10.10.2014

Ausstellung im Museum Théo Kerg: Das Buch im Bild

Die Portugiesin Ana Luísa Ribeiro zeigt passend zur Buchmesse "Zitate und andere Abweichungen" in Schriesheim - Bücher stehen im Zentrum ihrer Gemälde

Von Julia Behrens

Das Timing hätte nicht besser sein können: Passend zur Buchmesse in Frankfurt zeigt die portugiesische Künstlerin Ana Luísa Ribeiro ihre Einzelausstellung "Zitate und andere Abweichungen" im Museum Théo Kerg.

Im konkreten und übertragenen Sinne sind Bücher das Thema ihrer Gemälde: In einer komplexen Kombination von Bild und Schrift erscheinen immer wieder Buchseiten auf der Leinwand. Dabei reicht die Skala der "Vorlagen" von mittelalterlichen Handschriften über Reiseliteratur aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu aufwendig gestalteten Kunstbänden der heutigen Zeit.

So bilden zum Beispiel die sogenannten Stundenbücher aus dem 14. und 15. Jahrhundert die Grundlage für die Reihe "Books of ours", die in Köln und Lissabon lebende Künstlerin bereits 2012 in der Galerie p13 in Heidelberg ausstellte. Der Titel spielt mit dem englischen Titel dieser Gebetsbücher, den "books of hours", die auch in der Sammlung von Heidelbergs berühmter Bibliotheca Palatina zu finden waren. Fasziniert von diesen Schriften, verschränkt Ana Luísa Ribeiro mittelalterliche Miniatur und Ornamentik mit wundervoll gemalten Lettern, doch zeigt sie diese - wie bei einer Nahaufnahme - nur als Ausschnitt, sodass Text und Illustration Fragment bleiben. Darüber hinaus sind die bruchstückhaften Zitate inhaltlich eher neuzeitlicher Natur und unterlaufen auch so die harmonische Anmutung dieser "Seiten", die fast immer durch das Aufeinandertreffen in der Buchmitte als solche zu erkennen sind.

Das Prinzip, die formale Ästhetik der Quelle in einen ganz anderen Sinnzusammenhang zu überführen, verfolgt Ribeiro auch in ihrer Serie, in der sie sich mit den Kunstbüchern des Kölner Taschen-Verlages auseinandersetzt. Nach eigener Aussage reizt sie oft ein bestimmtes Schriftbild, das sie dann übernimmt, mit eigenem Inhalt füllt und einem starkfarbigen Bildzitat von beispielsweise Bridget Riley oder Louis Morris gegenüberstellt. An anderer Stelle markiert oder unterstreicht die Künstlerin farbig, dann wieder füllt frei zitierte Malerei die Leinwand ganz, sodass das für ein Kunstbuch typische Verhältnis von abgebildeten Werken und begleitendem Text in jeder Hinsicht verrutscht.

Immer wieder wird die persönliche, konkrete "Aneignung" des jeweiligen Buches durch Ana Luísa Ribeiro deutlich - auch in den Arbeiten, in denen sie nur Text fotografiert und dann diese Aufnahme mit allen Details malerisch auf der Leinwand fixiert.

Ihre Arbeiten sind grundsätzlich sehr konzeptuell, weil sie sämtliche Darstellungen durch das "Buch" im Bild bricht. Das macht sie auch bei einer Reihe von leicht verwischten Landschaften, die sie als Seiten eines Bildbandes entlarvt. Eindrucksvoll setzt sie damit alle Rezeptionsmechanismen außer Kraft, denn Kunst liest sich doch anders als Literatur.

Info: Ana Luísa Ribeiro. Zitate und andere Abweichungen. Zu sehen bis 9. November im Museum Théo Kerg, Talstraße 52, 69198 Schriesheim, Mi 17 bis 19 Uhr, Sa und So 14 bis 17 Uhr. www.kk-schriesheim.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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