24.08.2015

Ausstellung in Schriesheimer Haarsalon: Andere Länder, andere Friseursalons

Domenico Esposito Haar Team zeigt Fotoausstellung zum 25. Geburtstag - Spenden werden für Schriesheimer Strahler verwendet

Von Elena Bergmann

Schriesheim. Im Freien unter einem Baum, vor einer Mauer auf einem Hocker oder auf einer Obstkiste mitten im Gedränge des Markts: In Deutschland unvorstellbar, aber so verrichten Friseure in anderen Teilen der Welt ihre Arbeit. Bilder dieser etwas anderen Salons stellte das Haar Team Domenico zu seinem 25. Jubiläum aus.

Die Idee zur Ausstellung entstand durch ein besonderes Geschenk. Vor zehn Jahren brachte Hobbyfotograf und Salonkunde Fuchs das erste Bild mit, ein Friseurfoto aus der Mongolei. Der Schriesheimer Salonbesitzer Esposito Domeniko rahmte es ein.

MENSCHEN IN SCHRIESHEIM

Bis heute ist es sein Lieblingsbild in der Sammlung von etwa 50 Fotos geblieben. Es zeigt einen Friseur, der den Bart eines Kunden schneidet. Eine Fliege sitzt auf der Glatze des Kunden, seine Augen sind geschlossen. Esposito findet es farblich schön, ihm gefällt, dass das Foto direkt aus der Situation gegriffen ist. Fast alle Bilder sind vom Ehepaar Fuchs aufgenommen worden, das viel reist und dabei begeistert fotografiert.

Die Ausstellung lief unter dem Titel "Friseure der Welt" und zeigte Bilder aus Äthiopien, Burma, Mali, Laos, China. Länder, in denen so mancher Europäer den Gang zum Friseur meidet. Ohne Tasse Kaffee und Zeitschrift in einem schicken Salon, dafür mit Plastikhocker und Straßenlärm unter einem Holzverschlag, für viele ist das unvorstellbar. Für andere ist es Alltag.

An drei Montagen empfing Domenico seine Gäste mit einem Glas Schriesecco und erklärte die Ausstellung. Zu jedem Bild hatte er etwas zu sagen. In Südafrika sah man Frauen, deren Haare geflochten werden. "Hierzulande kostet es etwa 800 Euro, diese Frisur zu machen", sagte er, "ich sage immer: Macht einen Urlaub daraus und fliegt zum Friseur nach Afrika."

Auf den Bildern aus Äthiopien herrscht Farbenvielfalt. Alles ist bunt, Blumen schmücken die Salonspiegel. Betrachtet man diese Fotos, spürt man fast die Hitze, und man hört die Gespräche der Einheimischen, die sich während der Arbeit unterhalten. Sie sehen glücklich aus. Man sieht auch Haarschneideapparate, die denen aus Deutschland ähnlich sehen. "Allerdings sind die Geräte dort noch aus Guss und viel schwerer als unsere", so Esposito. Er selbst hat ein solches Exemplar, es funktioniert sogar noch.

Der Haarschneideapparat ist Teil der Ausstellung, dazu gibt es andere alte Utensilien des Friseurhandwerks, auf die der Salonbesitzer besonders stolz ist. Zum Teil habe er sie von Flohmärkten, von Kunden, oder er übernahm sie 1990 mit dem Laden. Darunter auch ein alter Föhn mit 500 Watt, der aus den 50er Jahren stammt und ebenfalls noch funktioniert. "Früher wurde gebaut für die Ewigkeit", sagt Domenico, "meine heutigen Föhne haben 1600 bis 2000 Watt und halten eineinhalb Jahre." Auch eine Art Lockenstab liegt auf dem Tisch. Ein gewelltes Eisen, das Friseure früher im Feuer erhitzten, anschließend nach Gefühl an der Luft abkühlen ließen und dann das Haar wellten. Er, sagt Esposito, würde sich nicht an solch abenteuerliche Gerätschaften herantrauen.

Holzgestelle und Sonnensegel bilden einen "Salon" in Burma. In Tansania wartet ein Kund schlafend und barfuß auf einer Bank, bis er an der Reihe ist. In Saigon hängt der Friseur morgens einen Spiegel an die Mauer, stellt einen Hocker davor und nimmt am Abend alles wieder mit nach Hause. "Mit so einem Handtuch würde mir die Gewerbeaufsicht den Laden dicht machen", sagt Esposito mit Blick auf ein Bild aus Indien. Die Hygienestandards seien nicht vergleichbar. Trotzdem habe der Besuch beim Friseur einen Stellenwert wie in Europa. "Die Leute dort haben so wenig und genießen es auch, frisiert zu werden. Bei uns arbeiten Friseure mode- und wellnessorientiert. In ärmeren Ländern geht es vor allem um Zweckmäßigkeit: Die Haare sollen kürzer werden", sagt er. "Mit einfachsten Mitteln erzeugen die Friseure in den abgebildeten Ländern das gleiche Ergebnis wie wir mit viel mehr Aufwand."

Bei der Ausstellung sammelte Esposito Spenden. "Auch in Schriesheim gibt es arme Menschen, und diese möchte ich unterstützen." Gemeinsam mit Maria Kalla vom Sozialamt nutzt Esposito die Einnahmen, um Bedürftigen Bürgern den Einkaufsgutschein "Schriesheimer Strahler" zu schenken. Heute will er die Gutscheine übergeben.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung