01.04.2005

Volk will Bürgermeister in Schriesheim werden

Seit gestern ist es offiziell bekannt: Der Hirschberger Gemeinderat springt als Ersatzkandidat für Bürgermeister Werner Oeldorf in die Bresche

Ursprünglich wollte Hirschbergs Bürgermeister Werner Oeldorf seinen Schriesheimer Kollegen Peter Riehl beerben. Die Kandidatur scheiterte jedoch am Widerstand von Landrat Dr. Jürgen Schütz. Jetzt soll FWV-Gemeinderat Werner Volk die Leutershausener Kastanien aus dem Feuer holen. Fotos: Kreutzer/Dorn

Von Lutz Engert

Hirschberg/Schriesheim. Gestern ging die vierte Bewerbung für den Bürgermeisterposten auf dem Schriesheimer Rathaus ein. Der Hirschberger Gemeinderat Werner Volk will Bürgermeister in der Weinstadt werden. Nach wochenlangem Hin und Her bestätigte Volk auf Anfrage, dass er bei der Wahl am 27. November antritt. Volk ist allerdings nur die zweite Hirschberger Wahl: Ursprünglich beabsichtigte Bürgermeister Werner Oeldorf, seinen Freund Peter Riehl zu beerben. Eine Kandidatur scheiterte aber an den Paragrafen der Gemeindeordnung und auch am Widerstand von Oeldorfs Vorgesetzten.

Hinter der Kandidatur von Volk steckt knallhartes politisches Kalkül. Nach dem im Zuge der Gemeindereform in den 70er Jahren eine Fusion von Leutershausen und Schriesheim scheiterte, beabsichtigen die "Heisemer" jetzt die Macht in der Weinstadt unter der Strahlenburg an sich zu reißen. Subtil, ganz subtil. Damit das politische Ränkespiel nicht gleich auffällt, sollte zunächst Bürgermeister Werner Oeldorf - er wohnt ja in Großsachsen - diese heikle Aufgabe übernehmen. Allerdings hatten die "Heisemer" die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Landrat Dr. Jürgen Schütz und Regierungspräsidentin Gerlinde Hämmerle legten nach Bekanntwerden der Oeldorf'schen Pläne ihr Veto ein. "Werner, das geht nicht", soll Schütz Oeldorf bereits im Januar unmissverständlich gesagt haben. Was also tun? Guter Rat war teuer. Dem Vernehmen nach soll Oeldorf bei allen im Hirschberger Gemeinderat vertretenen Parteien nach einem Kandidaten gesucht haben. CDU, GLH, SPD und FDP erteilten dem Gemeindeoberhaupt eine Absage. Bei den Freien Wählern wurde der Verwaltungschef letztlich fündig.

"Ich springe für unseren Bürgermeister in die Bresche", gesteht Volk im RNZ-Gespräch. "Ich habe lange überlegt", gibt der Gemeinderat darüber hinaus zu. Leicht gefallen sei ihm die Entscheidung jedenfalls nicht. "Ich hänge doch sehr an Leutershausen", ist dem Freien Wähler die Rührung deutlich anzusehen. Und dennoch: Letztlich hätten ihn der Bürgermeister und seine Parteifreunde in Hirschberg so bekniet, dass er nicht "Nein" sagen konnte. "Ich konnte gar nicht anders", steht er zu seiner Verantwortung. Er wolle sich der großen Herausforderung stellen, in die Fußstapfen von Peter Riehl zu treten. Probleme hat er damit offensichtlich nicht. Ein Problem haben aber jetzt Schriesheims Freie Wähler. Die wollen sich am 8. April entscheiden, welchen Bürgermeister-Kandidaten sie unterstützen wollen. Bisher sollte nur zwischen Volker Arras und Peter Rosenberger abgestimmt werden.

Volk und Riehl verbindet die Liebe zum Wein. Während der aktuelle Bürgermeister Weißherbst bevorzugt, baut sein potenzieller Nachfolger selbst Wein an. Seit Jahren stellt der Leutershausener im "Schwanenstein" edle Obstsäfte her. Ganz edle sogar. Für seine Schnäpse ist Volk bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden. Festzustehen scheint somit auch, dass der Cola-Light-Verbrauch im Schriesheimer Rathaus drastisch zurückgehen würde nach Volks Wahl. "Ich bringe meinen Apfelsaft mit", setzt er ganz auf die heimischen Produkte. A propos Heimat. Schon seit langem sieht sich Volk zu seiner heimlichen Liebe hingezogen. "Ich bin ja auch Mitglied bei der Schriesheimer Winzergenossenschaft", bekennt er sich ausdrücklich zu Schriesheim. Auf die Frage, ob er denn das Schriesheimer Lied schon auswendig gelernt habe, kommt die Antwort prompt: "Freund, ich bin vun Schriese." Wie jetzt? "Der Schwanenstein liegt doch auf Schriesheimer Gemarkung", verrät Volk. Das ist aber nur dem Ortsunkundigen ein Geheimnis.

Ganz verzichten müssen die Hirschberger im (Wahl-)Erfolgsfall auf den "Volke Werner" aber nicht. "Ich bleibe zweiter Fähnrich bei der Sängereinheit", verspricht der Kandidat. Auch den Vorsitz im Beregnungsverein will Volk behalten. Niederlegen müsste er aber sein Gemeinderatamandat. Darauf habe ihn bereits sein väterlicher Freund Oeldorf im vertraulichen Gespräch hingewiesen. "Schade, aber es geht nicht anders", schwingt Wehmut in seiner Stimme mit. Aber was tut man nicht Alles für sein "Hause".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung