02.03.2015

Klimaschutz in Schriesheim: Auf die Bürger kommt es an

Gemeinderat nimmt Abschlussbericht zum Klimaschutzkonzept wohlwollend zur Kenntnis - Großes Einsparpotenzial in Privathaushalten

Schriesheim. (sk/cab) Einhellige Zustimmung im Gemeinderat: Der Abschlussbericht zum Integrierten Klimaschutzkonzept (IKSK) wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen. Experte Dr. Jörg Scholtes hatte das 144 Seiten starke Papier zuvor in einem Referat vorgestellt.

Grüne und CDU lobten die Vorschläge und Anregungen, und Sebastian Cuny stellte für die SPD fest, dass nunmehr ein langer Weg vom ersten Antrag der Genossen 2012 bis zur Konzept-Vorstellung zurückgelegt sei. Jetzt gelte es, die vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen, dazu müsse die Stadt beim Bürger "Bewusstsein schaffen".

"Der Vortrag war wesentlich anschaulicher als die schriftliche Vorlage", gab FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger zu Protokoll, der sich wie seine Ratskollegen vor der Sitzung in das Werk vertieft hatte. Für ihn spielte die regionale Wertschöpfung eine große Rolle, ebenso wie die Tatsache, dass das Konzept eine Voraussetzung sei für die Zuwendung von Fördergeldern. Er sei mit dem Lesen noch nicht ganz fertig, gab Michael Mittelstädt (CDU) zu, und Matthias Meffert (FW) grinste: "Am Schluss bin ich ein bisschen weggenickt." Die Einsparmöglichkeiten überzeugten ihn dennoch, ebenso die Bürgerbeteiligung.

Beim Vorschlag, einen Klimaschutzmanager einzustellen, wollten sich die "bürgerlichen Parteien" allerdings nicht festlegen. "Ob das Konzept dazu führt, weiß ich nicht", sagte Mittelstädt und gab zu bedenken, dass die Stelle zwar drei Jahre lang mit 65 Prozent vom Umwelt-Bundesministerium gefördert werde: "Aber danach geht es weiter." So sah es auch Meffert, während Cuny von der Notwendigkeit der Stelle ebenso überzeugt war wie Wolfgang Fremgen (GL). Dieser schlug eine weitere Maßnahme vor: Dem Beispiel der Bauhof-Mitarbeiter folgend, sollten künftig alle städtischen Mitarbeiter an Vorträgen zum Thema "Nachhaltiges Wirtschaften" teilnehmen.

Überhaupt ist Information alles, um die Akzeptanz des IKSK gerade auch in der Bevölkerung zu steigern. Sind es doch die privaten Haushalte, die den Endenergieverbrauch dominieren - bei entsprechenden CO2-Emissionen. Im Referenzjahr 2012 lag der Verbrauchswert pro Kopf bei 20 000 kWh oder 7,1 Tonnen CO2. Der Verbrauch in den kommunalen Gebäuden betrug zwar nur 1,3 Prozent des Gesamtergebnisses, war unter dem Strich aber noch immer hoch und entsprach dem, was 154 Haushalte benötigen.

Klimaschutzpotenzial sieht der Abschlussbericht sowohl bei der Energiegewinnung, als auch beim Verbrauch. Bei der Erzeugung wird ein Schwerpunkt bei der Sonnenenergie gesehen. Energetische Gebäudesanierungen werden als besonders förderlich für Energieeinsparungen benannt - auch hier vor allem im privaten Bereich. Außerdem spricht die Studie beim öffentlichen Personennahverkehr von einem "sehr positiven Ausgangszustand". Es muss also nicht immer das Auto sein. In den aus dem Ist-Zustand abgeleiteten Empfehlungen spielt die Vorbildfunktion der Stadtverwaltung eine besondere Rolle. Sie soll also vorangehen, um auch die Bürger für den Klimaschutz zu begeistern. Dafür bedürfe es zudem einer umfassenden Kommunikation und individuellen Beratung sowie der Unterstützung, wenn es um konkrete Projekte geht - etwa durch "wohlwollende Prüfung von Anträgen" und "politische Unterstützung", wie es im Bauausschuss etwa bei Solardächern in der Altstadt schon der Fall ist, oder durch eine Datenbank mit zertifizierten Handwerksbetrieben. Schließlich empfiehlt der Abschlussbericht, eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 30 Prozent bis 2025 festzulegen und 35 Prozent anzustreben.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung