15.03.2005

Saturn-Ringe oder Riesenrad?

Manch einer entschied sich für den Gasplaneten und ließ sich in der Volkssternwarte informieren
Von Stefan Zeeh

Schriesheim. Riesenrad auf dem Mathaisemarkt oder Saturn-Ringe in der Christian Mayer-Sternwarte? Diese Frage stellte sich durchaus während des diesjährigen Mathaisemarktes, denn auch während des Volksfestes hatte die Schriesheimer Sternwarte geöffnet. Und tatsächlich, einige Schriesheimer entschieden sich für die spektakulären Ringe des zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems. Durch das gerade laufende Cassini-Projekt, das den Saturn und seine Monde zum Ziel hat, gibt es derzeit immer wieder aktuelle Bilder und neue Erkenntnisse von dem Ringplaneten, die Roland Janz vorstellte.

"Das Cassini-Projekt ist die derzeit letzte große Sonde, die in das Weltall geschossen wurde", erläutert Astronomie-Fan Janz. Immerhin hat alleine die Herstellung der Cassini-Sonde und der Flug zum Saturn 3,2 Milliarden US Dollar verschlungen. Da eine Sonde schon beim Start oder auch während des Einsatzes funktionsuntüchtig werden kann, ist mit einem solchen Projekt immer ein Risiko verbunden, und deshalb werden heute kleinere, billigere Raumsonden verwendet. Gelohnt hat sich das Risiko aber durchaus, wie die Bilder vom Saturn belegen.

Da gibt es die Saturnringe, von denen drei von der Erde aus zu sehen sind. Es existieren aber vier weiter Ringe, wie bereits die Voyager-Sonde 1981 belegte. Die Cassini-Sonde führte nun Messungen aus, die zeigen aus welchem Material die einzelnen Ringe aufgebaut sind. Da gibt es Bereiche, die überwiegend aus Eis bestehen, andere führen mehr Gesteinsbrocken. Die Teilchengröße in den Ringen schwankt zwischen einigen Millimetern und Zentimetern. Dabei sind die größeren Partikel in den äußeren Partien der Ringe, nach innen hin werden sie immer kleiner. "Das liegt an den häufigen Zusammenstößen der Teilchen, wodurch diese zerbrechen und von außen nach innen wandern", erklärt Roland Janz. Dadurch ist eine Bewegung innerhalb der Ringe vorhanden. Die kann dazu führen, dass die Ringe in einigen Bereichen mal dicker oder dünner werden. "Diese Dynamik in den Ringen ist eine völlig neue Erkenntnis", betont der Sternwartenleiter. Natürlich gibt es auch vom Saturn, einem von vier Gasplaneten unseres Sonnensystems, aktuelle Bilder. Darauf sind Wirbelstürme mit einem Durchmesser von etwa 1000 Kilometern zu erkennen. Am Südpol des Saturn erscheinen Polarlichter, die vergleichbar mit denen auf der Erde durch ein starkes Magnetfeld und den darin abgelenkten Teilchen des Sonnenwindes enstehen. Der Nordpol des Saturn dagegen erstrahlt blau.

Aber nicht nur vom Saturn und seinen Ringen gibt es Neues zu berichten. Die Umlaufbahn der Cassini-Sonde ist derart kompliziert, dass sie auch an den über 30 Monden des Saturn vorbeikommt. So konnte die Cassini-Sonde die Landeeinheit Huygens absetzen, die am 14. Januar dieses Jahres weich auf dem Titan landete. Während der Landung schickte Huygens über 300 Bilder an die Erde, von denen Ronald Janz einige präsentierte. Darauf sind beispielsweise auch Flussläufe zu erkennen. Allerdings sind diese wohl nicht durch Wasser entstanden, sondern durch flüssiges Methan.

Ganz aktuell auch ein Bild vom Saturn-Mond Enceladus. Auf der Mond-Oberfläche, die mit einer etwa 20 Kilometer dicken Schicht aus reinem Wassereis überzogen ist, sind große Risse zu erkennen. Darunter befindet sich flüssiges Wasser, das früher, als die Eisschicht noch nicht so dick war, entlang der Risse an die Oberfläche kam und dort sofort gefror. Leider musste es an diesem Abend bei den Bildern aus dem Weltall bleiben, denn die Bewölkung machte eine direkte Beobachtung mit dem Teleskop unmöglich.

Vielleicht war da die Fernsicht vom Riesenrad aus doch noch besser.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung