08.06.2015

Ursenbachs Protestanten wollen zu Schriesheim gehören

Das geht aus einer Befragung hervor - Christen warten allerdings noch auf offizielle Bestätigung - Bislang sind sie Heiligkreuz zugeordnet

Von Carsten Blaue

Schriesheim-Ursenbach. Anfang März organisierte der Ursenbacher Ortschaftsrat für die evangelischen Christen im Dorf eine schriftliche Befragung. Sie sollten sich dazu äußern, zu welcher Kirchengemeinde sie in Zukunft gehören möchten. Wie bisher zu Heiligkreuz oder zu Schriesheim? Über das Ergebnis wissen die rund 60 Protestanten bis heute noch nichts. Zumindest nicht offiziell. Pfarrer Hans Behrendt, der als Ruheständler noch immer gerne Gottesdienste in Ursenbach hält, ließ wohl durchblicken, dass sich die Mehrheit für Schriesheim ausgesprochen habe.

Traudel Edelmann, die zu einer Bürgerinitiative (BI) für den Wechsel nach Schriesheim gehört, hatte gestern im RNZ-Gespräch Zahlen: 45 gläubige Kirchensteuerzahler hätten sich an der Abstimmung beteiligt, gut 80 Prozent seien für Schriesheim gewesen. Dies hat das Pfarramt der im vergangenen Jahr fusionierten evangelischen Kirchengemeinden von Heiligkreuz und Oberflockenbach in Rippenweier aber noch nicht bestätigt.

Also hakten die Ursenbacher in einem Schreiben vom 7. Mai an den zuständigen Pfarrer, Michael Batzoni, nach. Der Brief liegt der RNZ vor. Darin bitten die Unterzeichner um Traudel Edelmann um eine Information zum Abstimmungsergebnis. Sollte sich die Mehrheit für den Wechsel nach Schriesheim ausgesprochen haben, so möge Batzoni einen entsprechenden Antrag beim Dekanat des Kirchenbezirks Ladenburg-Weinheim stellen. Denn der Impuls der Ursenbacher allein reicht nicht für den Wechsel.

Der Brief endete mit der Bitte um Antwort innerhalb von zehn Tagen. Bis heute kam nichts zurück: "Jeder Kirchensteuerzahler hat aber ein Recht auf Information", so Traudel Edelmann. Es sei schon dreist, dass sich Batzoni überhaupt nicht melde. Schon daran mag man erkennen, wie groß die Distanz zwischen der Kirchengemeinde in Heiligkreuz und ihren Ursenbacher Mitchristen bereits ist.

Spürbar war sie auch im vergangenen September bei einer Gemeindeversammlung in der Kapelle. Diese wurde fällig, nachdem der Kirchengemeinderat von Heiligkreuz im Februar 2014 beschlossen hatte, die Gottesdienste in Ursenbach ab 2015 einzustellen. Die Ursenbacher Protestanten wurden auch in diese Entscheidung zuvor nicht einbezogen: So musste Batzoni im September den Unmut spüren und suchte nach Begründungen. Die Gemeinde liege finanziell am Boden, Sparmaßnahmen seien nötig und die Heizkosten für die Ursenbacher Kapelle gerade im Winter zu hoch.

Für Traudel Edelmann ist diese Argumentation noch heute ärgerlich: "Die Kollekte war in Ursenbach immer ordentlich." Bereits im September hatte sie es vorgerechnet: 5653 Euro seien von 2010 bis 2014 gesammelt worden. Im Schnitt etwa 1400 Euro pro Jahr. Damals in der Gemeindeversammlung erhielt sie keine klare Antwort auf die Frage, was eigentlich mit dem Geld gemacht wurde. Die Gottesdienste wurden jedenfalls ins Dorfgemeinschaftshaus verlegt, und derzeit wird die Kapelle von Seiten der Stadt saniert.

Über den Ursenbacher Wechselwunsch nach Schriesheim weiß laut Edelmann auch Bürgermeister Hansjörg Höfer Bescheid. Er soll über die Sache sogar schon mal mit Pfarrer Lothar Mößner gesprochen haben. Aber Traudel Edelmann betont: "Es geht hier um Kirche, nicht um die Politik." Obwohl für sie schon etwas dran wäre, wenn es nach der Eingemeindung des Dorfs zu Schriesheim auch mit der Zugehörigkeit zur evangelischen Kirchengemeinde der Kernstadt klappen würde. Wie es in dieser Sache weitergehen soll, weiß Traudel Edelmann momentan aber nicht so recht: "Das ist die große Frage." Sicher wird die Wechsel-BI aber nicht ewig auf Batzonis Antwort warten. Daher sagt Edelmann: "Wir bleiben dran und überlegen uns weitere Schritte."

Schon bei der Gemeindeversammlung im September 2014 bekam Pfarrer Michael Batzoni den Unmut der Ursenbacher Protestanten zu spüren. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung