22.12.2015

Schriesheims Bürgermeister Höfer bleibt bei Windkraft gelassen

Das RNZ-Jahresgespräch mit Bürgermeister Hansjörg Höfer - Planungen für teure Großprojekte, Vollendetes und Strittiges

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die neuen Parkplätze in der Heidelberger Straße werden erst nach dem Mathaisemarkt eingerichtet; in Sachen Feuerwehr ist eger inzwischen tendenziell für einen Neubau außerhalb der Stadt, und beim Schulzentrum gilt für ihn "Finanzierung vor Zeitplan": Bürgermeister Hansjörg Höfer nutzte das RNZ-Jahresgespräch auch für Ausblicke auf anstehende Herausforderungen.

Herr Höfer, wir hoffen nicht, dass der etwas traurig geratene Weihnachtsbaum am Alten Rathaus symbolisch ist für Ihren Rückblick auf dieses Jahr.

Nein, sicher nicht. Das Jahr war für mich und die Stadt erfreulich und vielfältig. Sicher ist die Beleuchtung des Christbaums nicht das, was Standard sein sollte. Generell stellt sich auch die Frage, ob der Standort am Alten Rathaus der richtige ist. Vielleicht sollten wir auch ganz darauf verzichten oder den Baum, der am Stadtbrunnen steht, mit Lichtern schmücken. Inzwischen ist ja auch alles eine Sicherheitsfrage. Wir dürfen unsere Leiter eigentlich gar nicht mehr benutzen und bräuchten eine Hebebühne.

Welches Thema war dieses Jahr für Sie das wichtigste?

Die Sanierung der Heidelberger Straße. Das haben wir 20 Jahre vor uns hergeschoben.

Aber fertig ist ja noch nicht alles.

Richtig. Die Parkplätze und die Fahrradständer fehlen noch. Am liebsten hätten wir gar keine Stellplätze ausgewiesen und beobachtet, wie sich die Autofahrer verhalten. Die Art und Weise, wie dort im Moment geparkt wird, zeigt uns, dass wir Parkplätze einrichten müssen.

Und wann wird das sein?

Nach dem Mathaisemarkt.

So lange wollen Sie warten und das "wilde Parken" dulden?

Nun, es ist ja nicht mit ein paar Pflasternägeln getan. Wir brauchen auch noch die gesamte Beschilderung.

Warum hat man das nicht von Anfang an in einem Guss durchgeplant?

Weil die Parkplätze ein lange diskutiertes Thema waren. Wir haben oft mit den Geschäftsleuten dort gesprochen. Die einen wollten Stellplätze, andere nicht. Wir wollten das nicht diktieren. Wild geparkt wird auch im Schulhof. Wir werden das ordnen und hier die Parkzeit auf eine Stunde reduzieren. Im Moment ist es so, dass die Feuerwehr im Notfall gar nicht richtig durchkäme. Das müssen wir ändern.

Ein strittiges Thema an der Bergstraße war in diesem Jahr die Ausweisung der Konzentrationszonen für Windkraft. Wie stehen Sie zu Windrädern bei uns?

Windkraft und Fotovoltaik sind Zukunftstechnologien. Wir brauchen Energie, also müssen wir Kompromisse schließen. Prinzipiell bin ich also dafür. Aber keiner wird in Windräder an Standorten investieren, an denen sie keine Gewinne abwerfen. Ich bin da also ganz gelassen. Außerdem: Wenn Sie an möglichen Standorten Fledermäuse oder Rotmilane finden, dann fallen diese sowieso weg. Das kann man daher pragmatisch sehen. Lediglich auf der Hangkante an der Bergstraße bin ich grundsätzlich gegen Windkraftanlagen.

Auch Schriesheim musste sich mit der Flüchtlingsfrage auseinandersetzen. Am Mittwoch bekamen Sie einmütige Rückendeckung im Gemeinderat für Ihre Strategie bei der Anschlussunterbringung. Wie bewerten Sie das?

Diese Geschlossenheit in der Frage der Anschlussunterbringung war für mich eigentlich das Highlight des Jahres überhaupt. Die ordentliche Unterbringung als Aufgabe für die Stadt wurde anerkannt. Im Detail gibt es in den Fraktionen sicher unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema. Doch alle sagen: Da kommen Menschen zu uns, keine anonymen Massen. Die Gremienmitglieder haben gezeigt, dass sie Praktiker sind, keine Ideologen.

Kritische Stimmen gibt es bezüglich der Konzentration von Ärztehäusern im Bereich des OEG-Areals - siehe "Medicum" und neues "Dok-Tor". Praxen am Rand der Innenstadt seien nicht zentral gelegen und würden Kaufkraft abziehen, heißt es. Wie stehen Sie dazu?

Es gab ja mal Pläne, auf dem Rathausvorplatz ein Ärztehaus zu bauen. Das hätte die Innenstadt sicher belebt. Der Einzelhandel merkt heute schon, dass es die Praxen in der Talstraße nicht mehr gibt. Patienten waren hier auch Kunden. Wir müssen gemeinsam mit dem BDS um die Einkaufsstadt kämpfen. Es wird uns gelingen, die Menschen in die Innenstadt zu bekommen. Trotz Branichtunnel und Ärztehäusern, die meiner Meinung nach die Zukunft sind. Diese kommen letztlich den Patienten zugute und werden auch für Schriesheim positiv wirken.

Das komplette Interview lesen Sie in der gedruckten RNZ-Ausgabe Bergstraße vom 19. Dezember 2015

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung