17.05.2022

MGV Lyra Schriesheim: Im "Franke Doktor" wird für das große Jubiläum geplant

MGV Lyra Schriesheim: Im "Franke Doktor" wird für das große Jubiläum geplant

Im Vorstandsteam des MGV Lyra um den Ersten Vorsitzenden Peter Kraft (2.v.l.) arbeiten mit (v.l.): Christel Augustin, Herbert Weber, Alexander Biesinger, Martin Diehl, Stefan Held und Peter Kuntermann (der neue Zweite Vorsitzende, Ingo Kuntermann, fehlt). Foto: Dorn
Im Juni steht der Umzug in die geschlossene Traditionswirtschaft an. Die Entwicklungen bei den aktiven Sängern machen Sorgen.

Schriesheim. (hö) Die für die meisten Schriesheimer wichtigste Nachricht von der Jahreshauptversammlung des MGV Lyra fiel eher beiläufig: Aus dem Ende 2018 geschlossenen Traditionslokal "Franke Doktor" wird ab Juni das neue Vereinsheim: Am 2. Juni wird dort die erste Chorprobe abgehalten.

Ansonsten stellten sich die Sänger in Teilen vorstandsmäßig neu auf, denn im kommenden Jahr naht das 100. Jubiläum, die große Feier in der Mehrzweckhalle soll am 8. und 9. Juli 2023 steigen. Peter Kraft bleibt zwar, wie bereits seit 2006, Erster Vorsitzender, aber beim Amt des Vizes gab es eine Veränderung, und in gewisser Weise auch einen Generationswechsel: Franz Weber trat nach 17 Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an, dafür aber Ingo Kuntermann, den man auch als ehemaligen FDP-Vorsitzenden kennt.

Kuntermann war zwar beruflich bedingt nicht da, seine Vorstellungsrede verlas Schatzmeister Martin Diehl – und in der ging es auch um das anstehende Jubiläum, "für das wir viel arbeiten müssen". Denn gerade heute stelle sich die Frage, ob Gesangvereine "Auslaufmodell oder Kulturträger" seien – um sie gleich selbst zu beantworten. Vor allem sei Selbstbewusstsein gefragt, der MGV Lyra müsse sein "Licht nicht unter den Scheffel stellen". Kuntermann selbst ist mit seinen 53 Jahren seit 18 Jahren aktives Mitglied im Verein ("immer im zweiten Bass"), er ist für die Beiträge im Mitteilungsblatt verantwortlich, und nun würde er "gern mit Mandat weitermachen". Zumal er die Gemeinschaft der Lyra schätzengelernt hat ("Die Lyra braucht mich, aber ich brauche auch die Lyra") – und er sich sicher ist, dass der Umzug in den "Franke Doktor" dem Verein "einen Schub geben wird". Wahlvorstand Peter Schneider meinte lakonisch: "Kuntermann weiß genau, was auf ihn zukommt", und schnell stand bei 26 Ja-Stimmen, einem Nein und einer Enthaltung fest: Kuntermann wird neuer Zweiter Vorsitzender.

Sein Sohn Peter, der mit seinen 15 Jahren bereits im ersten Bass singt, ist jetzt auch im Vorstand, zumindest im erweiterten, vertreten. Denn Pressewart Herbert Weber ist "schon ein paar Jahre nicht mehr in Schriesheim" und bekommt seiner Meinung nach zu wenig mit. Zwar bekannte er: "Ich klebe nicht an meinem Amt", aber auf ihn wollten die 29 anwesenden Mitglieder dann doch nicht verzichten, also wurde ihm Peter Kuntermann als Vertreter zur Seite gestellt; der fragte noch: "Was macht man da?", aber er kann sich sicher sein, dass ihm sein Vater dabei hilft.

Kurz vor dem 100. Geburtstag plagen die Lyra aber doch Sorgen – und es sind weniger finanzielle, wie Schatzmeister Martin Diehl berichtete. Die Kasse ist zwar leicht im Minus – vor allem wegen der ausgefallenen Veranstaltungen, doch Spenden, Zuschüsse und sogar eine Erbschaft sorgten für einen gewissen Ausgleich. Gravierender ist, dass nach dem langen Lockdown einige Sänger wegblieben (zudem verstarben zehn Mitglieder), vor allem "der zweite Tenor ist ausgedünnt", so Kraft. Insofern könne man die alte Chorstärke nicht halten. Richtige Austritte wurden nicht verzeichnet, aber es gab eben auch keine Neueintritte. Insgesamt zählt die Lyra 155 Mitglieder, darunter 38 aktive Sänger; das Durchschnittsalter liegt bei 62 Jahren. "Sängerwerbung ist dringend notwendig!", appellierte Kraft. Damit soll sich bald ein Extra-Gremium beschäftigen. Ein solches gibt es bereits für das anstehende Jubiläum, das unter dem Motto "Schriesheimer Chorsingen", wenn auch ohne Wertung, stehen soll. Auch beim Stadtfest an diesem Wochenende will sich die Lyra beteiligen, aber nicht mit einem eigenen Programm, sondern mit einem mit anderen Chören gemeinsam gesungenen Lied.

Zudem ging es bei der Jahreshauptversammlung, die gleich drei Jahre (2019, 2020 und 2021) abdeckte, am Rande um die Frage, welche Beiträge im Gemeindemitteilungsblatt noch zulässig seien, wenn es zu dessen neuen Richtlinien kommen sollte. Diese Debatte führt allerdings vor allem Kuntermann, der ja nicht anwesend war, also unterblieb eine Diskussion. Dafür wurde länger um die Beteiligung der Lyra beim Straßenfest diskutiert: 2019 verzichtete man bereits auf die traditionelle Straußwirtschaft, da "zu aufwändig" (Diehl). Denkbar wäre nun, den ehemaligen Suppentreff im Anwesen Hauser in der Oberstadt zu übernehmen – wenn auch eher für Frühschoppen und Wellfleisch –, denn hier wäre der Aufbau einfacher. Vor einer Entscheidung will man sich aber erst einmal vor Ort umschauen.

> Erster Vorsitzender: Peter Kraft (bestätigt bei den Neuwahlen: 27 Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen).
> Zweiter Vorsitzender: Ingo Kuntermann (neu, 26 Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme, eine Enthaltung).
> Schatzmeister: Martin Diehl (28 Ja-Stimmen).
> Protokollführer: Michael Amler (28 Ja-Stimmen).
> Pressewart: Herbert Weber, Vize: Peter Kuntermann (neu, per Akklamation).
> Kassenprüfer: Hermann Weik, Rainer Huber (beide per Akklamation).
> Notenwart: Michael Amler, Stefan Held (beide per Akklamation).
> Internetbeauftragter: Alexander Biesinger (per Akklamation).
> Beauftragte für passive Mitglieder: Christel Augustin.
> Betreuung des Vereinsheims: Wolfgang Frank, Jürgen Bischofberger. hö

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung