16.04.2005

Ein Holländer sagt, wo es lang geht

Ein Holländer sagt, wo es lang gehtBesuch eines Ausnahmetyps: Jakob Duijn war der erste Winzer des neuen Weinstammtisches im "Hirsch"

Jakob Duijn: Der Holländer ließ sich in Bühl in der badischen Ortenau nieder. Foto: Dorn

Von Roland Kern

Schriesheim. Ein Holländer, der Wein macht? Und dann auch noch einen besonders guten, ja exquisiten? Es gibt ihn. Und jetzt erst war er in Schriesheim. Die Rede ist von Jakob Duijn.

Er reiste an mit mehreren Flaschen in der neuen Schneiderschen Weinwirtschaft "Goldener Hirsch". Er plauderte ein paar Stunden lang angeregt über alle Themen des Weinbaus. Und er verabschiedete sich ein bisschen früher aus der Runde, weil sein Töchterchen aus der Ortenau auf dem Handy anrief und nach ihm verlangte. Holländer sind eben auch nur Menschen.
35 Kilo Trauben pro Ar

Der Mann ist ein Ausnahmetyp. In den Niederlanden wächst kein Wein. Aber er hat schon immer gerne einen guten Tropfen genossen. Als Sommeliere, also als geprüfter Weinkellner, kam er nach Deutschland und arbeitete in den besten Häusern Südbadens - dort, wo die Menschen wissen, was gut ist.

Anfang der 90er Jahre wechselte er die Seiten, ganz hin- und hergerissen von der Faszination Weinbau. In Bühl in der badischen Ortenau, nicht weit entfernt von Offenburg, aber auch von den elsässischen Gemeinden auf der anderen Seite der Grenze, ließ er sich nieder.

Und was dort passiert ist, gleicht einem Wunder. Duijn, der Holländer, ist zu einer Art Guru geworden bei den aufstrebenden badischen Winzern. Was macht er, was wir nicht machen? Das war sicherlich eine der häufigsten Fragen in den letzten Jahren. Jakob Duijn macht sich vor allem eines: viel Arbeit. Seine Spitzenklasse, der "SD", wird tatsächlich von Hand entrappt. Der Winzer hält jedes Träubchen persönlich in den Händen.

Nach Schriesheim in den neuen "Hirsch" brachte der Starwinzer drei Varianten seiner Weine mit. Alles Spätburgunder Rotweine übrigens. Mit weniger gibt sich Duijn nicht ab.

Er unterteilt sein Sortiment in eine Gutsabfüllung, einen "normalen" Spätburgunder und jene "SD" (Selection Duijn), die im "Hirsch" immerhin 49 Euro kostet. Aber die Kenner lassen gerne etwas springen, um einmal einen "echten Dujin" zu probieren. Der Mann kann es sich leisten, nur für allerhöchste Ansprüche zu produzieren. 35 Kilo Trauben pro Ar erntet der Qualitätswinzer. Daraus erwachsen die dichtesten und saftigsten Weine. Mehr als ein Dutzend Schriesheimer Winzer hingen dem fliegenden Holländer einen Abend lang an den Lippen.

Es war der Auftakt eines ganz besonderen Schriesheimer Stammtisches, der sich künftig jeden ersten Montag im Monat trifft, um über Wein zu fachsimpeln. Meistens werden Badener und Pfälzer in den nächsten Wochen zu Gast sein. Auf den nächsten begnadeten Holländer wird man noch eine Weile warten müssen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung