02.09.2015

Schriesheim: Georg Wacker besucht syrische Flüchtlingsfamilien

Der CDU-Landtagsabgeordnete macht auf seiner Sommer-Radtour Halt bei syrischen Familien im Kleinen Mönch - Emotionale Berichte von der Flucht

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Zwischen Georg Wacker und seinem Besuch bei den syrischen Flüchtlingen steht erst einmal ein Regenguss. So dauert die Radtour von Weinheim nach Schriesheim, eine Etappe von Wackers Runde durch seinen Landkreis, etwas länger als geplant. Als sich die Gruppe um den CDU-Landtagsabgeordneten schließlich doch den steilen Kleinen Mönch hinauf gequält hat, wartet im Esszimmer schon ein heißer, starker Tee auf sie.

Wacker hat viele Fragen, seine Gastgeber antworten ausführlich. Recht flüssig auf Deutsch kann das schon der 18 Jahre alte Mohammad Hanifa, der wie sein jüngerer Bruder in Weinheim auf der Schule Deutsch lernt und später KFZ-Mechaniker werden will. Die Erwachsenen, die derzeit vier Stunden pro Woche an der VHS Deutsch lernen, sind froh über Wackers Begleitung: Fadi Awad, ein Freund Wackers aus Betlehem, übersetzt die langen, manchmal emotional vorgetragenen Berichte von der Flucht der Familien aus dem Bürgerkriegsland Syrien.

Zu Fuß in den Libanon, mit dem Flugzeug nach Ägypten, zu Fuß weiter nach Libyen und durch die Wüste führte eine der Routen, während Teenager Mohammad in der Türkei Geld für die Weiterreise verdiente. Für den Rest der Familie ging es 24 Stunden in einem winzigen Boot übers Meer, dann weitere vier Tage auf einem größeren Kahn bis nach Italien. Mohammads Mutter Melka zeigt Bilder von dem "Seelenverkäufer":

Die Passagiere sitzen eingepfercht zwischen Gepäckstücken unter freiem Himmel, der Ausgang des Abenteuers erscheint ungewiss. 5000 Euro zahlte die Familie an Schlepper, und sie hatte Glück: Das Schiff landete in Italien, von dort ging die Reise weiter. Geschlafen wurde unter freiem Himmel, gereist zum Teil mit dem Zug, das Geld reichte nicht mehr für eine Übernachtung. "Wir haben Verwandte in Deutschland", erklärt Mohammad, warum sie hierher kamen und zählt Orte wie Düsseldorf oder München auf, wo Mitglieder der weit verzweigten Familie leben und arbeiten. Sein Onkel und sein Großvater blieben in Syrien, wurden verhaftet.

Auf einmal sprechen alle durcheinander, jeder der Anwesenden weiß etwas zu berichten von Sippenhaft, verschleppten Frauen und Kindern. Mit versteinertem Gesicht erzählt eine Mutter, dass ihre sechs und sieben Jahre alten Jungen von Polizisten mit Eisenstangen geschlagen wurden. Dolmetscher Awad muss schlucken.

"Eine politische Verfolgung ist hier mehr als offensichtlich", nickt Wacker, sichtlich bewegt. Er kann allerdings nicht verstehen, warum nach knapp einem Jahr in Deutschland noch immer kein Asylverfahren eröffnet wurde. Die zuständigen Sozialarbeiter Karen Maas und Dennis Eling haben nun aber endlich gute Nachrichten. "Ihr kriegt euer Interview", sagt Maas, und dieses "Zauberwort" wird im ganzen Raum verstanden. Damit ist die Anhörung zu Beginn der Asyl-Antragsstellung gemeint, die im November in Karlsruhe stattfinden soll. Die Chancen für syrische Antragsteller sind gut, zitiert Wacker Zahlen des Bundes: 44 400 Syrer wurden im Juli registriert. Ihre "Schutzquote", verbunden mit Anerkennung oder Abschiebeverbot, liegt bei 86 Prozent. Wacker erkundigt sich nach den Lebensumständen der Syrer. "Essen und schlafen" sei das, was die Erwachsenen hier tun könnten, heißt es in der Runde.

Eng sei es für die 25 Menschen im Kleinen Mönch, Privatsphäre Fehlanzeige. Dafür haben die Gäste Verständnis, doch Eling zückt sein Handy und zeigt Bilder von Gemeinschaftsunterkünften in Walldorf oder Wiesloch, wo ein Stockbett neben dem anderen in Turn- und Gewerbehallen steht: Für die 16 Kinder im Kleinen Mönch wäre das vermutlich ein Albtraum.

Wacker ist zuversichtlich, was den Ausgang der Verfahren angeht und versichert zum Schluss: "Es ist mir ein Anliegen, dass Sie sich wohl und geborgen fühlen. Wenn ich helfen kann, tue ich das gerne."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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