19.12.2014

Zweite Straße zum Branich: Es bleiben viele Fragen in Schriesheim

Zweite Straße zum Branich: Es bleiben viele Fragen in Schriesheimo viel ist klar: Die Gutachter wollen die zweite Zufahrt nicht über die Odenwaldstraße führen. Foto: Dorn
"Jetzt nicht viel schlauer": Gemeinderat nahm Machbarkeitsstudie zum Ausbau des Laubelt als zweite Zufahrt des Branich zur Kenntnis.

Schriesheim. Der landwirtschaftliche Weg über den Laubelt kann als zweite Straße zum Branich ausgebaut werden. Das ergab, wie bereits berichtet, die von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie des Ingenieurbüros für Verkehrswesen Koehler & Leutwein. Die Experten bevorzugen dabei als "kleine Variante" eine vier Meter breite Straßenführung über den Friedhof und die Leutershäuser Straße, Kostenpunkt: vorab gut 120.000 Euro. Die Geschwindigkeit würde auf 30 Stundenkilometer festgesetzt, es gäbe Spiegel und Leitplanken an neuralgischen Stellen, hier und da bräuchte man ein paar Grundstücksteile, um Ecken zu entschärfen. Die Strecke über die Odenwaldstraße schloss Koehler & Leutwein aufgrund der straßennahen Bebauung und der Enge an der Kreuzung mit der Zentgrafenstraße ebenso aus, wie den Vollausbau des Laubelt, weil dieser mindestens eine Million Euro kosten würde. Zu teuer. Und verbunden mit zu vielen Eingriffen in Grundstücke, um eine gut sieben Meter breite Straße bauen zu können. Das alles trug für das Ingenieurbüro gestern Frank Rogner im Gemeinderat vor. Und eigentlich war keine Aussprache der Fraktionen vorgesehen, sondern nur Fragen an Rogner. Aber davon gab es einige.

Christian Wolf (GL) fand Rogners Aussagen "zu dünn". Wie sich denn die "kleine Variante" mit Fußgängern und Freizeitverkehr vertrage. Und was denn 1000 Fahrzeuge pro Tag heiße und wie die Gutachter überhaupt auf diese Zahl kommen. 500 rauf zum Branich und 500 runter, so Rogners Antwort. Für diesen Wert habe man die Zahl der Einwohner des Branich, das digitale Verkehrsnetz der Stadt und die Verkehrsprognose 2015 herangezogen - auch schon mit Berücksichtigung des Branichtunnels. Wolfs Kollege Wolfgang Fremgen wollte wissen, ob eine Straßenbeleuchtung erforderlich sei, ob man auch die Zahl der Fußgänger gezählt habe, ob Begegnungsverkehr - für Fremgen schwer vorstellbar - auf einer vier Meter breiten Straße bei 1000 Autos pro Tag möglich sei. Und: Ob die neue Straße überhaupt von der Verkehrsbehörde genehmigt würde. Ein wesentlicher Punkt für die "Machbarkeit".

Rogner sagte, dass die Genehmigungsfrage ungeklärt sei. Bürgermeister Hansjörg Höfer ergänzte, dass man erst Antwort erhalte, wenn man einen entsprechenden Antrag stelle: "Und das geht nicht von heute auf morgen." Überhaupt sei es die Aufgabe der Gutachter gewesen, zunächst einen möglichen Ausbau nach Minimalstandard zu prüfen, und er gehe davon aus, dass die Straße beleuchtet werden müsse. Was die Kosten erhöhen würde.

Dr. Wolfgang Metzger (FW) wollte wissen, ob man die Eigentümer kenne, die Teile ihrer Grundstücke abgeben müssten - und ob sie überhaupt wollen. Möglichweise könne sich aus Antworten auf diese Frage eine völlig neue Situation ergeben. Sein Fraktionskollege Hans Beckenbach sprach den Winterdienst an - zumal das Gutachten keinen Einbau einer Entwässerung am Laubelt vorsieht. FW-Fraktionssprecher Heinz Kimmel machte sich laut Gedanken darüber, ob die Zentgrafenstraße das Mehr an Verkehr überhaupt vertragen würde. Durchaus, so Rogner. Das Problem sei eher die Leutershäuser Straße, meinte Höfer.

Schon zuvor kam Sebastian Cuny (SPD) zu der Erkenntnis: "Ich bin jetzt nicht viel schlauer." Und auch eine von Höfer für den 9. Februar angekündigte Bürgerinfo mache wenig Sinn, wenn die Verkehrsbehörde im März sage, dass das alles sowieso nicht geht. Auch Anselm Löweneck (CDU) sah mehr Fragen als zuvor, zumal die Straße In der Hohl auf dem Branich gar nicht berücksichtigt worden sei. Hier sei die Verkehrssituation fast noch schwieriger als im Laubelt.

Höfer will am Termin für die Bürgerinfo festhalten, zumal ihn viele Zuschriften von Gegnern der zweiten Zufahrt erreichen würden. Es gehe in der Diskussion auch um die Frage, was zumutbar sei: Dass die Branichbewohner später über die Branichstraße und den Tunnel zur Autobahn fahren oder dass die Laubelt-Gegner den Verkehr über die zweite Zufahrt ertragen müssen. Es war eine weitere offene Frage gestern Abend.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung