29.09.2014

Für Schriesheims Ringer ist "Weingarten ist kein Maßstab"

Deshalb hielt sich die Enttäuschung nach der 2:18-Pleite der Schriesheimer Ringer in Grenzen

Von Claus Weber

Weingarten. Ionel Puscasu rettete die Ehre der Schriesheimer Ringer. Im nordbadischen Derby beim SV Weingarten sorgte der Rumäne erst im letzten Duell mit dem 6:1 über Altmeister Adam Juretzko für den einzigen Sieg der Bergsträßer, die den Kampf am Ende mit 2:18 verloren. So deutlich wurde Schriesheim in der Bundesliga noch nie bezwungen.

Die Enttäuschung hielt sich dennoch in Grenzen. "Weingarten ist für uns kein Maßstab", sagte Co-Trainer Kai Dittrich. Der SV peilt seinen dritten Mannschaftstitel an. Statt Punkten gab's von den Germanen immerhin Trost. "Das Ergebnis spiegelt die Kräfteverhältnisse nicht wider", sagte SV-Vereinschef Ralph Oberacker, "die meisten Kämpfe waren doch ganz knapp." In der Tat war nur ein einziges Duell vorzeitig beendet: Benny Hofmann unterlag Ionut Panait mit 0:15. Der rumänische Vize-Europameister von 2008 war in den letzten vier Runden Weingartens fleißigster Punktesammler.

Frank Heinzelbecker war von der Deutlichkeit des Sieges überrascht. "Mit diesem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet", sagte Weingartens Trainer, gab aber zu: "Hätte Schriesheim Stefan Kehrer und Aleksandr Kazakevic aufgeboten, wäre der Kampf bestimmt enger ausgegangen." Kehrer kuriert eine leichte Erkrankung aus, der Olympiadritte Kazakevic musste in seiner litauischen Heimat eine Prüfungsarbeit abschließen.

Sein Vertreter Attila Tamas hätte fast überrascht. Gegen den WM-Fünften Ramsin Azizsir führte der Schriesheimer rasch 4:0, musste sich am Ende aber doch mit 6:8 geschlagen geben. Auch Michail Mihat hätte für Schriesheimer Punkte sorgen können, dem rumänischen Juniorenmeister wurde jedoch ein Zähler verweigert, er unterlag dem Norweger Thomas Rönningen mit 0:1. Das war Pech.

Etwas enttäuschend schlug sich dagegen Marcus Plodeck beim 0:6 gegen den ehemaligen Junioren-Vizeweltmeister Achmed Dudarov. "Er wirkte sehr gehemmt", bedauerte Klaus Grüber, "er hat keinen eigenen Angriff gezeigt."

Der Schriesheimer Vereins-Boss hakte den Kampf schnell ab. "Es war doch klar, dass die Trauben hier hoch hängen", sagte Grüber, "mir war wichtig, dass die Mannschaft heute ein anderes Gesicht gezeigt hat als zum Saisonauftakt gegen Aalen. Trotz der klaren Niederlage haben wir Biss, Leidenschaft und Kampfgeist bewiesen."

Ein Trost bleibt den Schriesheimern: Weingarten hat auch mal klein angefangen und brauchte nach dem Aufstieg sieben Jahre, ehe der Verein zum ersten Mal im Viertelfinale stand. "In den beiden ersten Bundesliga-Jahren ging's nur um den Klassenerhalt", erinnert sich SV-Ehrenvorsitzender Richard Hartmann, "so eine Entwicklung dauert einfach seine Zeit." In Weingarten kamen glückliche Umstände zusammen: Die Bundeswehr-Sportfördergruppe in Bruchsal, der Ringer-Stützpunkt in Schifferstadt, dazu eine eigene Halle.

"Auch Schriesheim hat Potenzial", glaubt Weingartens Chef Ralph Oberacker, "da stecken eine rührige Vorstandschaft und ein großer Verein dahinter."

Der KSV hat jetzt erst einmal 14 Tage Pause. Weiter geht's am 18. Oktober in Adelhausen, schon einen Tag darauf kommt Triberg an die Bergstraße.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung