05.11.2014

Schriesheim-Altenbach: Ortschaftsrat für Tempo 30 auf der Hauptstraße

Ortschaftsrat folgte mehrheitlich auch AL/FW-Antrag für feste "Blitzer" an den Ortseingängen - Nein zu Sperrung für Lastwagen.

Von Carsten Blaue

Schriesheim-Altenbach. Der Ortschaftsrat hat sich am Montag einmütig dafür ausgesprochen, dass die komplette Hauptstraße zur Tempo-30-Zone wird. Es war einer von drei Anträgen der AL/FW in Sachen Verkehr, über die das Gremium zu befinden hatte. Nur mehrheitlich folgte es dem Wunsch, an beiden Ortseingängen "Blitzer" zu installieren. Neben der AL/FW waren Markus Zwaller (CDU), Ortsvorsteher Dr. Herbert Kraus und Karin Malmberg-Weber (SPD) dafür. Abgelehnt wurde das Ansinnen, Altenbachs Ortsdurchfahrt für den Schwerlastverkehr zu sperren. Grüne und CDU waren dagegen, Malmberg-Weber enthielt sich hier. Letztlich brachte Christian Wolf (Grüne) an dieser Stelle den Vorschlag ein, den Verkehr nach Öffnung des Branichtunnels zu zählen und dann zu entscheiden. Ein Kompromiss, mit dem alle leben konnten.

Hans Beckenbach hatte die Anträge der AL/FW eingangs begründet. Alleine bis zu 2700 Autos täglich seien am westlichen Ortseingang gezählt worden, rund 1500 im Osten. Auch die Geschwindigkeit sei gemessen worden - bis zu 97 Stundenkilometer im Westen und 81 km/h am Osteingang zum Ort.

Kraus ergänzte, dass der Rhein-Neckar-Kreis in einer Pilotphase fünf feste Blitzgeräte (Kostenpunkt pro Stück: 50.000 Euro) ein Jahr lang teste: "Dann wird über weitere Standorte entschieden." Also könne ein Antrag beim Landratsamt diesbezüglich nicht schaden. Überhaupt hat die Verkehrsbehörde des Kreises letztlich über alle Altenbacher Wünsche zu entscheiden, da die Hauptstraße ein Teil der Landesstraße 596 a ist.

Dr. Heike Lukhaup (Grüne) eröffnete die Aussprache. Uneingeschränkt sei man für die Ausdehnung von Tempo 30, das bislang nur zwischen Buswendeplatz und dem Grundstück Foshag gilt. Für Blitzapparate sah sie dagegen keine Chance, denn die Aufstellung der Geräte sei an Kriterien gebunden, "und Altenbach erfüllt keines davon". Zudem gebe es im Rhein-Neckar-Kreis sicher relevantere Orte dafür. Lukhaups Gegenvorschlag: Geschwindigkeitsanzeiger, an denen man sein Tempo ablesen kann. Diese seien in Sachen Verkehrserziehung sicher nachhaltiger als Strafzettel. Die Grüne brachte schließlich anstatt einer vorschnellen Sperrung die Zählung des Schwerlastverkehrs ins Spiel. Sie hielt es zudem eher für unwahrscheinlich, dass die Zahl der Lastwagen, die durch den Ort fahren, nach der Tunnelöffnung zunimmt.

Dem schloss sich Karl Reidinger (CDU) an. Die L 596 a schon jetzt für Brummis dicht machen zu wollen, sei "blinder Aktionismus": "Wir sollten da jetzt keine Panik machen." Probleme hatte er auch mit den "Blitzern": "Die werden gesehen, und dahinter gibt man wieder Gas." Der Christdemokrat schlug statt dessen Fahrbahnverengungen oder Bremsschwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung vor. Dem allgemeinen Wunsch einer Tempo 30-Zone durch den Ort schloss er sich ebenso an, wie Karin Malmberg-Weber (SPD): "Das stand so ja auch in den Wahlprogrammen." Auch sie bezweifelte den Erfolg von permanent installierten Blitzkästen und folgte Reidinger in seiner Idee, dem Rasen durch bauliche Maßnahmen entgegen zu wirken. Schließlich teilte sie die Sorge von AL/FW, dass Lastwagen auf Landstraßen ausweichen, um die Lkw-Maut zu umgehen.

Kraus ging auf die Stellungnahmen ein. Am Ostausgang werde wieder eine Geschwindigkeitsanzeige installiert. Diese habe bislang auf einer zu wackeligen Konstruktion gestanden. Die Schlosser im Bauhof arbeiteten zurzeit an einer stabileren Halterung. Auf Reidingers Vorschlag, Schwellen auf der Straße zu montieren, entgegnete Kraus: "Die bekommen wir nie genehmigt." Christian Wolf (Grüne) ergriff schließlich in Bezug auf die Lkw im Ort nochmals das Wort und warnte vor "Kirchturmdenken": "Wenn in allen Orten so gedacht wird, dann kann bald kein Lastwagen mehr in den Odenwald fahren." Man müsse das "Gespenst Schwerlastverkehr" nachprüfbar machen. Und wenn die Verkehrszahlen wirklich steigen würden, könne man ja den diesbezüglichen Antrag noch immer stellen.

Kraus' Appell, hier "präventiv" vorzugehen, bewirkte bei der ablehnenden Mehrheit des Gremiums ebenso wenig, wie Beckenbachs letzte statistische Werte. So seien am Osteingang 130 und im Westen 600 Fahrzeuge mit über sieben Metern Länge gezählt worden: "Und das müssen dann ja wohl Lastwagen sein."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung