14.03.2016

Behördentag auf dem Mathaisemarkt: Von Schriesheim ohne Ampel ans Mittelmeer

Bürgermeister Höfer ging in seiner Rede auf dem Mathaisemarkt davon aus, dass der Branichtunnel spätestens im Juli geöffnet wird - Am Donnerstag findet die RNZ-Riesenradweinprobe statt

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Das Schriesheimer Sprichwort passt dieses Jahr mal wieder: "Mathais bricht’s Eis. Hat er keins, macht er eins". Am vergangenen Wochenende regnete es, am Montagabend kam der Wintereinbruch: "Jahrelang wurde der Mathaisemarkt nicht mehr so vom Wetter gegeißelt", seufzte Bürgermeister Hansjörg Höfer gestern beim Empfang der Ehrengäste auf dem Volksfest: "Aber ich gehe davon aus, dass das Eis nach diesem Behördentag gebrochen sein wird". Höfer sollte Recht behalten. Als die rund 120 Vertreter aus Politik, Behörden und Institutionen der ganzen Region mittags auf den Rummelplatz kamen, war die weiße Pracht auf den Fahrgeschäften und Buden fast schon wieder ganz getaut und die Stimmung glänzend.

Schon morgens bei der Begrüßung im Haus der Feuerwehr wurde gescherzt. Hier präsentiert der Schriesheimer Kulturkreis stets seine Kunstausstellung zum Volksfest, dieses Jahr sind es sogenannte "Scanografien" des Mannheimer Künstlers Walter Spagerer. Dieser legt Blüten, Blätter und Gemüse auf den Scanner und bearbeitet die Bilder dann am Computer nach. Eine sehenswerte Werkschau.

Doch in der Rede des Bürgermeisters ging es weniger um Kunst, sondern zum Beispiel um den Branichtunnel, der noch vor der Sommerpause eröffnet werde. Das nahm Höfer zumindest an. Demnach würde das 85 Millionen Euro teure Verkehrsprojekt des Landes noch vor dem 20. Juli abgeschlossen. Der Tunnel soll die Schriesheimer Ortsdurchfahrt in den Odenwald entlasten. Bislang würden diese bis zu 18 000 Fahrzeuge täglich nutzen. Mit dem Tunnel solle ihre Zahl auf 6000 reduziert werden, so Höfer. Dieser unterstrich die Bedeutung der 1796 Meter langen Röhre für die Anbindung des vorderen Odenwalds an die Rheinebene und die Autobahnen. Seinen Kollegen empfahl er: "Ihr da draußen könnt dann in euren Orten mit dem Slogan werben: ’Von der Haustür ohne Ampel bis ans Mittelmeer’".

Der Bürgermeister widmete sich zudem den wichtigsten Aufgaben für seine Stadt im vergangenen Jahr. Themen, die den zwölf anderen Rathauschefs an diesem Morgen sicher bekannt vorkamen - etwa die Kleinkindbetreuung, Gebäudesanierungen oder die Flüchtlingsunterbringung, die Höfer eine "Riesenherausforderung" nannte: "Wenn Bund und Länder in dieser Frage die Kreise und Kommunen nicht hätten, dann wäre schon lange das Chaos ausgebrochen", sagte der Bürgermeister und unterstrich die Bedeutung der ehrenamtlichen Helfer: "Ohne sie würden wir es nicht hinbekommen."

Damit war es Höfer dann genug der ernsten Themen, und er bat in den Zehntkeller, wo traditionell die "Novizen" in den Kreis der Gäste des Behördentags aufgenommen werden, verbunden mit den Küsschen für die Wein- und Winzerhoheiten. Dieses Mal waren die gekrönten Häupter aus Lützelsachsen, Hemsbach und Groß-Umstadt sowie die Gebietsweinkönigin der Hessischen Bergstraße, Anja Antes, zu Gast bei Schriesheims Weinkönigin Katrin Hartmann.

Erstmals dabei war zum Beispiel der neue Bürgermeister von Edingen-Neckarhausen, Simon Michler. Ebenfalls neu beim Behördentag waren Christoph Trinemeier, Leitender Direktor beim Verband Region Rhein-Neckar, und der Finanzpräsident der Oberfinanzdirektion Karlsruhe, Dietrich Weilbach.

Sie hielten sich eher zurück, als es auf den Rummelplatz ging. Ganz anders Stefan Dallinger. Der Landrat des Rhein-Neckar-Kreises brachte sein Pferd beim "Derby"-Wurfspiel wie immer als Erster ins Ziel und war auch neugierig auf das Illusionsgeschäft "Psychodelic". In der Mandelrösterei zeigte dagegen die Bürgermeisterin von Heiligkreuzsteinach, Sieglinde Pfahl, ihr Können. Danach ging der Rundgang durch die Straußwirtschaften weiter, die erst wieder am Freitag öffnen. Denn heute und morgen macht der Mathaisemarkt Pause. Am Donnerstag wird sich ab 17 Uhr nur das 40 Meter hohe "Juwel" auf dem Festplatz drehen - für die dritte RNZ-Riesenradweinprobe. Dann gibt es vier erlesene Weine der Schriesheimer Winzergenossenschaft in luftiger Höhe.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung