09.02.2015

Schriesheim: Für eine neue Art der medizinischen Betreuung

Am Sonntag endete die Ära des Hotels "Zur Pfalz" mit der Schlüsselübergabe an die künftigen Nutzer des geplanten Ärztehauses

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Seit gestern Nachmittag ist das Hotel "Zur Pfalz" endgültig Geschichte. Die Zukunft gehört an dieser Stelle und gegenüber auf dem alten Parkplatz zwei Gebäudekomplexen, für die es noch keine bessere Bezeichnung als "Ärztehaus" gibt. Allerdings solle hier bis Herbst 2016 mehr entstehen als eine Ansammlung von Praxen und Therapieeinrichtungen unter einem Dach, wie der Sprecher der künftigen Nutzer, Dr. Kai Wachter, unterstrich. Es war ein besonderer Moment, als er aus den Händen des letzten "Pfalz"-Wirts, Jürgen Opfermann, die symbolischen Schlüssel für das Anwesen entgegennahm.

pfermann zeigte sich überrascht und erfreut, wie viele gekommen waren, "um von der ,Pfalz‘ Abschied zu nehmen". In den alten Sälen und in der ausgeräumten Kneipe standen ehemalige Stammgäste, Stadträte, Patienten und Interessierte am Ärztehausprojekt dicht an dicht. Bürgermeister Hansjörg Höfer kam, und auch Ehrenbürger Peter Riehl war da. Der ehemalige Wirt erinnerte daran, dass die "Pfalz" über drei Generationen von der Familie Opfermann geführt wurde - zunächst ab 1938 von seinen Großeltern Fritz und Frieda, danach von seinen Eltern Gertrud und Werner und schließlich von ihm selbst. Jürgen Opfermann dankte seinen Gästen, Freunden und Mitarbeitern, ohne die der Erfolg der "Pfalz" nicht möglich gewesen sei. Sein besonderer Dank galt seiner Lebensgefährtin, Katerina Gein, und den Kindern, die auch in schwierigen Zeiten immer an seiner Seite stünden.

Opfermann sagte, er freue sich darauf, seine Gäste in Zukunft nicht nur im "Wirtshaus" auf dem Mühlenhof, sondern auch im "Goldenen Hirsch" begrüßen zu dürfen, den er seit Mitte Januar führt. Schließlich spannte er den Bogen zu den künftigen Nutzern auf dem alten "Pfalz"-Areal: "Gastronomen und Ärzte haben art-ähnliche Berufe." Beide würden für das Wohl der Menschen sorgen. Dem Ärztehausprojekt wünschte Opfermann viel Erfolg.

Wachter dankte dem ehemaligen "Pfalz"-Wirt für dessen Fairness und Entgegenkommen im Prozess der Übergabe. Nach vier Jahren Grundstückssuche und Planung mit Höhen und Tiefen beginne nun die Phase der Umsetzung für die Objekte, deren reine Baukosten von Wachter mit neun Millionen Euro beziffert wurden.

Schon Mitte März soll nach Auskunft des Architekten, Manfred M. Fischer, der Abriss der "Pfalz" beginnen. Der Verkehr auf der Römerstraße soll davon nicht tangiert werden, soll doch das Gebäude "von innen heraus" fallen. Wachter griff die Symbolik der Schlüssel auf: "Wir wollen mit ihnen Tore öffnen zu einer neuen Art der medizinischen Betreuung." Für eine übergreifende Versorgung gerade auch von Patienten, die mehrerer Ärzte und Therapeuten bedürften, reiche es nicht aus, Praxen unter einem Dach zu vereinen.

Auch um unnötige Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden, brauche man Strukturen, die eine verzahnte Behandlung und Terminkoordination ermöglichen, die die gemeinsame Nutzung von modernstem medizinischen Gerät erlauben, dessen Anschaffung für eine Praxis allein oft nicht wirtschaftlich wäre. Zugunsten der Patienten, die innerhalb des Ärztehauses überwiesen würden, sei es auch nötig, Termine für akute Untersuchungen freizuhalten. Das gewähre Behandlungen oft schon am selben Tag oder am Folgetag. Wartezeiten können zudem im hauseigenen Café überbrückt werden, das von den Betreibern des Eiscafés Ferrario geführt werden wird. Ein Rufsystem, etwa über Pager oder SMS aufs Handy, soll dafür sorgen, dass der Patient seinen Termin nicht verpasst.

Erst durch die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Therapeuten sei ein fachübergreifendes therapeutisches Angebot möglich, so Wachter. Das neue Ärztehaus werde die Voraussetzungen erfüllen, damit integrierte Versorgungen der Patienten auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden - beispielsweise in den Bereichen der Ernährungstherapie oder Sturzprophylaxe.

Überdies werde das neue Ärztehaus einen 130 Quadratmeter großen Raum haben, der nicht nur den angesiedelten Medizinern und Therapeuten zur Verfügung stehe, sondern auch "Externen". Etwa für Bewegungsgruppen wie Schwangerschaftsgymnastik, Herzsport, Yoga oder Kinderturnen. Auch für Vorträge oder Weiterbildungen könne der Raum genutzt werden. Fünf Praxisräume sind ferner für die flexible Nutzung geplant und werden je nach Notwendigkeit auch nur für wenige Wochenstunden vermietet, zum Beispiel an Kooperationspartner der Ärzte in den Bereichen Raucherentwöhnung, Psychotherapie oder Ernährungsberatung. "Für all’ das braucht man eine Infrastruktur, die man lange planen muss, und das haben wir getan", so Wachter (siehe auch Kasten links).
Ärzte und Psychotherapeuten

> Allgemeinmedizin: Dr. Kai Wachter, Dr. Cornelia Wachter, Dr. Charlotte Hausmann, Dr. Georg Raupp, Dr. Carola Knemüller.

> Betriebs- und Arbeitsmedizin: Dr. Monika Nitsch-Kirsch.

> Gynäkologie: Dr. Silke Hoppe.

> Neurologie: Dr. Esther Frühauf.

> Pädiatrie: Dr. Christian Beck.

> Systemische Psychotherapie: Dr. Claudia Kockrow.

> Zahnmedizin: Dr. Carola Holzmann, Dr. Ulrich Holzmann.

> Allgemeine Psychotherapie, Rheumatologie, Kardiologie, HNO, Tropen- und Reisemedizin: N. N.

Therapeuten

> Physiotherapie: Helga Mattes-Endreß, Oliver Endreß.

> Ergotherapie: Angelika Maurer, Maria Robert.

> Logopädie: Anja Hube.

Medizinische Dienstleister

> Apotheke: Johannes Opitz.

> Dentaltechnik: Holzmann.

Weitere Beratungsangebote

> Ernährungsberatung: Monika Maurer.

> Räume für Angebote weiterer Therapeuten.

Besondere Räumlichkeiten

> Café: Giorgio Ferrario.

> Räume für Gruppen- und Bewegungstherapie sowie FIHH-Schulung.

> Physiotherapeutischer Gerätetherapieraum. cab

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung