09.05.2015

Branichtunnel Schriesheim: Nur der "Kamin" bleibt sichtbar

Leere Hallen aus Beton für jede Menge Technik: Ein Besuch im Betriebsgebäude des Branichtunnels mit Bauleiter Ralph Eckerle

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Der L-förmige Betonklotz würde in jedem Architektenwettbewerb wohl glatt durchfallen. Aber beim Betriebsgebäude des Branichtunnels am Westportal geht es ja auch nicht um Ästhetik. Seinen Zweck als "Tunnelwarte", also quasi als Leitstelle für die Technik des Branichtunnels, soll es erfüllen. Außerdem wird der größte Teil des dreigeschossigen Komplexes sowieso unter der neuen Geländemodellierung des Hangs oberhalb des westlichen Tunneleingangs verschwinden. Beim jüngsten Besuch der RNZ auf der Baustelle gewährt Ralph Eckerle auch einen Einblick in das Gebäude, das in Zukunft das Herzstück auch für die Sicherheitstechnik der 1796 Meter langen Verkehrsröhre sein wird.

Es thront grau auf der Tunneldecke am Branich-Berg und ist gerade von der Brücke an der Leutershäuser Straße aus bestens zu sehen. Die Eingangstüren sind so hoch eingebaut worden, dass man das Betriebsgebäude nur über eine Leiter betreten kann. Kein Architektenfehler, sondern Absicht. Wird der Vorplatz doch später noch aufgeschüttet und dann asphaltiert.

Drinnen schweift der Blick unwillkürlich umher. Ein Labyrinth aus hohen Räumen, Ecken, Winkeln und Treppen ist zu sehen - alles glatt, grau in grau und mächtig groß. Viel größer als es von außen scheint. Die nackten Wände und riesige Nischen darin werden von Scheinwerfern ausgeleuchtet. Es hat was von einer Kulisse für tristes Endzeittheater.

Da der Haupteingang am höchsten Geschoss liegt, geht es über Stufen hinab ins untere Stockwerk - erst über Betonstufen, dann über Holztreppchen. Warum der Unterschied? "Die Holzstufen werden später nicht mehr gebraucht, weil hier noch Böden eingezogen werden", so Eckerle. Man steht hier also mal höher. Der Hohlraum zwischen dem künftigen und dem jetzigen Boden werde zum Beispiel mit Leitungen gefüllt, sagt der Bauleiter.

Und auch dort, wo jetzt noch jede Menge Platz ist in den leeren Räumen, wird es mal eng. In der eigentlichen "Tunnelwarte" etwa. Hier wird es an der Wand mehrere Quadratmeter Bildschirmfläche geben - für den umfassenden Blick ins Tunnelinnere. Außerdem wird an dieser Stelle die gesamte Tunnelsteuerung zusammenlaufen. Davor werden mehrere Arbeitsplätze angeordnet, die freilich unbesetzt bleiben. Im Betriebsgebäude wird nämlich niemand arbeiten. Es sei denn, der Tunnel wird gewartet oder es kommt zum Ernstfall, in dem automatisch auch die Leitstelle informiert wird.

Ansonsten wird der ganze Platz im Gebäude mal gebraucht für Transformatoren, die die 20 kV-Hochspannung zum Beispiel in Strom für die Tunnelbeleuchtung umwandeln, zudem für Rechner und Schalldämpfer. Oder für große Lüfter, die gewöhnliche Dimensionen sprengen. Sie werden gebraucht, wenn es im Tunnel mal brennen sollte oder es zu einer anderen Art schwerer Rauchentwicklung kommt. Und das funktioniert so: Im Tunnel wird es Detektoren zur Temperaturmessung geben und darüber hinaus auch optische Sichttrübesensoren. Ist mal dicke Luft, wird vom Betriebsgebäude aus automatisch ein Mechanismus in Gang gesetzt.

Zunächst öffnen sich die Lamellen, die es an 23 Stellen in der Zwischendecke des Tunnels gibt. Es werden nur die Lamellen aktiviert, die in unmittelbarer Nähe der Rauchentwicklung sind. Danach springen im Betriebsgebäude die Lüfter an und ziehen den Rauch in Minutenschnelle erst durch die Lamellen aus dem Tunnel, dann durch dessen Hohlraum zwischen Gewölbe und Zwischendecke und schließlich durch den "Abluftkamin" am Westportal ins Freie.

Folgerichtig wird dieser riesige, rechteckige, offene "Schornstein" das einzige sein, das später noch aus dem neuen Hang über dem Tunnel herausragt. Blickt man von innen die Wände des Kamins hinauf, sieht man den blauen Himmel, durchzogen vom Kondensstreifen eines Flugzeugs. Sollte es mal grau in grau sein und reinregnen, wird das Wasser in einem Ablauf gefangen.

Drinnen im Tunnel wird nicht nur im Notfall für frische Luft gesorgt. Der Höhenunterschied zwischen West- und Ostportal beträgt 38 Meter. Das Gefälle sorgt normalerweise für eine natürliche Belüftung: "Die sieben Ventilatoren an der Tunneldecke unweit des Ostportals werden also ausschließlich zur Unterstützung gebraucht, wenn der natürliche Luftaustausch mal nicht reichen sollte", betont Eckerle. Auch das geht dann automatisch.

Der Bauleiter weist kurz danach den Weg nach draußen, und das ist gut so. Denn es ist nicht einfach, sich in diesem Rohbau zu orientieren. Wieder vor der Tür, ist das Betriebsgebäude noch immer nicht schöner geworden. Eindrucksvoll ist es aber. Vor allem von innen.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung