04.11.2004

Gegen die Raser auf der Römerstraße

Anwohner fordern mehr Verkehrsberuhigung und wollen jetzt einen eigenen Plan vorlegen - Kompromiss mit Blumenkübeln möglich

 


Da kommen sie her und sollen in die Stadt fahren, versucht Bürgermeister Peter Riehl den Anwohnern klar zu machen. Allerdings verstanden sich die jungen Eltern des Quartiers Römerstraße und der Rathauschef nicht sehr gut. Foto: Dorn

Schriesheim. (ron) Noch ruht der Verkehr in der Schriesheimer Römerstraße. Wegen der Baustelle. Doch die Anwohner des neuen "Quartier Römerstraße", überwiegend junge Eltern, fürchten um ihre Kinder, wenn dort wieder Autos hinauf in die Stadt rollen. Bei den Verkehrsbehörden haben sie jetzt verkehrsberuhigende Maßnahmen gefordert.

Viele Schriesheimer kennen den Reflex bei der Einfahrt vom Westen in die Römerstraße. Weil man irgendwie stets die OEG im Nacken fürchtet, tippt man automatisch aufs Gas um über B 3 und Schienen in die Straße hineinzuflutschen. Und zügig fährt man weiter in Richtung der Volksbank.

Dieses Verhalten haben die neuen Anwohner des "Quartier Römerstraße" natürlich auch schon beobachtet - und sie wollen etwas dagegen tun. Seit im letzten Sommer die Reihenhäuser auf dem Grundstück des alten Innenstadt-Lidl entstanden sind, hat sich die Struktur des Viertels verändert. Fast 20 kleine Kinder wohnen in dem "Quartier", manchmal können die Nachbarn sie selbst nicht alle zählen und mit Mühe auseinanderhalten. Jedenfalls sind die neuen Römersträßler das, was sich Bürgermeister eigentlich wünschen. "Kinder kriegen, ist für mich das Wichtigste", entfuhr es gestern auch Schriesheims Rathauschef Peter Riehl im Gespräch mit den Anwohnern. Und er verbesserte sich gleich schmunzelnd: "Ich meine natürlich: Kinder in die Stadt zu kriegen."

Der kleine Versprecher täuscht. Das Gesprächsklima zwischen Riehl und den Anwohnern gestern bei einem Vor-Ort-Termin der Verkehrsbehörden war eher angriffslustig. Als der Rathauschef nicht auf die Bedenken einging, musste er sich als "König von Schriesheim" titulieren lassen. "Das muss ich mir nicht bieten lassen", schimpfte der Bürgermeister zurück.

Worum geht es? Nach dem Ende der Kanalarbeiten soll das westliche Ende der Römerstraße verschmälert werden. Allerdings nicht ganz bis zur Einfahrt ins "Quartier Römerstraße", wo die Einbahnstraße endet. Bis dahin können die Autos auch in beiden Richtungen fahren. Sascha Wenger, ein Sprecher der Anwohner, trug seine Anregungen vor: Die Straße könnte bis zu den Einbahnstraßenschildern enger bleiben, dadurch werde die Geschwindigkeit reduziert. Außerdem könnte im weiteren Verlauf nach Osten (am Schlecker-Markt) die einmündende Schönauer Straße Vorfahrt erhalten - dann wären Raser gebremst.

Aber Bürgermeister Riehl war das nicht recht. "Die Römerstraße ist eine Haupterschließungsstraße in die Innenstadt, das ist so gewollt", erklärte er, "um die anderen Straßen in Ost-West-Richtung zu entlasten". Außerdem müssten Geschäfte angefahren werden können, nicht zuletzt die Autowerkstatt Forschner. Außerdem war Riehl über das Vorgehen sauer: denn der Bauherr des "Quartiers", der Immobilienmakler Peter Appel, hatte nach Riehls Angaben auf einen Gehweg vor den Gärten verzichtet, um an den Grundstücken nichts abzuknapsen. Und jetzt wollen die Anwohner die Verbreiterung des Gehwegs auf Kosten der Straßenbreite. Der Rathauschef verwies gemeinsam mit Gerhard Gamber, dem Chef der Verkehrsbehörde im Heidelberger Landratsamt, auf den großen Hof neben den Häusern, der sich im Privatbesitz befindet. "Warum legen Sie nicht zusammen und bringen einen Zaun an?", fragte der Behördenmann. Auch spitzte Riehl zu: "Verkehrserziehung der Kinder ist nicht die Aufgabe der Stadt." Darauf Wenger: "Wir wollen nur, dass sich die Autofahrer an die Regeln halten." Zumal Polizeipostenchef Klaus Krischke durchblicken ließ, dass ein breiterer Gehweg mit verschwenkter Fahrbahn aus seiner Sicht gut machbar wäre.

Gestern Nachmittag war dann Stand der Dinge: Die Anwohner sollen nochmal eine Planung vorlegen mit kostengünstigen und praktischen Varianten einer Verkehrsberuhigung. Womöglich gibt es ja einen Kompromiss: der Gehweg bleibt so breit wie er ist, stattdessen wird die Straße von Blumenkübeln verschwenkt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung