29.06.2022

Tut das Land zu wenig gegen den Hackerangriff?

SPD-Landtagsabgeordneter Sebastian Cuny stellte eine Kleine Anfrage an die Landesregierung.

Schriesheim. (hö) Der SPD-Landtagsabgeordnete Sebastian Cuny hat mit seinem Fraktionskollegen Jonas Hoffmann (Wahlkreis Lörrach) eine Kleine Anfrage an die Landesregierung zum Thema "Aktuelle Cyberangriffe auf Stadt- und Kommunalverwaltungen in Baden-Württemberg" gestellt, die jetzt beantwortet wurde.

Bei der Anfrage ging es im Speziellen um die Cyberattacke auf das Schriesheimer Rathaus vom 18. April, bei der 170 Gigabyte an Daten geraubt und später im Darknet veröffentlicht wurden. Das Innenministerium stellt zu dem Cyberangriff fest, dass "durch einen bislang unbekannten Einfallsvektor nahezu alle virtuellen Server der Stadtverwaltung Schriesheim verschlüsselt wurden" sowie "dass über den tatsächlichen Umfang und deren Ausprägung bisher keine endgültigen Ergebnisse vorliegen". Cuny stellt dazu fest: "Das Ausmaß des Cyberangriffs auf die Stadtverwaltung Schriesheim ist erschreckend, insbesondere auch die Veröffentlichung von Daten von Bürgern im Darknet muss dringend vollständig aufgeklärt werden. Die Bürger erwarten zu Recht vom Land und von seinen Behörden, dass ihre persönlichen Daten sicher gespeichert und geschützt werden! Ich wünsche mir auch eine transparentere Informationspolitik des Innenministeriums in Bezug auf diesen Cyberangriff, so wie es die Stadt Schriesheim vorgelebt hat."

Das Innenministerium weist in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage hin, dass es "seit mehreren Jahren eine steigende Tendenz von Cyberangriffen fremder Staaten beobachtet, auch gegen baden-württembergische Stellen".

Der Sprecher der SPD-Landtagsfraktion für digitales Leben und Digitalisierung, Jonas Hoffmann, sieht die Landesregierung in der Verantwortung: "Der Fall des Cyberangriffes auf die Stadtverwaltung Schriesheim Mitte April zeigt, dass die Landesregierung in Bezug auf die Cybersicherheit von kommunalen Behörden und Unternehmen nicht gut aufgestellt ist." Die im letzten Jahr gegründete Cybersicherheitsagentur (CSBW) habe nicht genügend Ressourcen für die zunehmende Zahl von Cyberangriffen auf Behörden und Unternehmen in Baden-Württemberg, insbesondere habe sie auch Probleme bei der Gewinnung von IT-Fachkräften. Die CSBW war selbst in Schriesheim vor Ort und half dabei mit, den Datenverlust zu lokalisieren und Sicherheitslücken zu schließen.

Da es die Angreifer zunehmend auch auf die kritische Infrastruktur abgesehen haben, wie die aktuellen Fälle von Cyberangriffen aus Rheinland-Pfalz und Hessen bei den Stadtwerken Mainz und beim Energieversorger Entega zeigten, müsse die Landesregierung in den Bereich der Cybersicherheit dringend mehr investieren. Hoffmann meint: "Grundsätzlich wäre es wichtig, dass die Landesregierung allen Kommunalverwaltungen in Baden-Württemberg die für sie nötigen Netzwerkressourcen auf Landesebene zur Verfügung stellt und so für eine einheitliche und sichere IT-Infrastruktur für die Städte und Kommunen sorgt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung