02.05.2015

Schriesheim-Altenbach: "Wem gehört die Kerwe?"

Für die Gäste übersetzen die Altenbacher ihren Eröffnungs-Schlachtruf sogar ins Hochdeutsche - Am heutigen Samstag um 14.30 Uhr geht’s weiter

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim-Altenbach. "Borscht, nemm dein’ Spate, um die Kerwe auszugrawe." Am Freitagabend spricht Kerwepfarrer Sascha Rudolph die entscheidenden Worte, mit denen die Altenbacher Kerwe offiziell beginnt. Er richtet sie an ein ungewöhnlich kleines Gefolge: Nur "Borscht" Kevin Zeberer ist da; nach Angaben von Ortsvorsteher Dr. Herbert Kraus weilt nämlich knapp die Hälfte der Dorfjugend derzeit auf Mallorca zu einem Junggesellenabschied.

Zeberer stellt sich den in ihn gesetzten Erwartungen mit Lässigkeit: Binnen kürzester Zeit hat er die "Kerwe" oder ihren flüssigen Platzhalter (eine Flasche Wein) im kleinen Beet unter der Dorflinde ausgebuddelt und übergibt sie seinem "Vorgesetzten" zur weiteren Verwendung. Der erklärt, sie mit dem Kerwevolk auf die "schänschte Kerwe im ganze Land" leeren zu wollen.

Angesichts der stattlichen Menschenmenge, die sich bei der Linde versammelt hat, dürfte dieses Versprechen wohl eher symbolischen Charakter haben. Und, richtig, Kraus lädt auch gleich zum Umtrunk ins Restaurant "Sonus" ein. Dabei sind seine Amtsvorgänger Emil Jörder und Alfred Burkhardt, zahlreiche Ortschaftsräte und jede Menge großer und kleiner Altenbacher. Sie alle tröstet Kraus über das schlechte Wetter hinweg und verspricht, dass sich das heute schlagartig bessert, wenn der Kerwe-Umzug vom Schützenhaus mit drei Böllerschüssen eröffnet wird. "Das hat auch letztes Jahr geklappt, so haben wir es wieder verabredet", bemerkt der Ortsvorsteher ernsthaft. Seine protokollarische Aufgabe ist das Anschneiden des Kerwekuchens, der vom hungrigen Kerwevolk in Minutenschnelle bis auf den letzten Krümel verputzt ist. Wer will, kann jetzt auch noch mit knusprigen Flammkuchen eine Grundlage für die weiteren Feiern legen. Mit von der Partie sind die designierten Kochlöffelhoheiten Lisa Reinhard und Lena Zwaller. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und in einer (bislang) geheim gehaltenen Zeremonie werden die beiden später am Abend auf der Hütte von Klaus Groher feierlich in ihre Ämter aufgenommen.

Zuvor gibt es noch die "Altenbacher Hymne", gesungen vom evangelischen Kirchenchor, und zum Schluss den Kerwe-Schlachtruf, der mit verteilten Rollen gerufen wird und laut bis ins Schriesheimer Tal hinunter schallt. Damit ihn auch die kleine Gruppe versteht, die aus dem hessischen Fulda und Hanau zu Besuch ist, wird er ins Hochdeutsche übersetzt: "Wem gehört die Kerwe?" "Unser." "Vom Nabel bis zum…?" "Brunzer." (Altenbacherisch für das männliche Geschlechtsteil). "Und der gehört auch noch…?" "Unser."

Info: Weiter geht es mit der Kerwe am heutigen Samstag um 14.30 Uhr, wenn die Kerweschlumpel auf dem Buswendeplatz zum Umzug abgeholt wird.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung