27.10.2015

"Das Dok-Tor" in Schriesheim öffnet im Herbst 2016

"Das Dok-Tor" in Schriesheim öffnet im Herbst 2016Grundsteinlegung am westlichen Gebäude des neuen Ärzte- und Therapeutenkomplexes auf dem ehemaligen "Pfalz"-Areal

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Geniale Namen überraschen und dürfen im ersten Moment auch gewöhnungsbedürftig sein. Sie sind selbstredend, neu, einfach und doch voller Bedeutung. Insofern ist den Ärzten und Therapeuten, die sich auf dem ehemaligen "Pfalz"-Gelände ansiedeln werden, ein phänomenaler Glücksgriff gelungen. Sie nennen ihr Ärzte- und Therapiezentrum "das Dok-Tor". Dieser Name wurde am Samstag anlässlich der Grundsteinlegung für den zweiten Bauabschnitt westlich der B 3 bekannt gegeben.

Östlich der Landstraße - dort, wo einst die "Pfalz" stand - ist die Kubatur des neuen Gebäudes schon deutlich zu erkennen. Zwei Stockwerke des Rohbaus stehen bereits. Gegenüber, auf dem alten Parkplatz-Gelände des Gasthauses, ist der Erdaushub in vollem Gange. Es geht voran. Im nächsten September oder Oktober sollen die Praxen und Einrichtungen östlich der B 3 ihre Arbeit aufnehmen, spätestens zum Jahresende 2016 ist die Eröffnung des Ärzte- und Therapiehauses auf der anderen Seite vorgesehen, wie der Arzt Dr. Kai Wachter, der Sprecher der künftigen Nutzer, mitteilte.

In seiner Begrüßung dankte Wachter der Wirtsfamilie Opfermann, die die "Pfalz" an die Ärzte- und Therapeutengemeinschaft verkauft hatte. Schon bis dahin sei es ein langer Weg gewesen: "Als wir uns vor vier Jahren erstmals getroffen haben", sprach Wachter für sich und seine Kollegen, "da haben wir nicht geahnt, wie viel Arbeit und Zeit wir brauchen würden, um hier heute anzukommen. Aber wir haben auch nicht geahnt, wie viele nette, interessierte Menschen wir treffen würden, die uns begleiten und unterstützen." Neben den Familien, die Wachter ausdrücklich hervorhob. So habe jedenfalls alles seine zwei Seiten. Genauso, wie das "Dok-Tor" links und rechts der B 3.

Im Jahr 2012 habe man sich erste Gedanken über ein Ärztehaus gemacht, ging Architekt Manfred M. Fischer kurz auf die Vorgeschichte ein. Ein Jahr später hätten erste Entwürfe vorgelegen, dann begann die Bauplatzsuche, und die war schwer. Die Immobilie des "Schwarzen Adler" war mal im Gespräch, genauso der Rathausvorplatz. Ideen, die kamen und gingen: "Es ging lange hin und her", so Fischer. Dann kam die Einigung mit Wirt Jürgen Opfermann. Im November 2014 wurden die Pläne für die neuen Objekte eingereicht, und genau am 8. Februar gab es im Festsaal der "Pfalz" die offizielle Schlüsselübergabe von Opfermann an die künftigen Nutzer. Viele informierten sich damals über die Pläne der Ärzte und Therapeuten und nahmen Abschied vom alten Gasthaus, dessen Abriss Anfang April begann. In jenem Monat kam auch die Baugenehmigung für das östliche Haus. Im September dann endlich auch grünes Licht für den Bau gegenüber.

Erster Gedanke sei gewesen, eine Situation zu schaffen, die zeigt, wo sich die Kernstadt befindet und wo die neueren Baugebiete, erläuterte Fischer den planerischen Ansatz. Dann die Besinnung auf das ehemalige "Heidelberger Tor". Warum also nicht die Tor-Situation am Stadteingang nachbauen, fragte sich der Architekt. Daraus erwuchs eine Planung zweier Gebäude, die in ihrer Architektursprache gleich sind. Beide weisen in ihren Bauteilen direkt an der B 3 Pyramidendächer auf und stellen so eine Art Einfahrt in die Stadt dar. Hier entstehe ein Zentrum, so Fischer, das sich nicht zu verstecken brauche: 15 Praxen wird es geben, Schulungsräume, eine Apotheke sowie ein Café der Familie Ferrario.

"Wir haben hier links und rechts zwei ’Türme’", sagte Wachter, "die für Stärke und Vertrauen stehen. Sie werden für alle gut zu sehen sein, die hier vorbeikommen." Und die Anmutung eines Tores zur Stadt wird sich nun auch im Namen des Areals niederschlagen. Wachter betonte, dass das "Dok-Tor" auch medizinisches Neuland betreten werde.

Schon im Februar hatte der Sprecher der neuen Nutzer gesagt, dass es heute für eine umfassende Patientenversorgung nicht mehr reiche, einfach Praxen unter einem Dach zu vereinen. Fachübergreifend wollen sie im "Dok-Tor" arbeiten und unnötige Mehrfachuntersuchungen vermeiden. Eine verzahnte Koordinierung von Terminen und Behandlungen soll es geben, dazu die gemeinsame Nutzung von modernstem medizinischem Gerät. Neben der Allgemeinmedizin werden sich im "Dok-Tor" unter anderen auch Ärzte für Betriebs- und Arbeitsmedizin, für Gynäkologie, Neurologie, Pädiatrie, systemische Psychotherapie und Zahnmedizin niederlassen. Praxen für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie gehören ebenso zum Konzept wie eine Ernährungsberatung und ein Labor für Dentaltechnik. Ein 130 Quadratmeter großer Raum kann etwa für Vorträge oder Weiterbildungen sowie von Bewegungsgruppen genutzt werden.

Er hoffe, dass die Patienten nur zu Routineuntersuchungen kommen müssten, so Bürgermeister Hansjörg Höfer in seinem Grußwort. Auch er gestand, dass es für das Ärztehausprojekt anfangs nicht einfach gewesen sei: "Die Praxen waren früher ja oft in Wohnhäusern." Aber auch für Mediziner hätten sich die Richtlinien geändert. Dennoch sei er überrascht gewesen, so Höfer, wie viel Platz man heute für eine Praxis brauche. Überdies sei er von Baufachleuten gewarnt worden: Ärzte seien "ein schweres Publikum". Aber die Zusammenarbeit sei hier sehr gut gewesen. Es sei ferner von Vorteil, dieses auch finanziell große Projekt mit vielen Partnern stemmen zu können, wandte er sich an die Gemeinschaft um Wachter. Dennoch sei es mutig gewesen, die "Pfalz" seinerzeit zu kaufen. Alte Postkarten des Gasthauses, dessen alter Stempel sowie die letzte Speisekarte kamen am Samstag in den kleinen, roten Stahlkoffer, der als Grundstein diente. Darin lagen unter anderem auch Kopien der Baugenehmigungen, der Gipsabdruck eines Gebisses und die Reste einer Tape-Rolle, die zuletzt an der Matte der KSV-Ringer zum Einsatz gekommen war. Der Koffer soll nun eingemauert werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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