13.05.2022

Die Weinhoheiten wollen zurück zur Normalität

Am nächsten Freitag werden auf dem Stadtfest Ann-Kathrin Haas als Königin sowie Luisa Gadzalli und Anna Scheid als Prinzessinnen gekrönt.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Ab Freitag nächster Woche wird Schriesheim drei neue Weinhoheiten haben, wenn sie am 20. Mai um 18 Uhr beim Stadtfest auf dem Festplatz gekrönt werden. Gestern wurden sie erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt: Weinkönigin wird Ann-Kathrin Haas (22), die bereits 2019/20 als Weinprinzessin amtierte – und vor knapp zwei Jahren als Opfer einer "Sprühattacke" im Wingert bundesweit Schlagzeilen machte. Als ihre Prinzessinnen fungieren Luisa Gadzalli (18) und Anna Scheid (17). Gerade Ann-Kathrin ist fast schon ein Routinier in Sachen Krönung, was man von Manuel Bretschi, dem Geschäftsführer der Winzergenossenschaft (WG), und Bürgermeister Christoph Oeldorf noch nicht sagen kann: Bretschi amtiert noch nicht einmal ein Jahr, Oeldorf seit etwas über drei Monaten, es ist also für diese beiden ihr "Erstes Mal", und Oeldorf gestand, "schon aufgeregt" zu sein. Aber alles halb so schlimm, das Team von Sophie Koch und Lisa Menges organisiert seit dem letzten Mathaisemarkt 2020 die Prozedur, nachdem die "Weinhoheiten-Mutti" Astrid Spies das abgegeben hatte.

Aber in diesem Jahr ist so ziemlich alles neu, nicht nur für Bretschi und Oeldorf: Die Krönung gibt es nicht während des Mathaisemarktes, sondern während des Stadtfests – und dann auch nicht im Zelt, sondern unter freiem Himmel. Bretschi setzt alles auf eine Karte, ein wetterfestes Ausweichquartier gibt es nicht: "Wir haben keinen Plan B. Deswegen hoffen wir nicht auf gutes Wetter, wir haben gutes Wetter." Diese recht außergewöhnlichen Umstände fechten Bretschi nicht an: "Wir sind froh, überhaupt eine Krönung zu haben."

Und wieso haben die "alten" Weinhoheiten, die von ihren über zwei Amtsjahren ja fast nichts hatten, nicht weitergemacht? Das habe auch zur Debatte gestanden, so Bretschi, aber nun wolle man nach der Pandemie mit neuem Schwung – wozu offenbar auch neue Gesichter gehören – durchstarten. Tatsächlich hatten die noch amtierenden Weinhoheiten Sofia Hartmann, Fabienne Röger und Lena Meyer früher ihre Bereitschaft erklärt, noch ein Jahr dranzuhängen, doch dann kamen Fabienne und Lena ihr berufsbegleitendes Studium in die Quere. "Das wäre den beiden zu stressig. Also wir hätten kein drittes Jahr mehr gemacht", sagte Weinkönigin Sofia auf RNZ-Nachfrage. Allerdings stand es bereits bei der Absage des Mathaisemarktes fest, dass bei der Ersatzveranstaltung, die später "Stadtfest" genannt werden sollte, die Krönung stattfinden soll. Bereits im Februar hatte WG-Vorstand Karlheinz Spieß gesagt, man habe drei Bewerberinnen. Also gab es kein Gerangel, wer ran durfte – auch wenn es eher ungewöhnlich ist, dass keine amtierende Weinprinzessin zur -königin wird.

Wie dem auch sei: Das neue Dreigestirn freut sich mächtig auf seine Aufgabe: "Es war immer mein Wunsch, Weinkönigin zu werden, aber wegen Corona nie geglaubt, dass es etwas wird", gestand Ann-Kathrin, die letzte Prinzessin aus "normalen" Zeiten. Auch Luisa und Anna hatten den "Kindheitswunsch", Prinzessin zu werden, Luisa war vor zehn Jahren schon mal kleine Weinhoheit, Annas Oma Elfriede Gadzalli war schon Königin, ihre Mutter Ute Gadzalli Prinzessin. Und alle haben fundierte Weinkenntnisse: Ann-Kathrin ist gelernte Winzerin und arbeitet seit Mai für die WG, Luisa und Anna helfen regelmäßig im Wingert mit; ein Weinseminar der WG für Gastronomen haben sie auch schon besucht. Die drei verstehen sich blind: "Die Chemie stimmt", sagt Ann-Kathrin, "wir brauchen keinen Grund, uns zu treffen." Und alle drei wollen ihre Amtszeit unter das Motto "Zurück zur Normalität" stellen.

Langweilig wird es ihnen nicht werden, denn Bretschi berichtet von einem "brechend vollen Terminkalender": "Allein wir in Schriesheim haben jede Woche etwas." Jetzt müssen nur bald die im letzten Jahr aufgestellten Weinhoheiten-Schilder an den Ortseingängen aktualisiert werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung