volker Knab

Schriesheim. "Ein Flyer?" Eigentlich war der Dauerregen auf dem Wochenmarkt nicht die beste Witterung, als unter Regenschirmen CDU-Vorsitzende Christiane Haase und die städtische Integrationsbeauftragte Miriam Horn einmal mehr für ein lohnendes Projekt warben. Und doch ließ sich der eine oder andere informieren. Es galt, Überzeugungsarbeit für "Schriese FAIRmietet" zu leisten. Auch nach gut drei Jahren ist dieses Programm vielen unbekannt, auf das die Stadt nun wieder angesichts vieler ukrainischer Flüchtlinge, die sie unterbringen muss, setzt.

Ganz generell soll mit "Schriese FAIRmietet" der Knappheit an bezahlbarem Wohnraum begegnet werden. Das ist nicht immer leicht. Oft müssen noch Misstrauen und Vorurteile abgebaut werden. "Niemand wird rausgeschmissen", betonte Haase. "Das ist überhaupt nicht das Ziel." Der Ansatzpunkt ist ein ganz anderer: In Schriesheim – wie in vielen anderen Gemeinden in Deutschland – gibt es viele Leerstände, also momentan nicht genutzten Wohnraum. Der könnte aber anderen Menschen zur Verfügung gestellt werden. Horn, im Rathaus zuständige Fachfrau von der Sozialstelle, konnte Haases Aussage nur bestätigen. "Wir begleiten rein den Prozess einer Vermietung." Potenzielle Vermieter, die sich vermitteln lassen, bekommen nicht nur eine einmalige Prämie, sondern erhalten zudem eine verlässliche Begleitung der Stadt über den Vermietungsprozess über die folgenden Jahre zugesichert. "Die kann von fünf bis zehn Jahren reichen", erklärte Horn.

Die Stadt übernimmt dabei Renovierungskosten von bis zu 10.000 Euro pro Wohnung, eine langjährige Mietgarantie und betreut die neuen Bewohner durch die Sozialstelle. Stand die Wohnung vorher mindestens neun Monate leer, ist außerdem durch das "Landesförderprogramm kommunale Leerstandsaktivierung" eine Wiedervermietungsprämie von 500 Euro inbegriffen. Interessierte Eigentümer müssen sich nicht darum sorgen, dass ihnen irgendjemand vorgesetzt wird. Mitarbeiter der Soziastelle und der Kämmerei führen erste Gespräche mit den Vermietern und begutachten, ob das Objekt geeignet ist. Dann werden zielgenau Mieter ausgesucht. Ganz uneigennützig für die Stadt ist das nicht. Denn die Kommune erspart sich so Investitionen in Neubauten und den Unterhalt von Sozialwohnungen, die es in Schriesheim schon lange nicht mehr gibt. Für Mieter in schwierigen Lebensverhältnissen kann eine Vermittlung aber ein Sprungbrett zurück in ein normales Leben sein.

Der Haken: "Wir haben wesentlich mehr Interessenten als zu vermittelnde Wohnungen", so Horn. Bei einer Bestandsaufnahme vor einem knappen Jahr vermittelte "Schriese FAIRmietet" bis dato zwölf Wohnungen für 28 Personen. Damals suchten 116 Interessenten, darunter 37 Familien und 21 Alleinerziehende, nach einer Bleibe.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung