24.04.2015

Finalisten stellen Konzept für Kindergarten-Neubau noch mal vor

Gemeinderat Schriesheim lobt Realisierungswettbewerb zum Neubau des Kindergartens Kurpfalzstraße - Welcher Entwurf erhält letztlich den Zuschlag?

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Der 27. März war ein langer Tag für die Mitglieder des Preisgerichts im Realisierungswettbewerb "bewegungsfreundlicher Kindergarten". Es ging darum, nach welchen Plänen der neue Kindergarten Kurpfalzstraße gebaut werden soll. Nach fast elf Stunden und der Prüfung der Entwürfe aus 28 Büros standen die Konstanzer Architekten "Lanz + Schwager" als Sieger fest - mit sieben zu sechs Stimmen. Schon das zeigte, wie dicht die Zweitplatzierten, die Klinkott Architekten aus Karlsruhe, dahinter lagen. Damals beschrieb es Stadtbaumeisterin Astrid Fath so: "Zwischen beide Entwürfe passt kaum ein Blatt." Am Mittwoch entschied der Gemeinderat daher einstimmig, dass beide Büros ihre Entwürfe am 13. Mai noch einmal einem Arbeitskreis vorstellen dürfen. Erst dann soll es eine endgültige Empfehlung an den Gemeinderat geben, der dann das letzte Wort haben wird.

Dem Arbeitskreis gehören laut Architekt Thomas Thiele auch Fraktionsvertreter und die Sachverständigen aus der Preisgerichtssitzung an. Thiele oblag die Wettbewerbsbetreuung und Vorprüfung der eingereichten Entwürfe. Vorgestern schilderte er dem Gemeinderat die Entscheidungsfindung der Jury sowie Hintergründe zum Wettbewerb.

Demnach gab es 200 Bewerbungen, 30 Büros wurden zur Teilnahme ausgelost. Vier waren zudem vorher ausgewählt worden, darunter das Schriesheimer Büro Norbert Morast, das allerdings keinen Wettbewerbsbeitrag abgab, wie Thiele mitteilte. Das stieß nicht nur auf seine Kritik. Hier sei einem teilnahmewilligen Büro ein Platz weggenommen worden, so Christian Wolf (GL). Auch FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger fand Morasts Verzicht "sehr schade": "Zumal es ein Privileg ist, in einem solchen Wettbewerb gesetzt zu sein". Auf RNZ-Anfrage bedauerte Morast, nicht dabei gewesen zu sein: "Aus gesundheitlichen Gründen ging es nicht. Aber ich hätte gerne teilgenommen, gerade in Schriesheim."

So haben andere den viergruppigen Kindergarten geplant. Die begrenzte Fläche und die bewegungsfreundliche Ausrichtung waren dabei Herausforderungen. Zu den Bewertungskriterien gehörten das städtebauliche, architektonische Konzept, die Nutzung, die Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sowie das Freiflächenkonzept, der Brandschutz sowie die Qualität und Menge der "Bewegungsflächen".

Nach drei Wertungsrundgängen blieben die fünf Preisträger übrig. Die Juroren empfahlen einstimmig, dem Projekt den Entwurf des ersten Preises zugrunde zu legen. Dieser Empfehlung folgte der Gemeinderat nicht. Die Planungen von "Lanz + Schwager" sowie Klinkott werden nochmals auf Herz und Nieren geprüft. Unter anderem die Wirtschaftlichkeit der Planung, die Nachhaltigkeit, die Kostenermittlung, die Betriebskosten sowie auch die Leistungsfähigkeit des Büros und der "persönliche Eindruck" sollen dabei eine Rolle spielen.

Thiele brachte den wesentlichen Unterschied zwischen den konkurrierenden Entwürfen gegenüber der RNZ auf den Punkt: "Lanz + Schwager" habe das funktionalere Konzept mit mehr Fläche und "Bewegungsvorteilen" vorgelegt, Klinkott eine kompaktere, wirtschaftlichere Idee.

Eingangs der Aussprache hoffte Bürgermeister Hansjörg Höfer auf einen Baubeginn "zur Sommerpause 2016". Danach lobte Wolf den Realisierungswettbewerb: "Dieser hat uns enorm weitergebracht und war genau der richtige Weg." Viele unterschiedliche Ansätze habe man gesehen. Positiv hob er auch die Rolle der Sachverständigen hervor - Kindergartenleiterin Lucy Barth für das Funktionale, Jun. Prof. Dr. Rolf Schwarz vom Institut für Bewegungserziehung und Sport in Karlsruhe in Sachen Bewegungsfreundlichkeit.

Wichtig sei zudem gewesen, so Wolf, dass der Gemeinderat ein "großes Gewicht" in der Jury gehabt habe. Die Vertreter aus Parteien und Wählervereinigungen hätten eher für "Lanz + Schwager" votiert, die Architekten unter den Preisrichtern dagegen Klinkott bevorzugt, berichtete Wolf. Gerade auch deshalb sei es völlig richtig, beide Entwürfe noch einmal zu testen.

Von einer kurzweiligen Preisgerichtssitzung trotz der vielen Stunden sprach Frank Spingel (CDU). Jetzt gehe es nicht nur um Aspekte der Wirtschaftlichkeit, blickte er auf das weitere Verfahren. Auch sei zu bedenken, dass ein gemeinsamer Außenbereich für die Kindergärten Kurpfalz und Mannheimer Straße geschaffen werde. Der Kindergarten selbst habe Vorgaben erarbeitet, an denen man sich orientieren konnte, lobte Matthis Meffert (FW). Alle Beteiligten hätten ihre Vorstellungen eingebracht.

"Hervorragende Ergebnisse" hatte Sebastian Cuny (SPD) gesehen. Von der professionellen Begleitung habe das Preisgericht profitiert. Cuny betonte, dass seine Fraktion schon jetzt den Siegerentwurf von "Lanz + Schwager" für den richtigen halte. Zudem sagte er: "Unsere Erfahrung aus zwei Wettbewerben ist, dass kreative Entwürfe eher an den Fachleuten scheitern, weniger an den Ehrenamtlichen." Sprich: den kommunalpolitischen Vertretern. Auch Renkenberger brachte den Ideenwettbewerb zum Festplatz noch einmal ins Spiel. Habe hier das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht gestimmt, so habe man im Kindergarten-Wettbewerb "sehr gute Entwürfe" gesehen. Anders als SPD und CDU hielt er die Diskussion über die Pläne der beiden bestplatzierten Büros noch für völlig offen. Die Entscheidung ist vertagt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung