17.05.2022

Die SPD schafft den Generationswechsel

Die SPD schafft den Generationswechsel

Daniel Schollenberger (4.v.l.) führt jetzt die SPD an und folgt damit Axel Breinlinger (5.v.l.) nach. Im erweiterten Vorstand amtieren von jetzt an (v.l.) Patrick Schmidt-Kühnle, Birgit Schall, Christian Baier, Jan Brüning, Melanie Koziol, Hannes Künemund und Sebastian Cuny (es fehlt: Clara Scheepers-Assmus). Foto: Dorn
Daniel Schollenberger wurde an die Spitze gewählt. Auch unter den Beisitzern gibt es neue Gesichter.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Generationswechsel bei der SPD: Nach ziemlich genau vier Jahren gab Axel Breinlinger das Amt des Ersten Vorsitzenden ab, um "Platz für Jüngere zu machen" – und auf den 71-Jährigen folgt nun Daniel Schollenberger, mit seinen 35 Jahren halb so alt. Er wurde am Freitagabend mit überwältigender Mehrheit gewählt (29 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen). Breinlinger seinerseits wurde im März 2018 Nachfolger des jetzigen Landtagsabgeordneten Sebastian Cuny, der das Amt zwölf Jahre innehatte.

Schollenberger folgte 2016 der Liebe und kam so von Heiligkreuzsteinach nach Schriesheim; im Odenwald war er selbst fast zehn Jahre Erster Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, an der Bergstraße ist er seit 2018 Kassier. Auch mit Blick auf die angestrebte Verjüngung der Mitglieder – das Durchschnittsalter der Genossen liegt wie beim MGV Lyra bei 62 Jahren – sagte Stadträtin Renate Hörisch-Hellligrath, die die Vorstandswahlen leitete: "Wenn ich mir den Vorstand jetzt anschaue, geht das in die richtige Richtung." Und so nahm der frisch Gekürte die Wahl "sehr gerne an". Er gab auch ein erstes Ziel aus: Bei der Kommunalwahl 2024 will die SPD nach der Enttäuschung von 2019 ein Mandat mehr gewinnen, also vier.

Auch sonst gab es, neben ein paar vertrauten Gesichtern, einige neue (oder wiederentdeckte): Neue Schatzmeisterin ist – in der Nachfolge Schollenbergers – Clara Scheepers-Assmus aus Altenbach, Schriftführer wird Hannes Künemund, der als Schriesheimer den umgekehrten Weg wie Schollenberger nahm und der Liebe in den Odenwald, nach Wilhelmsfeld, folgte und der in diesem Amt Mario Hermann ersetzt. Als Beisitzer fungieren nun neu Marco Martini (den man unter seinem alten Nachnamen Ginal kennt und als solcher von 2014 bis 2018 im Gemeinderat saß), Jan Brüning (der aus Ilvesheim nach Schriesheim übersiedelte), Melanie Koziol (die als Neu-Weinheimerin weiter "Schriesheim im Herzen" hat) und schließlich Patrick Schmidt-Kühnle (der als Gesamtelternbeiratsvorsitzender schon bei der letzten Kommunalwahl au SPD-Liste kandidiert hatte). Christian Baier, Birgit Schall und Sebastian Cuny, die den Beirat komplettieren, zählen eher zu den "Etablierteren" im Gremium. Aus diesem Kreis wurden dann auch Schall und Cuny zu Stellvertretenden Vorsitzenden bestimmt. Aus dem Vorstand schieden neben Herrmann als Beisitzer Claus Breutner (der aber als Organisator der Ferienspiele weitermachen wird), und schließlich Breinlinger aus.

In seinem letzten Rechenschaftsbericht kam der um einige bittere Wahrheiten nicht herum – und die hatten nicht nur mit der Pandemie zu tun. Denn durch sie erlahmte das Parteileben weitgehend, doch der guten Zusammenarbeit im Vorstand sei es zu verdanken, dass "die Partei im Lockdown präsent blieb". Zumindest in Sachen Vorstandsarbeit resümierte Breinlinger, dass es gelungen sei, "die Arbeit organisatorisch auf mehr Schultern zu verteilen". Und doch: Die Zahl der Mitglieder sinkt: Waren es 2020 noch 90, sind es in diesem Jahr nur noch 81. Zwar glichen drei Neueintritte die drei Austritte aus, doch einige Mitglieder verstarben, einige zogen weg: "Die Preisentwicklung auf dem Wohnungsmarkt kostet uns Mitglieder", so Breinlinger.

Die Kasse, so berichtete es Schollenberger als Ex-Kassier, ist in Ordnung, zumal er ja auch im letzten Jahr kaum Ausgaben hatte, wenn man mal von der Hilfe für den Landtags- und Bundestagswahlkampf absieht.

Cuny berichtete kurz aus der Kommunalpolitik – angefangen bei der Schulsanierung ("Wir liegen im Kosten- und Zeitplan"), über das Gärtner-Gelände ("Mit dem neuen Investor sind wir jetzt guter Hoffnung") bis hin zur "Edelstein"-Neubebauung ("Ein Ort für bezahlbaren Wohnraum"). Bei den großen Projekten wie dem Neubaugebiet müsse man nun endlich vorankommen, zumal ja in der Stadt ja sowieso darüber diskutiert werde. Und Cuny hat sich in dieser Frage schon klar positioniert: "Wir haben da Bedarf."

Längeren Raum nahm die Debatte ein, wie (oder ob) die SPD im Mitteilungsblatt auf die kontroversen Beiträge des AfD-nahen Demokratie- und Kulturvereins reagieren sollte. Die Fraktion ist da, wie auch die anderen, enthaltsamer, man verzichte auf eigene Artikel, "um das ,Blättchen’ nicht weiter aufzublähen" (Cuny). Innerhalb der Partei gingen die Meinungen auseinander: Einerseits wolle man dem Verein nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken, aber ganz unwidersprochen sollten seine Beiträge doch nicht bleiben. Nun wollen sich Fraktion und Vorstand zusammensetzen, um die zukünftige Linie festzulegen.

> Erster Vorsitzender: Daniel Schollenberger (neu, 27 Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen). Er löst damit Axel Breinlinger ab.
> Kassiererin: Clara Scheepers-Assmus (neu, statt Schollenberger, 27 Ja- Stimmen, zwei Enthaltungen).
> Schriftführer: Hannes Künemund (neu, statt Mario Hermann, 29 Ja-Stimmen).
> Beisitzer: Christian Baier, Jan Brüning (neu), Sebastian Cuny, Melanie Koziol (neu), Marco Martini (neu), Birgit Schall, Patrick Schnidt-Kühnle (neu, per Akklamation gewählt). Aus dem Gremium zogen sich Claus Breutner und Mario Hermann zurück.
> Vize-Vorsitzende: Birgit Schall, Sebastian Cuny (per Akklamation).
> Kassenprüfer: Martina Schmelzer, Manfred Winter (per Akklamation).

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung