29.10.2022

Wie aus einem leeren Hotel eine angesagte Pizzeria wurde

Wie aus einem leeren Hotel eine angesagte Pizzeria wurde

Neues Leben für ein altes Gebäude: Eric Langer (mit Papagei Charly), Erika Pfeiffer, Ann Klose, Christina Pfeiffer und Felix Miller (v.l.) sind das Team von „Pfeiffers Pizza“ im Hotel „Luisenhöhe“. Foto: Dorn
Die "Luisenhöhe" sollte während der Pandemie ganz geschlossen werden, doch dann hatte die Eigentümerfamilie Pfeiffer eine rettende Idee.

Von Max Rieser

Schriesheim. Eigentlich war das Hotel "Luisenhöhe" nach 75 Jahren kurz vor dem Aus: Es stand während der Pandemie wochenlang leer. Jetzt herrscht hier oben auf dem Berg unweit der Strahlenburg wieder richtig Leben – und viele Schriesheimer schwärmen von der besten Pizza der Stadt.

Und das kam so: Das Hotel "Luisenhöhe" wurde 1946 von den Großeltern der heutigen Chefin Christina Pfeiffer gegründet. Und in den ersten Jahren war dieses Haus eine ganz feine Adresse: Hier bedienten die Kellner noch im Frack, namhafte deutsche Schlagerstars und Filmschauspieler waren hier zu Gast. Doch dann geriet das einst glamouröse Hotel etwas in Vergessenheit – vor allem deswegen, weil Pfeiffer eigentlich nicht in die Gastronomie wollte: "Wenn man im Gastgewerbe aufwächst und sieht, dass alle immer am Wochenende und nachts arbeiten, dann kann das schon abschrecken." Also studierte sie erst Englisch und Musikwissenschaften, nebenher übersetzte sie Bücher für verschiedene Verlage wie "Beltz & Gelberg" aus Weinheim und arbeitete in ihrem Ausbildungsberuf als Finanzbuchhalterin. Auch ihr Sohn Eric Langer ist eigentlich selbstständiger Außendienstler und verkaufte Spektralanalyse-Anlagen.

Ende der Neunziger verstarb Christina Pfeiffers Vater. Aufgeben wollte sie das Hotel nicht, und ihre Mutter Erika brauchte Hilfe. Neues Personal kam auch nicht in Frage, also schlossen sie das Restaurant, und es gab nur noch ein Frühstück am Morgen für die Gäste. Dann kam die Pandemie, und Pfeiffer dachte über den Verkauf nach: "Da es sich aber um ein Gewerbeobjekt handelt, hätten wir 48 Prozent des Verkaufspreises an Steuern abgeben müssen." Dafür war ihr das schöne alte Gebäude mit dem weitläufigen Wintergarten zu schade.

Ihr Sohn Eric hatte da eine Idee: "Ich war in Heidelberg auf der Schule und immer bei ‚Joe Molese‘ essen", erklärt er. Der Burgerladen unweit der Alten Brücke habe ihm immer imponiert, da man sich dort mit einer kleinen Karte "auf ein Gericht spezialisiert hat, das man so gut macht, dass die Leute nur deswegen immer wieder kommen". Eine echt neapolitanische Pizza aus dem Steinofen vermisste er ohnehin in der Weinstadt – und fing an herumzutüfteln: "Ich habe wochenlang probiert, bis der Teig so war, wie ich ihn haben wollte." 48 Stunden muss der Hefeteig gehen und dabei fermentieren, wodurch er nicht nur mehr Geschmack bekommt, sondern auch bekömmlicher wird. Dann schaffte er einen winzigen Pizzaofen an, in den gerade mal eine Pizza passte – nur zum Testen.

Irgendwann reichte der kleine Ofen nicht mehr, und auch die Idee, die Pizza zum Verkauf anzubieten, wurde konkreter. Also kauften sie einen größeren Ofen bei einem Hersteller in Darmstadt, der ihnen den Kontakt zu einem italienischen Lebensmittel-Importeur vermittelte, von dem die Familie seither die authentischen Zutaten für ihre Pizzen bezieht.

Während des Lockdowns boten sie zunächst Pizza zum Abholen an. Alles lief gut, bis der Pizzabäcker, den sie als Hilfe eingestellt hatten, die Familie mehrfach bestahl. Das war genau derselbe junge Mann, der im letzten Jahr die Aral-Tankstelle und den Edeka-Markt in der Bismarckstraße überfallen hatte und dafür zu knapp fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Nun ruhte der Betrieb wieder: Wie es genau weitergehen würde, wusste die Familie nicht, untätig wollte sie aber auch nicht bleiben. Also machten sie sich daran, in Eigenarbeit den Gastraum des Restaurants komplett zu renovieren. Nun gibt es außerdem eine kleine Lounge mit Bildern, die die Geschichte des Restaurants zeigen, und ein Billardzimmer, in dem einige Flipper-Automaten stehen, die Langer hobbymäßig restauriert und an denen man auch spielen darf.

Um auch das Hotel wieder auf Vordermann zu bringen, will die Familie in diesem Winter mit der Renovierung der Zimmer beginnen. Bei der Renovierung half Langers Freund Felix Miller, der ohnehin auf Jobsuche war. Er wurde kurzerhand als neuer Pizzabäcker verpflichtet und unterstützt Langer seitdem in der Küche, während Pfeiffer die Gäste bedient und Oma Erika die Reservierungen annimmt. Für Unterhaltung sorgt außerdem der über 50 Jahre alte Papagei Charly, der schon seit 30 Jahren ein Mitglied der Familie ist und zum Maskottchen des Restaurants avanciert ist.

Im Frühjahr startete man mit dem Pizzabacken durch – gleich mit vollem Erfolg: "Der Sommer war irre", sagt Pfeiffer, die mit einem solchen Andrang nicht gerechnet hatte und den Gästen für ihre Geduld dankbar ist. Denn zeitweise setzte sie diese sogar auf die Balkone der nicht belegten Hotelzimmer, um sie nicht wieder heimschicken zu müssen.

Bei den Pizzen – und es gibt wirklich ausschließlich Pizza – setzt man auf frische Zutaten und hohe Qualität. Da niemand gelernter Koch ist, ist das Team immer auf die Nachsicht der Gäste angewiesen: "Wir machen jede Pizza frisch und wiegen die Zutaten ab, sie sehen aber oft sehr unterschiedlich aus", sagt Langer etwas verlegen. Auch der Ofen, der nur sechs Pizzen fasst, führe manchmal zu längeren Wartezeiten. Auch für Rückmeldungen sei man immer dankbar: "Hier wird niemand angepampt, wenn er etwas zu bemängeln hat. Die Kommunikation ist uns wichtig."

Die vielen positiven Rückmeldungen bisher freuen sie sehr, auch weil sie so etwas für Schriesheim tun, meint Pfeiffer: "Viele, die herkommen, sagen, dass sie noch nie hier oben waren, obwohl sie schon immer in Schriesheim wohnen. So lernt man auch die eigene Stadt besser kennen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung