02.05.2015

Ein echtes Multitalent stellt im Schriesheimer Museum Théo Kerg aus

Ausstellung der Biennale-Künstlerin Catherine Lorent aus Luxemburg im Schriesheimer Museum Théo Kerg - Technisch anspruchsvolle Blätter

Von Julia Behrens

Sie zeichnet, malt, macht Musik, singt: Die Künstlerin Catherine Lorent ist ein Multitalent. Und als solches bündelt sie ihre Fähigkeiten gern zu einer medienübergreifenden Synthese aus Installation und Performance. Besonders spielerisch gelingt ihr das bei der Biennale in Venedig, als sie 2013 ihr Herkunftsland, das Großherzogtum Luxemburg, vertritt.

In einem Palazzo am Canale Grande bringt sie unter dem Titel "Relegation" durch die Bewegung der Besucher elektrische Gitarren und Konzertflügel zum Klingen und kombiniert diese akustische, gelegentlich durch eigene Auftritte verdichtete Dimension mit visuellen Anreizen - in Form von geometrisch oder ornamental aufgefassten Deckengemälden und Zeichnungen.

Die Künstlerin, die heute in Berlin lebt, liebt den Barock und lässt nach eigener Aussage immer wieder formale oder inhaltliche Bezüge zu dieser Epoche in ihre Kunst mit einfließen. Vor allem die Idee des Gesamtkunstwerks mit seiner im 17. und 18. Jahrhundert praktizierten Verschmelzung von Architektur, Malerei und Skulptur überträgt sie konzeptionell auf ihre Arbeit.

Jetzt ist Catherine Lorent mit ihrer Ausstellung "D.A.T.E: Dedicatio Artis Turbantis Eternalis - Elements de Conspiration" im Museum Theó Kerg in Schriesheim zu sehen. Das ist kein Zufall, denn Kerg stammte seinerseits aus Luxemburg.

Und Catherine Lorent, die nach ihrem Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe Kunstgeschichte in Paris und Heidelberg studierte, hat sich in ihrer Doktorarbeit intensiv mit dem berühmten Landsmann befasst. In Schriesheim bespielt sie sein Museum mit Zeichnungen, Gemälden und Objekten aus der Zeit von 2002 bis 2012.

Technisch anspruchsvoll sind die großformatigen Blätter, auf denen die junge Künstlerin nicht nur diverse Materialien wie Tusche, Buntstift und Pastell mischt, sondern auch eine filigrane Ornamentik mit den unterschiedlichsten Versatzstücken verschränkt. Da verwan-deln sich heraldische Muster in moderne Pipelines und enden in altmodischen Fernsehern, da mäandern antike Möbel über zeitgenössischen Architekturelementen oder es schweben Gebilde, die wie antike Fahrstühle aussehen, im Himmel über Paris: "Eine Widmung an die ewig turbulente Kunst" - der Titel der Ausstellung, wie ihn Catherine Lorent übersetzt, könnte nicht besser passen.

Räumlich klarer, aber ikonographisch genauso rätselhaft sind die Gemälde, an denen die Künstlerin häufig über einen langen Zeitraum arbeitet. Auch das Bild "Orage (Stendal)" nimmt auf eine Gewitterszene in "Le rouge et le noir" von Stendal nur ansatzweise Bezug. Stattdessen stemmen zwei Hände die Darstellung in die Höhe, die in ihrer ungewöhnlichen Form wie ein Deckengemälde anmutet. Die Beschwörung einer zweiten Bedeutungsebene wirkt hier bühnenhaft und - durch den erhobenen Mittelfinger - außerdem seltsam plakativ.

Entziffern lässt sich der entfesselte Gedankenkosmos von Catherine Lorent wohl kaum, dafür ist er zu persönlich, zu selbstreferentiell angelegt. Allgemeingültigkeit war gestern. Und hier unterscheidet sich die Kunst der Luxemburgerin stark von derjenigen des Barock. Denn Letztere darf zwar in ihrer dekorativen Gestaltung theatralisch ausufern, sie lässt aber an ihrer katholisch oder absolutistisch konnotierten Lesbarkeit keinen Zweifel.

Info: Catherine Lorent. D.A.T.E: Dedicatio Artis Turbantis Eternalis - Elements de conspiration. Bis 7. Juni 2015. Museum Théo Kerg, Talstraße 52, 69198 Schriesheim. www.kk-schriesheim.de. Mittwoch 17 bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung. "Soirée Surprise" mit Catherine Lorent und Marc Jeck am 2. Juni um 19 Uhr.
Catherine Lorent: Orage (Stendal), 2008. Öl auf Leinwand, 160 x 200 cm. Foto: Museum Théo Kerg

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung