10.11.2014

Ringen: Schriesheim fehlten Sekunden zur Sensation

KSV Schriesheim trotzt Vizemeister SV Weingarten überraschend ein 11:11-Remis ab

Von Claus Weber

Schriesheim. Werner Wolf rieb sich verwundert die Augen. "Damit hatte ich nie gerechnet", freute sich der Abteilungsleiter der Schriesheimer Ringer. Der Bundesliga-Sechste hatte dem deutschen Vizemeister SV Weingarten gerade völlig überraschend ein 11:11-Remis abgetrotzt.

Zum Vergleich: Den Hinkampf hatten die Bergsträßer noch mit 2:18 verloren. "Diesmal wird es auf jeden Fall enger", sagte Klaus Grüber in der Halbzeit voraus. Da lagen seine Schriesheimer noch mit 4:8 zurück. Den starken Endspurt seiner Athleten hatte sich der KSV-Vorsitzende nicht erträumen lassen.

"Wir hatten heute zwar ein bisschen Glück", gab Co-Trainer Kai Dittrich später zu, "aber wir haben auch einen hervorragenden Kampf unserer Mannschaft erlebt." Sascha Büchner kratzte im letzten Duell sogar am Gesamtsieg, lag zwischenzeitlich gegen den deutschen Spitzenringer Martin Daum mit 3:1 in Führung, dann mit 3:5 zurück und hätte mit dem Schlussgong fast wieder den Spieß umgedreht. "Wenn der Kampf ein paar Sekunden länger dauert, gewinnt er", strahlte Dittrich, "Sascha kommt in letzter Zeit immer besser in Fahrt."

Vor 14 Tagen, nach der 13:15-Heimpleite gegen Schifferstadt, hatte KSV-Trainer Stefan Kehrer auf den Tisch gehauen und sich über die mangelnde Einstellung seiner Athleten beschwert. Am Samstag gaben sie die richtige Antwort. Kehrer selbst und Emil Sundberg verloren zwar ihre Kämpfe knapp nach Punktgleichstand, dafür aber legte Neuzugang Artem Gebekov Marcel Ewald aufs Kreuz und Andrej Perpelita rang Sahit Prizreni mit 16:7 nieder.

Die beste Tat des Abends vollbrachte allerdings Attila Tamas, der den etwa gleich starken Ilian Georgiev aus dem Boden hob und in hohem Bogen über die Matte schleuderte - ein so nicht eingeplanter 6:1-Punktsieg war sein Lohn.

Ionel Puscasu brachte den KSV mit seinem souveränen 6:0-Punkterfolg über Altmeister Adam Juretzko vor dem letzten Kampf mit 11:10 in Front. "Da wir nicht ahnen konnten, dass es zu diesem Zeitpunkt so stehen könnte, haben wir Schlussringer Sascha Büchner auch keine Vorgaben gemacht", erklärte Dittrich später. Möglichst wenig Punkte abgeben, um das Remis zu retten oder lieber auf Angriff ringen? Büchner entschied sich gegen den stärker eingeschätzten Martin Daum für die Offensive. "Ich habe bestimmt schon zehn Mal gegen ihn gerungen und stets verloren", sagte er hinterher, "heute war ich ganz nah dran am ersten Sieg, nur Sekunden haben gefehlt."

Die Schriesheimer waren trotzdem stolz. "Das ist ein wichtiger Punkt für die Moral", sagte Trainer Kehrer. Und Werner Wolf ist überzeugt: "Wenn wir am Samstag die gleiche tolle Leistung in Schifferstadt zeigen, ist dort etwas drin."

Auf die Tabellensituation hat das Remis wenig Auswirkungen. Schriesheim baute den Vorsprung auf Schlusslicht Triberg auf drei Punkte aus - der Klassenerhalt ist nun so gut wie sicher. Nach oben geht aber nichts mehr. Der KSV dürfte die Vorrunde als Sechster abschließen und in der Zwischenrunde vermutlich auf die RWG Mömbris/Königshofen treffen. "Die sind nicht viel schlechter als Weingarten", glaubt KSV-Trainer Stefan Kehrer. Sein Assistent Kai Dittrich schließt nach dem Überraschungs-Coup vom Samstag nichts mehr aus: "Die sind nicht unschlagbar!"

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung