16.11.2015

Schriesheim: Gesamtelternbeiratsvorsitzende lobt Schulbauprozess

Christiane Haase über den Schulbauprozess und den Renovierungsbedarf im Schulzentrum

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Einen Gegenkandidaten hatte sie bei der Wahl nicht. Man darf davon ausgehen, dass die Elternvertreter der Schriesheimer Schulen einfach froh waren, dass Christiane Haase weitermachen will. Schließlich ist ihr Amt zeitraubend. "Aber es macht auch Spaß", sagt sie. Außerdem bedürfe es Eltern, die an den Schulthemen dranbleiben. An der baulichen Zukunft des Schulzentrums zum Beispiel. Auch darüber sprach die RNZ mit der wiedergewählten Gesamtelternbeiratsvorsitzenden.

Frau Haase, in unserem letzten Gespräch haben Sie gesagt, der Gesamtelternbeiratsvorsitz sei gerade mit Blick auf den Schulbauprozess manchmal ein Fulltime-Job. Warum tun Sie sich das wieder an?

Weiß ich nicht. Vielleicht ist es Idealismus. Auf jeden Fall ist es mir ein Anliegen, mich bei den Schulthemen einzubringen. Außerdem muss es Eltern geben, die zwischen den unterschiedlichen Beteiligten am Thema Schule vermitteln können.

Die Fraktionen im Gemeinderat würdigten kürzlich die Arbeitsgruppe "Zukunftsfähige Schularchitektur" (ZSA), die in einjähriger Arbeit Empfehlungen an die Stadträte formulierte, wie es in Sachen Schulzentrum weitergehen soll. Auch Sie waren in der Arbeitsgruppe dabei. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Sicher war der Prozess bislang gut. Wir haben viel über Architektur und Pädagogik gesprochen. Leider kamen aber die Finanzen zu kurz. Und die sind in dem ganzen Prozess wohl das größte Problem. Wir haben immer nach einem Finanzierungskonzept gefragt. Sicher muss man dabei Fördermöglichkeiten ausschöpfen. Aber man kann nicht immer nur diesen Geldern nachrennen. Die Frage nach Steuersparmodellen wurde noch gar nicht gestellt. Kreditaufnahmen werden sich nicht vermeiden lassen, jedoch muss man auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen, wie Spenden oder Sponsoring. Hier sollte man sich mit Schulträgern unterhalten, die diesen Prozess schon durchlaufen haben und keine Möglichkeit kategorisch ausschließen.

Die Vorschläge der ZSA-Gruppe besagten, das Kurpfalz-Gymnasium (KGS) in Teilen zu erneuern und zu sanieren, die Kurpfalz-Grundschule neu zu bauen und in Sachen Kurpfalz-Realschule (KRS) weitere Untersuchungen anzustellen ...

Es war unser Vorschlag, die Grundschule an anderer Stelle neu zu bauen. So muss man während der Bauphasen keine Container aufstellen, sondern kann die alten Grundschulräume als Ausweichquartier nutzen, sobald eine neue Grundschule steht.

Außerdem hat die Arbeitsgruppe empfohlen, über neue pädagogische Konzepte nachzudenken. Seitdem steht zumindest im Raum, die KRS zur Gemeinschaftsschule zu machen, um möglichst hohe Förderbeträge zu erhalten. Wie stehen Sie dazu?

Wie gesagt, es geht nicht nur um Fördergelder. Und es geht auch nicht nur um pädagogische Konzepte. Abgesehen davon, will die Realschule, zumindest nach meinem Kenntnisstand, das bleiben, was sie ist. Und um das ganz deutlich zu machen: Wir Eltern wollen im Schulzentrum keine goldenen Wasserhähne. Wir wollen eine funktionierende Schule, in der vernünftiger Unterricht möglich ist. Eine Schule mit Bewegungsfreiheit für die Schüler und Raum für die Lehrer. Eine Schule, in der es warm und trocken ist. Der Anspruch ist also nicht sonderlich hoch. Und wie pädagogische Konzepte in 30 Jahren aussehen, weiß sowieso niemand.

Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund den aktuellen Streit der hiesigen Landtagsabgeordneten über die Schul᠆bauförderrichtlinien?

Diese Debatte bringt der Sache gerade eigentlich gar nichts. Uns interessiert vielmehr, wann die Ausschreibungen beginnen sollen. Wir wollen, dass der Prozess jetzt nicht ins Stocken gerät. Wir würden gerne in dem gleichen Tempo weitermachen wie im vergangenen Jahr. Im Moment geht es uns nicht wirklich schnell genug. Es gibt viele Eltern, die gerne noch erleben würden, dass die Bauarbeiten zumindest anfangen. Umso wichtiger wäre es zu wissen, wann das Schulzentrum überhaupt dran sein soll. Uns fehlt eine Prioritätenliste zu allen großen Bauvorhaben der Stadt, aus der genau das hervorgeht.

Auch das Thema KGS als Ganztagesschule kommt im Zuge des Schulbauprozesses wieder auf. Direktor Jürgen Sollors sagte der RNZ im September, hinter einer rhythmisierten gebundenen Ganztagesschule stünden Konzepte, die es am KGS nicht geben werde. Was sagen Sie?

Die Kinder haben ja heute teilweise schon zwei- bis dreimal Nachmittagsunterricht in der Woche. Ich glaube nicht, dass das momentan das wichtigste Thema ist.

Ungeachtet des Schulbauprozesses bedarf es weiterer Sanierungen am jetzigen Schulzentrum. Wo gibt es Ihrer Ansicht nach dringendsten Handlungsbedarf?

Zunächst ist sehr erfreulich, dass die Stadt trotz des Schulbauprozesses jedes Jahr Geld für Reparaturen in die Hand nimmt. Bürgermeister Hansjörg Höfer hat versprochen, dass in der Realschule die Akustikdecken eingebaut werden. Eine unendliche Geschichte sind dagegen leider die Amokbeschläge in der KRS. Ganz begeistert ist dagegen die Grundschule von ihrem neuen Speisesaal, der auch gut genutzt wird. Schließlich hoffen wir, dass wir mit dem neuen Stadtbaumeister, Markus Foltin, genauso weitermachen können wie mit Astrid Fath. Mit ihr sind wir zwei Mal im Jahr durch das Schulhaus gelaufen, um zu schauen, wo es Reparatur- und Sanierungsbedarf gibt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung