06.06.2015

Schriesheim: 30 Grad im Schatten lockten Groß und Klein ins Waldschwimmbad

An der Bar serviert Andreas Murke die Spezialität des Hauses: "Schwimmbadschorle" - Die Mischung aus Mineralwasser und Grapefruitsaft bekommt man nirgendwo sonst

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. "Geil!" Ein heiserer Aufschrei und eine emporgereckte Faust begleiten die Ankündigung, dass es am Nachmittag ins Schwimmbad geht. Der achtjährige Sohn der RNZ-Mitarbeiterin drückt gestern seine Begeisterung zwar nicht gewählt, aber wirkungsvoll aus. Es macht ihm nicht einmal etwas aus, dass es im Auto "kuschelige" 38 Grad warm ist. Gegen eins ist der Parkplatz vor dem Haupteingang randvoll, die ersten Autos stehen bereits auf dem Gehweg, Mutter und Sohn ziehen den Platz am Schützenhaus vor. "Um die 30 Grad", schätzt Bademeister Jürgen Sauter die Außentemperatur im Schatten. Knapp 70 Schwimmer sind im Wasser, das freundliche 24 Grad hat. Sauter weiß: Zur Feierabend-Zeit ab 16 Uhr wird es hier "richtig" voll.

Schnell wird der Sohn in Sonnenöl mariniert und ist bereit für seinen ersten Sprung ins Becken; ab jetzt kommt er nur noch für sporadische Boxenstopps zur Mutter. Die Befürchtung, dass die Liegewiese ähnlich bevölkert sein würde wie der Parkplatz, hat sich nicht bewahrheitet: Auf der riesigen Rasenfläche sind die Handtücher locker verteilt. Kein Problem also, wenn manche mit einem nicht unerheblichen Teil ihres Hausrats anreisen: Sonnenschirme, Liegen, Matten und Strandmuscheln sieht man da, buntes Wasserspielzeug und Kühltaschen. Wer nicht so viel mitschleppen will, findet mit etwas Glück auf der Restaurantterrasse ein Plätzchen unterm Sonnenschirm.

An der Bar serviert Andreas Murke die Spezialität des Hauses: lachsfarbene "Schwimmbadschorle", die sofort am Glas beschlägt. Die Mischung aus Mineralwasser und Grapefruitsaft bekomme man nirgendwo sonst, weiß er. Der neue Pächter macht trotz Kundenansturms einen entspannten Eindruck und lässt unzählige Portionen Pommes über den Tresen gehen. "Wir sind heute mit fünf Leuten da", sagt er, der aus Erfahrung weiß, dass man bei einer schwächeren Besetzung nach zehn Stunden Arbeit in 35 Grad Hitze fix und fertig ist.

Draußen fällt der Blick gleich auf die Neuerwerbungen des Bades. Unterm Dach und auf der Terrasse stehen hölzerne Sitzgarnituren, die Stühle mit karierten Auflagen. Rund 3000 Euro ließ sich der Schwimmbad-Trägerverein IEWS die komfortablen Möbel kosten, erklärt Vorsitzender Bernd Doll.

Einen Tisch krönt ein stilisiertes Segel aus Metall mit "Stammtisch"-Aufschrift. "Das stammt noch aus der Anfangszeit", sagt Doll und meint die Wiederaufnahme des Badebetriebs vor 20 Jahren. Damals habe es noch regelmäßige Mittwochs-Stammtische gegeben, heute dürfe hier Platz nehmen, wer wolle. Er informiert über zwei weitere Projekte: Das eine ist der geplante Kinderspielplatz, das andere sind die "Seepferdchen-Kurse", die wieder aufgelegt werden. Apropos Kind: Der Sohn hat mittlerweile Spielkameraden gefunden.

Die Meute teilt sich mehrere "süße Tüten" vom Kiosk. Die clevere Erfindung beugt den Schlangen vor, die sich früher oft bildeten, wenn den kleinen Kunden die Auswahl zwischen Colaflaschen und Gummibärchen mal schwer fiel. Gegen halb fünf macht auch IEWS-Schriftführer Michael Gebhardt auf der Terrasse Siesta. Er hat ein paar aktuelle Zahlen vom Drehkreuz parat: Bis jetzt passierten an diesem Tag 750 Besucher die Schranke, davon 400 Vereinsmitglieder und 350 Tagesgäste. Der Rekord von Fronleichnam - 900 Gäste - ist damit zwar nicht gebrochen, aber beinahe erreicht.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung