28.02.2005

Der heimliche Startschuss ist gefallen

Am Freitagabend wurden im Zehntkeller die Mathaisemarkt-Weine präsentiert - Königin Sandra Schulz verabschiedete sich

Ein erster Gruß (Bild links): Die künftige Weinkönigin Stefanie Frank (Mitte) und ihre Prinzessinnen Stefanie Weber und Stefanie Schmitt (rechts). Bild rechts: Abschied nach einem Jahr, das unglaublich schnell vergangen ist: Die scheidende Weinkönigin Sandra Schulz und ihre Prinzessin Ariane Merkel. Alle Fotos: Peter Dorn

Von Anke Ziegler

Schriesheim. Alle Zeichen deuten darauf hin: Der Mathaisemarkt ist nah. Ein besonderer Vorbote für die fünfte Jahreszeit der Schriesheimer ist die alljährliche Vorstellung der Weinkönigin im Zehntkeller am Freitagabend, eine Woche vor dem ersten Mathaisemarkttag.

So feierten auch letzten Freitag wieder viele im Hauskeller der Weinstadt mit, kosteten die Mathaisemarkt-Weine, die die Winzer zur Probe ausschenkten, ließen sich vom Göckelesmaier unter tatkräftiger Hilfe der Rathaus-Mitarbeiter verköstigen und verfolgten das Mathaisemarktprogramm, das Bürgermeister Peter Riehl vorstellte.

Er begrüßte auch die Mitglieder des Gemeinderats (über die Hälfte der Stadträte war da) und vor allem die vielen Engagierten auf dem Mathaisemarkt, wie Marktmeister Fritz Haas und seine Tochter Ariane, den Festzeltbetreiber Karl Maier und Susi Lochmann, die Vertreter des BdS und die Menschen, die immer für die Sicherheit sorgen: "Ich bin stolz, dass der Mathaisemarkt bisher immer friedlich verlaufen ist", lobte er und hieß Feuerwehrchef Oliver Scherer und Polizeipostenleiter Klaus Krischke willkommen. Das DRK vertrat Kreisvorsitzender Riehl ja quasi selbst.

"Exot im Glas"

Vor kurzem habe sich jemand bei ihm beschwert, dass das Motto der Strahlenberger Grundschule beim Umzug: "Wein und Lied" für die Kinder nicht sehr passend sei, berichtete Riehl. Doch habe er überzeugen können, dass Wein seit Jahrhunderten zu Schriesheim gehöre. "Unsere Kinder sind damit groß geworden und wissen: Wein ist eine schöne Gabe", betonte Riehl. Die Gefahr für die Kinder liege ganz woanders - zum Beispiel, wenn sie alleine auf das Fest gelassen würden.

Vor 31 Jahren wurde der Abend der neuen Weinkönigin und der Weine gegründet, "damit die Winzer ihre hervorragenden Weine präsentieren können", so Riehl. So auch an diesem Abend. Die meisten Winzer hatten von ihren kräftigen 2003er Weinen mitgebracht. Christiane Majer, die selbst nicht anwesend sein konnte, bot einen St. Laurent, den der Bürgermeister persönlich vorstellte und dabei die tiefrote Farbe des Weins mit einer schönen Frau verglich.

Einen "Exot im Glas", eine Cuveé aus Lemberger und Merlot, die "nebeneinander wachsen und sich Freud und Leid teilen", kredenzte Georg Bielig. Peter Jäck hatte dann einen Kuhberg Spätburgunder Rotwein Spätlese gewählt und Winzergenossenschafts-Geschäftsführer Harald Weiss, schenkte einen frisch abgefüllten Kuhberg Silvaner Kabinett aus, als Erinnerung an vor rund 100 Jahren, als es noch 60 Prozent Silvaner in Deutschland gab.

Karl-Heinz Wehweck wünschte sich bei seiner Vorstellung eines 2003er Kuhberg Bacchus Spätlese, das "Problem der Rucksacktrinker beim Mathaisemarkt in den Griff zu bekommen", und Doris Miech, die als Präsentatorin für Gerd Bartsch eingesprungen war, bot einen noch nicht abgefüllten neuen Chardonnay. Es folgte Gerhard Teutsch mit einem 2003er Staudenberg Grauen Burgunder Spätlese und Wilhelm Müller mit einem "ganz persönlichen Wein für Bürgermeister Riehl" und einem 2004er Kuhberg Ruländer Kabinett. Den Höhepunkt hatte aber Georg Hauser im Gepäck. Er hatte in seinem Weinkeller einen Abschiedswein für den Bürgermeister gesucht, der 32 Jahre alt ist, hat sich aber dann doch für einen 16 Jahre alten Ruländer entschieden, der "am 1. Dezember 1989 um 6 Uhr morgens bei 6 Grad Frost geerntet wurde, 145 Öchsle wog und 280 Kilo Gewicht hatte. Es war der erste Schriesheimer Eiswein. Beim Badischen Weinbauverband erhielt der Kuhberg Ruländer Eiswein eine Goldmedaille".

Bevor sich die neuen Weinhoheiten vorstellten, verabschiedeten sich Königin Sandra Schulz und die Prinzessinnen, Ariane Merkel und Stefanie Frank vom vergangenen Jahr. Sandra konnte kaum glauben, dass das Jahr schon fast vorüber war. Jeder Auftritt in diesem Jahr sei etwas Besonderes gewesen. "Auch haben wir, ohne überheblich zu klingen, unsere Stadt und ihre Weine ganz gut präsentiert", so Sandra. Sie dankte ihren Prinzessinnen, die für sie gute Freundinnen geworden seien. Dank sagte sie auch der WG-Vorstandschaft und Peter Riehl, bei dem sie sich "immer gut behütet und immer im Mittelpunkt" gefühlt habe. Auch die Familien und Freunde wurden im Dank nicht vergessen. Ihrer Nachfolgerin, der bisherigen Prinzessin Stefanie Frank, wünschte sie viel Glück. Stefanie hatte ihre beiden Stefanies mitgebracht, die künftigen Prinzessinnen. Sie freue sich auf das Jahr der Regentschaft.

WG-Vorstandsvorsitzender Friedrich Ewald freute sich, dass in diesem Jahr wieder drei so "hübsche Winzertöchter" die Stadt und den Wein repräsentieren. Stefanie Frank ist die Tochter der Wirtsleute Georg und Elke Frank, Prinzessin Stefanie Schmitt ist Tochter des langjährigen WG-Mitglieds Martin Schmitt aus dem "Kleinen Mönch", und Stefanie Weber, Tochter von Jürgen und Christel Weber, ist Enkelin Hans Ringelspachers vom Aussiedlerhof. "Mit drei gleichen Namen, werde ich es so leicht haben, wie noch nie", so Riehl, der auf einige Programmpunkte beim Mathaisemarkt einging.

Neuer Chefkoch im Festzelt

Der Frühschoppen "Schriesheimer Köpfe" am Samstag im Festzelt hat schon Tradition und ist als "Startschuss viel wert", so Riehl. Diesmal sind unter anderen Peter Hartmann und zwei achtjährige "Bewacher" von Riehl als Gesprächspartner dabei. Der Box-Länderkampf am Sonntag zwischen Deutschland und Ungarn wird ein sportliches Highlight.

Beim Seniorennachmittag kamen früher um die 200 Menschen, heute sind es zwischen 700 und 800, weiß Riehl, der gerne von den "Alten" spricht, was 90 Prozent der Betroffenen auch befürworten würden.

Dass Lothar Späth zum dritten Mal zur Mittelstandskundgebung kommt, mache ihn dankbar und stolz, so Riehl und lud dann besonders die Schriesheimer zum zweiten Vereinsabend am Montag im Festzelt ein. Von den Vereinsmitgliedern haben sich dazu schon doppelt so viele wie im letzten Jahr angemeldet.

Auch die Begrüßung der Ehrengäste wird es wieder geben, beim "Behördentag". "Früher war da Pferde- und Rindermarkt, doch damit kann ich die Prominenten ja nicht begrüßen", scherzte der Bürgermeister. Dass dann zum ersten Mal ein Minister - der für Ernährung und Ländlichen Raum, Willi Stächele - dabei ist, sah Riehl auch als ein gutes Zeichen für die Rebflurbereinigung. "Sonst hat er dienstags immer Kabinettsitzung in Stuttgart, bei der Anwesenheitspflicht gilt."

Festzeltwirt Karl Maier, der stellvertretend für seinen Chefkoch Wolfgang Lochmann vom BdS-Vorsitzenden Horst Kolb eine silberne Riehl-Medaille überreicht bekam (wie übrigens auch Susi Lochmann), hob hervor dass man sich immer auf den Schriesheimer Mathaisemarkt freue, denn dann ginge die Saison wieder los.

Er stellte zudem den Nachfolger von Wolfgang Lochmann vor, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im Festzelt mit dabei sein kann. Christian Göttmann heißt der neue Koordinator der Mitarbeiter, und er ist ein Cousin Maiers. Er habe schon einige Feste im letzten Jahr federführend unterstützt, doch in dieser Funktion sei er beim Mathaisemarkt das erste Mal dabei.

BdS-Chef Kolb gestand schließlich noch, dass für ihn dieser Abend immer der heimliche Beginn des Mathaisemarkts sei. Lange dauert's ja nun auch wirklich nicht mehr.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung